Heikvaldo: TA und die Achterbahn

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Also gefühlstechnisch ist TA wie Achterbahnfahren. Ich meine jetzt nicht die Gefühle mit "Herzschmerz". Ich meine deine persönlichen Empfindungen.

 

Die letzten Tage war ich TA mäßig voll gut drauf. Ich habe Fortschritte gemacht. Tanzen hat gut geklappt. Also so ein richtiges Gefühlshoch. Dann auf der gestrigen Milonga bin ich eher durch die untere Hälfte des Loopings gefahren. Ich hatte auch Frauen, mit denen hat der Tanz eher schlecht als recht geklappt. Meine Führung kam irgendwie nicht oder nicht richtig an. Es war teilweise eine echte Quälerei (für beide).

 

Sicher, so etwas kommt immer wieder vor. Ich möchte aber wissen, welchen Anteil ich an der "Misere" habe. Es ist einfach zu sagen: "die blöde ... kann nicht einmal tanzen". Aber das ist zu einfach. Es gehören wohl immer zwei dazu. Und wenn ich es gut könnte, dann würde es wohl mit (fast) jeder klappen.

 

Lag es an den hohen Temperaturen? War ich unkonzentriert (oder sie)? Ich habe jedenfalls gemerkt, dass ich, sobald ich mich nicht mehr voll konzentriere, auch nicht mehr gut führe. Ich gebe keine eindeutigen Signale mehr oder sende sie erst verspätet aus. Und ich hatte Momente, wo ich "ziellos" war. Und damit natürlich auch die Frau. Das merkst du dann richtig. Wenn ich nicht führe, dann steht sie etwas hilflos "rum".

 

Somit ist die klare Anforderung an den Mann (Führenden): immer und jederzeit 100% bei der Sache sein! Das ist aber gar nicht so einfach. Kennen wir alle aus dem normalen Leben. Du hast gute und weniger gute Tage. Und über den Tag verteilt ist deine mentale Kraft mal größer und dann wieder kleiner. Beim TA hat das aber eben Folgen. Du bist am Steuer. Da ist selbst der "Sekundenschlaf" gefährlich (naja, Gott sei Dank nicht wirklich).

 

Also, was lernen wir daraus? Keine Selbstüberschätzung! Auch wenn Fortschritte erkennbar sind, bis zur Ziellinie (und die ist beim TA keinesfalls eine statische Größe) ist es noch ein weiter Weg. Es ist durchaus gestattet, sich kurz einmal auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Ja, es ist besser als am Anfang. Ja, jetzt klappen auch schwierigere Sachen. Ja, das echte Anfängerniveau hast du verlassen. Aber! Aber jetzt komm wieder runter von deiner kleinen Wolke. Sonst zerplatzt sie vielleicht, deine Seifenblase. Also, wieder zurück an die Arbeit. Konzentration. Nicht übermütig werden.

 

Ganz allgemein werdet ihr aber in eurem TA Leben sicher feststellen, dass es immer wieder einmal rauf und dann wieder runter mit euch geht. Es gibt gute Phasen und weniger gute. Manchmal wollt ihr vielleicht auch alles hinschmeißen. Es nervt! Dann tretet einfach einmal einen Schritt zurück. Versucht etwas Abstand zu bekommen. Setzt ein paar Tage mit dem Tanzen aus.

 

Wenn ihr dann aber nach ein paar Tagen feststellt, dass euch etwas fehlt ... dann habt ihr Pech! Dann seid ihr vom TA-Virus befallen. Und der lässt euch sicher nicht mehr so einfach los. :-) Dann müsst ihr da durch. Und wie bei jeder Achterbahn kommt auch irgendwann wieder der obere Teil des Looping.

 

 

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Für meine besonderen "Verehrerinnen" hier die versprochenen Gutscheine (Missbrauch wird geahndet ;-):

 

 

Heikvaldo: Unterschied zwischen "nur" lernen und tanzen

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Manche meiner Tanzpartnerinnen lernen "nur". Sie gehen aber nie tanzen. Ihre gesamte TA-Erfahrung stammt also aus den Tanzstunden. Ist das ein Problem? Nun, Problem würde ich das nicht nennen. Es fehlt aber  etwas. Etwas Entscheidendes: praktische Erfahrung!

 

Zum einen brauchen "Tanzlehrlinge" Abwechslung. Verschiedene Tanzpartner. Nicht nur die aus dem jeweiligen Kurs. Zu groß ist die Gefahr, dass man sich gegenseitig anpasst, die Fehler des anderen "ausgleicht". Man kennt den eigenen Tanzpartner. Weiß was er will bzw. wie sie reagiert. Und selbst ein Partnerwechsel innerhalb des Kurses hilft da nicht viel weiter. Es ist und bleibt "Theorie". Das ist aber kein Tanzen. Man übt zusammen. Kleine Stückchen aus dem Gesamten. Wenn man dann doch einmal an jemanden neues gerät, klappt unter Umständen gar nichts mehr wie bisher.

 

Zum anderen ist es schon ein Unterschied, ob ich in der Tanzstunde einzelne Schritte übe oder bei einer Milonga mindestens drei Minuten während eines Tanzes "überleben" muss. Als Führender muss ich (wie bereits beschrieben) die einzelnen "Sequenzen" aneinander reihen, um einen Tanz daraus zu machen. Als Folgende muss ich bisher unbekanntes "nachtanzen". Und dazwischen gibt es keine "Denkpausen" oder "Fragestunden" mit dem Tanzlehrer. Das ist "Live". Alles "geht sofort und unzensiert auf Sendung".

 

Zusätzlich kommt der (ebenfalls bereits beschriebene) "Stress" dazu. Ein neuer, unbekannter Tanzpartner, jede Menge Zuschauer, unbekannte Musik, ein fremder Tanzort. Da ist alles u.U. plötzlich ganz anders als bisher gewohnt. Ein anderer Boden. Eine andere Tanzfläche. Und vermutlich auch viel mehr Tanzpaare als im Tanzkurs. Daneben die Codigos. Der "Aufbau" einer Milonga. Jede Menge neuer Eindrücke.

 

Wer meinen Blog seit Beginn an verfolgt, der erinnert sich sicher noch an "Meine 1.Milonga" oder den "Strudel der Frustration" (die 2. Milonga). Ich habe dort geraten nicht zu bald zu einer Milonga zu gehen (außer man möchte nur zusehen - aber welcher Tänzer will das schon?). Auch sollte man nicht zu viel vom eigenen Können erwarten. Das braucht seine Zeit. Es ist viel schwieriger, als man es vielleicht vermutet hat.

 

An dieser Einstellung hat sich nichts geändert. Wer gerade erst mit dem TA begonnen hat, der muss noch nicht unbedingt zu einer Milonga gehen. Wer die Möglichkeit hat, andere (bereits erfahrenere Tänzer) zu begleiten, der sollte davon Gebrauch machen. Geht mit, seht zu, lernt, fragt. Aber irgendwann sollte für jeden der Zeitpunkt kommen, wo er/sie dann auch wirklich zum Tanzen geht. Traut euch! Vielleicht so nach 8-10 Unterrichtseinheiten bzw. zwei Monaten Tanzerfahrung könnt ihr es wagen. Keine Angst, es wurde noch niemand dort "gefressen".

 

Ihr könnt euch ja auch darauf vorbereiten. Lest über die Gebräuche bei einer Milonga, fragt Tanzkollegen danach. Versucht einen euch bereits bekannten Tänzer bzw. Tänzerin zu "überreden" mit euch hinzugehen. Das gibt Sicherheit und ihr habt auch gleich einen vertrauten Tanzpartner. Mache ich selbst immer wieder mit Anfängerinnen. Wenn ich meine, sie ist soweit, mache ich den Vorschlag mich einmal zu begleiten. Wird meist gerne angenommen. Schließlich ist die Neugier groß.

 

Aber natürlich könnt ihr auch alleine hingehen. Dann müsst ihr euch aber eine Tanzpartnerin suchen (auffordern) oder darauf warten, selbst aufgefordert zu werden. Und dann "überfahren" euch möglicherweise die Eindrücke. Zu viel auf einmal. Und kein vertrautes Gesicht um "Zuflucht" zu suchen. Aber, das ist eure Entscheidung. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.

 

Wichtig ist nur, dass ihr überhaupt hingeht. Denn wozu lernt ihr es denn? Wozu all die Mühen in den Tanzstunden? Und wer noch etwas zögert, der solle doch noch einmal die ersten etwa 10-15 Posts in meinem Blog lesen. So erging es mir. Und ich habe es überlebt :-)

 

Heikvaldo: ... wie ein rohes Ei!

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Nein, keine Angst. Ich folge nicht dem allgemeinen Trend und verlagere meine Posts in den Kochbereich ("Das perfekte Tangodinner"). Es geht um etwas anderes. Ich bin auf der Suche nach der optimalen Umarmung. Oder noch deutlicher: wie soll ich die Frau im besten Fall in meinem Arm behandeln? Was soll ich tun, damit sie sich wirklich wohl fühlt?

 

Das ist sicherlich eines der zentralen Schlüsselelemente beim TA (und wahrscheinlich bei jedem anderen Tanz und auch einer Vielzahl anderer Betätigungen). Ich hatte ja schon Beispiele beschrieben. Lieber ein technisch besserer Tänzer oder einer der es "schöner" kann? Ich glaube, wenn die Frau sich in deinem Arm wohl fühlt - und zwar richtig wohl, dann wird sie auch wieder kommen (wollen). Was muss man(n) also dafür tun?

 

Über meine "Studien" hierzu könnte ich vermutlich bereits eine Diplomarbeit schreiben. Habe ich die Lösung? Nein, sicher nicht. Aber eine wesentliche Erkenntnis habe ich doch bereits: behandle die Frau wie ein rohes Ei! Sie ist zerbrechlich (nein, ist sie eigentlich nicht, aber sie will so behandelt werden), empfindlich (besser empfindsam), "Gewalt" in jeglicher Form missfällt ihr. Klingt jetzt alles ziemlich hochtrabend. Trifft es doch aber im Kern (hoffentlich).Die Frau möchte nicht "bearbeitet" werden, sondern leicht und elegant geführt.

 

Was Frau überhaupt nicht möchte, ist "herum geschubst" werden. "Sprich" also nicht mit den Armen, sondern deinem Oberkörper. Es mag sicher auch vorkommen, dass sie das manchmal nicht versteht. Aber das ist ja auch nicht schlimm. Schließlich gehören ja zwei zum Tanzen. Und jeder hat so ein gewisses "Mitspracherecht". Stell dir vor, du hättest eine seltene, kostbare, empfindliche Blüte im Arm. Wenn du auch nur einmal zu fest zudrückst, ist sie "kaputt". Sei also ganz sanft.

 

Du brauchst auch gar keine "Gewalt". Du musst nicht schieben, drücken, zerren, damit sie dich versteht. Wenn du es richtig machst, dann wird sie es auch so verstehen. Und wenn du dann merkst, wie sanft ihr beide euch bewegt. Wie leicht sie mit dir "gleitet". Dann bist du auf den richtigen Weg. Natürlich ist hier jede Frau anders. Mit der einen klappt es besser als mit der anderen. Liegt in der Natur des Menschen. Wenn es gar nicht klappt, nun, dann hast du ja noch genügend Auswahl. Wir sind eben nicht alle untereinander "kompatibel".

 

Für mich liegt einer der Tangoschätze zwischen dem fünften und sechsten Schritt der Base (also die Frau wurde ins Kreuz geführt und dann folgt der nächste Schritt). Hier kann ich als Führender ein ganz klein wenig "nachdrehen". Die Frau also noch ein bisschen gegen den Uhrzeigersinn drehen. Nur ganz wenig und ganz und gar sanft. Das ist für mich der Hammer! Wenn sie praktisch ohne Gewicht und Widerstand mit mir dreht (ist ziemlich schwer zu beschreiben. Wen es interessiert, dem zeige ich es gerne persönlich ;-) ... und ist natürlich nicht meine Erfindung. Das hat mir eine Tanzlehrerin beigebracht).

 

Wer Führende genau beobachtet, der sieht manchmal, dass der rechte Arm den Rücken der Frau "verlässt" und anschließend wieder zurückgelegt wird. Dies geschieht oft aus dem Grund, dass der Führende damit wieder alle Anspannung aus seinem Arm nimmt und die Frau anschließend wieder ganz sanft umarmen kann. Gleiches kann auch mit der linken Hand des Führenden passieren. Nicht die Hand der Frau loslassen, aber alle Kraft bzw. allen Druck aus dem linken Arm nehmen und wieder ganz sanft zufassen. Und schließlich noch die Schultern. Wenn ich mich darauf konzentriere und bewusst ausatme, dann kann ich auch hier Anspannung herausnehmen und die Umarmung wieder sanfter gestalten.

 

Und wem das jetzt alles viel zu kompliziert ist, der soll einfach eine "vertraute" (und nicht ganz unerfahrene) Tanzpartnerin fragen (die auch ehrlich antworten wird). Die wird es dann mit ihren Worten erklären.

 

Heikvaldo: 10 Lehrer - 11 Meinungen

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Stellt euch vor, ihr hättet mehrere Mütter bzw. Väter (gehabt). Jeder würde euch erziehen (oder es zumindest versuchen). Und natürlich hätte jeder eine - zumindest abweichende - Meinung was richtig oder falsch ist? Wie? Das wollt ihr nicht? Das wäre verwirrend? Genau das kann euch aber im Tango passieren.

 

Ich habe bzw. hatte in meiner noch jungen TA-Laufbahn bisher mit mindestens 5 Lehrerpaaren zu tun. Und wie soll ich sagen ... es gibt unterschiedliche Lehrmeinungen. Die Umarmung beginnt als Herr mit dem linken Arm. Nein, mit dem rechten Arm. Der Schritt wird mit den Zehen zuerst gesetzt. Nein mit der Ferse. Nein, über den gesamten Fuß. Hier mehr (oder doch weniger) mit dem Oberkörper drehen ...

 

Ich will hier nicht über richtig oder falsch urteilen. Kann ich auch gar nicht. Ich möchte euch nur darauf vorbereiten, dass ihr irgendwann in eine Art "Zwickmühle" gelangen könnt. Wer hat Recht? Was ist das Richtige? Wie soll ich es am besten machen? Nun, meine Antwort darauf ist, entscheidet was für euch oder aus eurer Sicht am besten ist.

 

Ich beispielsweise beginne meine Umarmung mit dem linken Arm. Weil ich es für mich für die beste Lösung halte. Ich habe mich so entschieden. Es ist für mich die Art, wie die Umarmung beginnen soll. Andere können eine andere Meinung dazu haben. Aber solange ich mit der Frau tanze (und nicht mein Lehrer) bin eben ich der "Chef" und entscheide.

 

Soll der rechte Arm des Mannes eher weiter oben oder weiter unten am Rücken der Frau aufliegen? Dazu gibt es nicht nur verschiedene Lehr(er)meinungen, sondern jede Frau hat hier für sich auch eine eigene Meinung dazu. Also, was soll dann die (einzig) richtige Antwort auf die Frage sein? Es gibt eine Unzahl von richtigen Antworten. Es kommt eben darauf an. Und vielleicht werde ich irgendwann oder bei einer speziellen Frau auch meine Umarmung mit dem rechten Arm beginnen. Who knows ...?

 

Ich bin mir aber sicher, dass es nicht an diesen Punkten scheitern wird. Es sind andere Dinge wichtig. Und die müssen stimmen. Und wenn euer Tanzpartner den Arm höher oder niedriger will, den Griff lieber etwas fester oder doch lockerer ... dann versuchten wir eben uns darauf einzustellen. Warum auch nicht. Ich denke, es wäre jedenfalls falsch, jetzt zu antworten "die Hand gehört aber dorthin" oder "ich habe es aber so gelernt". Den schließlich haben wir es jeweils mit einem Menschen am anderen Ende zu tun. Keine Maschine. Keine einheitliche "Bedienung".

 

Ich hatte ja bereits mehrfach über Unsicherheiten zu Beginn der TA-Laufbahn geschrieben. Mit der Zeit wird sich herauskristallisieren, was für euch die beste "Lösung" sein wird. Wenn die Frau mehrfach erwähnt, dass euer Arm zu hoch ist, nun dann solltet ihr es eben irgendwann glauben und versuchen es zu ändern. Oder die Frauen werden "es" ändern und eben nicht mehr mit euch tanzen. Und umgekehrt ist es natürlich genauso.

 

Heikvaldo: Links, rechts, vor, zurück (oder unendlich/Tango = 3)

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Mehr Möglichkeiten gibt es nicht! Und eine davon scheidet meistens aus! Bleiben drei. Ach so, ihr wisst ja noch gar nicht, wovon ich spreche. Also gut, dann hübsch der Reihe nach. Einen Einstieg in die Thematik habe ich ja mit dem vorherigen Post bereits getan.

 

Als Führender habe ich jeweils das Problem: "wo soll der nächste Schritt hingehen?" Aus einer schier unüberschaubaren Anzahl von Möglichkeiten soll jeweils eine passende ausgewählt werden. Das überfordert mich. Bisher.

 

Ich habe es ja schon öfters gehört, aber bisher noch nicht so richtig "verarbeitet". Kam mir irgendwie viel zu trivial vor. So einfach kann es gar nicht sein. Sonst könnte es ja jeder. "Es gibt jeweils nur drei Möglichkeiten!" - so die Worte der Tanzlehrer. Da steht also meine Tanzpartnerin vor mir. Egal was wir gerade getanzt haben. Aus genau dieser Ausgangsposition gibt es im Allgemeinen genau drei Möglichkeiten weiter zu gehen.

 

Wer jetzt sagt: "logisch!" - der kann hier aufhören zu lesen. Mehr Erkenntnisse gibt es heute nicht. Für alle anderen möchte ich dieses "Phänomen" noch ein bisschen ausführen. Solange, bis ihr es auch glaubt (und daraus lernt). Genau wie ich.

 

Nehmen wir einmal an die Frau steht auf dem linken Bein. Der nächste Schritt muss also mit ihrem rechten Bein erfolgen (damit es nicht zu kompliziert wird, lasse ich Standbeinwechsel, etc. einmal weg). Ihr rechtes Bein ist also frei. Wo kann sie es hinbewegen? Zu ihrer rechten Seite, nach vorne oder hinten. Mehr Möglichkeiten hat sie gerade nicht.

 

Für mich als Führender bedeutet das, mein nächster Schritt kann nur nach links gehen (damit sie einen Rechtsschritt machen kann) oder nach vorne bzw. hinten (wobei sie dann einen Rückwärts- bzw. Vorwärtsschritt macht). Ja, ist absolut trivial. Aber habt ihr das bisher auch so verinnerlicht? Damit reduzieren sich die unendlich vielen Möglichkeiten, wie es hier mit dem Tanzen weitergehen soll auf genau diese drei. Und das ist doch überschaubar.

 

Nehmen wir also einmal an, euer Tanzniveau ist in etwa so wie meines. Ihr könnt gehen, habt Ochos und Seitwärtsschritte "drauf". Vielleicht habt ihr auch schon Sacadas, Rebote oder was auch immer gelernt. Egal. Die Sache ist ja die, dass wir aus all diesem Vorrat an Möglichkeiten etwas zusammenbauen, das dann TA genannt wird. Und da liegt - zumindest bei mir - der Hase begraben. Die Aneinanderreihung von Elementen. Am Schluss soll ja ein Tanz daraus werden.

 

In der Theorie klappt das wunderbar. In der Tanzstunde wird etwas geübt bis wir es verstanden haben. Aber bedeutet das auch, dass wir genau dieses Element jetzt auch schon tanzen können? Auf einer Milonga? Mit einer fremden Frau im Arm? Unter dem Blick der Zuschauer? Bei fremder Musik? Wenn ich unter diesem "Stress" stehe, dann "blockiert" teilweise mein Tangogehirn. Es gibt die gelernten Informationen nicht heraus. Und bevor meine Tanzkunst leidet, lasse ich dann vieles lieber weg.

 

Mir erklärte einmal eine wunderbare Tänzerin, dass "... die einzelnen Elemente (Ochos, etc.) die Noten sind. Die Kunst ist es, daraus eine Melodie zu machen". Jedes Kind kann Noten lernen. Aber nur wenige schaffen es, sie so anzuordnen, dass daraus ein Lied wird. Und die besonders Begabten schaffen es, eine wunderbare Melodie zu zaubern.

 

Und genau das wollen wir auch versuchen. Eure Noten habt ihr (Ochos, Vorwärtsschritte, Seitwärtsschritte, ...). Also lasst sie uns "harmonisch" anordnen. Alles schön langsam. Nach jedem Schritt eine kurze Pause. Was sind jetzt gerade meine drei Möglichkeiten? Welche davon habe ich schon angewandt? Gut, dann probieren wir jetzt die Restlichen aus.

 

Und plötzlich ist das alles gar nicht mehr so verwirrend. So unüberschaubar viel. Zumindest bei mir ging endlich ein Licht auf. Und jetzt fange ich an, damit zu spielen. Das erfordert natürlich Übung. Und es ist nichts für eine Milonga. Probiert das für euch selbst aus. Mit dem Tanzpartner. In aller Ruhe. Solange, bis es euch in Fleisch und Blut übergeht.

 

Damit vervielfacht sich euer Repertoire. Nicht mehr nur Vörwärts- oder Rückwärtsocho und dann ein Seitschritt. Ihr könnt die Seitschritte beliebig in die Ochos einbauen. Davor, danach, dazwischen. damit ergeben sich plötzlich viel mehr Möglichkeiten. Obwohl ihr eigentlich ja gar nichts Neues gelernt habt.

 

Ach ja, bevor ich es vergesse. Wie gesagt, Noten aneinander reihen ist eine Sache. Eine "schöne Melodie" zu tanzen eine andere. Vergesst nicht euren jeweiligen Tanzpartner mit in dieses Lied einzubeziehen. Vielleicht erfordert dieser Umstand eine gewisse Modifikation eurer Pläne. Kann sie auch (schon) alles was ihr vorhabt? Erst wenn es für beide schön ist, dann ist es Tango!

 

Heikvaldo: Musik oder Bewegung?

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Da stehe ich also etwas frustriert in der Tanzstunde. Irgendwie geht es gerade nicht ganz so gut vorwärts wie gewünscht (soll ich schon von einer Tangokrise sprechen?). Vielleicht auch noch ein bisschen müde vor Vortag. Irgendwie ist heute nicht mein "Tangotag". Aber gut, die Tanzpartnerin wartet.

 

Ich frage nach der Möglichkeit der "Übergänge" von Ochos. Wie kriege ich die Frau so um mich herum (im Klartext: Vorwärtsochos und Seitwärtsschritte oder  Rückwärtsochos und Seitwärtsschritte im Wechsel)? Ich habe das schon oft gesehen aber bisher noch nicht so ganz verstanden. Also wird noch einmal kurz vorgezeigt und dann üben wir es nach.

 

Ich blicke zu Boden, um genau zu sehen was Frau da macht. Klar, soll so nicht sein. Aber ich bin ja am Üben. Also erlaube ich mir das jetzt einmal. Die Musik? Ach ja, die gibt es ja auch noch. Aber die ignoriere ich jetzt auch. Ich bin voll und ganz auf "Schritte" fixiert. Wie gesagt, es ist Übungsstunde, nicht Milonga. Und nach jedem Schritt der Frau mache ich eine kleine Denkpause und überlege mir die folgenden Möglichkeiten.

 

So, aus dem Vorwärtsocho kann sie jetzt nach da, da oder da. Für gewöhnlich führe ich in den nächsten Vorwärtsocho oder ich "sammel" sie wieder ein und dann beginnt etwas Neues. Also überlege ich mir mal eine neue Möglichkeit. Die, die ich sonst nie führe (in diesem Fall ein Seitwärtsschritt). Wie gesagt, ich bin heute voll in "Schrittlaune". Nichts was ich da mache passt zur Musik. Und die Haltung? Mein Blick ist stur auf den Boden gerichtet. Ich beobachte ihre Schritte.

 

Natürlich missfällt das der Tanzlehrerin. Also gut. Wäre doch gelacht, wenn ich das nicht auch mit Blick geradeaus hin bekomme. Ich konzentriere mich also auf das "Fühlen" ihrer Schritte. Wo hat sie jetzt welches Bein und welches ist ihr Standbein (netterweise "zeigt" mir die Tanzpartnerin genau an wie sie gerade steht). Klar, das kriege ich mittlerweile hin. Also Blick schön gerade. Aber ich muss mich trotzdem immer noch ziemlich auf die Frau konzentrieren. Weniger auf die Musik. Ist mir aber immer noch egal.

 

Nach ein paar Mal bekomme ich es schon ganz gut hin. Ich spüre wie die Frau steht und was als nächstes möglich ist. Und ich versuche immer das zu führen, was ich normalerweise nicht führen würde. Also sozusagen immer die dritte Möglichkeit (und da meine Tanzpartnerin diese Möglichkeit bisher noch nicht gewohnt ist, muss ich auch ganz "sauber" mit dem Oberkörper "führen"). Ja, das klappt jetzt ganz gut. Und irgendwann bin ich soweit, wieder auf die Musik zu hören. Jetzt bewege ich mich auch wieder im Takt der Musik. Es wird immer besser. Jetzt wird es langsam wieder Tango.

 

Gegen Ende der Stunde merke ich, dass ich irgendwie überhaupt nicht viel nach vorne gelaufen bin. Heute habe ich fast eine Stunde lang auf der Stelle eine Drehbewegung nach der anderen geführt. Und wie findet es die Tanzpartnerin? Gut! Ich soll ruhig noch langsamer tanzen. Das gibt ihr Zeit für Verzierungen. Und sie hat Zeit alle ihre Schritte sauber auszuführen. Und wir besprechen noch die "Kleinigkeiten". Mehr mit dem Oberkörper hier, weniger mit den Armen da ...

 

Am Ende der Stunde habe ich die Erkenntnis, dass es eine sehr gute Unterrichtseinheit war. Es hat mir etwas gebracht. Ich habe wieder etwas Wichtiges für mich gelernt. Und ich erinnere mich an die vielen Tanzpaare die ich so oft auf Milongas sehe. Die da so "verzweifelt" stehen und mit "Gewalt" die Frau um sich herum gehen lassen wollen. Die Schritte passen nicht zur Musik. Aber es wird auf "Teufel komm raus" geführt. Egal, ob sie "will" und er "kann".

 

Und was ist jetzt meine Lehre für heute? Die Schritte (Führung) habe ich jetzt verstanden. Und ich fange an, das alles wieder mit der Musik im Einklang zu bringen. Aber ... bevor ich das auf der nächsten Milonga tanzen werde, fehlt mir noch die Übung.

 

Deshalb stehe ich gerade vor der Wahl: Musik oder Bewegung? Will ich "schön" zur Musik tanzen oder will ich "schön" die Schritte führen? Beides gleichzeitig habe ich noch nicht drauf. Also wird das erst noch geübt. Aber mancher ist anscheinend damit zufrieden, die Schritte "schön" zu führen. Ob es zur Musik passt ist für ihn Nebensache. Und das sehe ich dann sicher wieder bei einigen auf der nächsten Milonga. Und am verzerrten Gesichtsausdruck der Tänzer sehe ich dann auch wieder, wie viel "Spaß" sie gerade beim "Tanzen" haben.

 

Heikvaldo: Abrazo oder Abrazo?

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"Back to the roots". Ich stehe also wieder (einmal) ganz am Anfang. Abrazo (die Umarmung). Hatten wir doch schon. Ja, aber ...

 

Vielleicht habe ich diesem Thema bisher noch nicht genug Beachtung geschenkt. Bisher war es das eher Offensichtliche, das Oberflächliche. Also der rein mechanische Akt. Arm hier, Hand da. Fertig. Die Umarmung ist aber mehr. Sie kann jedenfalls mehr sein. Sie ist ein Versprechen, ein Geschenk (an den Tanzpartner). Eine sehr vertraute Geste zwischen zwei Menschen (die sich u.U. noch nicht einmal kennen). Sie ist gleichzeitig Einladung und Zusage.

 

Wir haben uns gerade das gegenseitige Versprechen gegeben, miteinander zu tanzen. Jetzt stehen wir voreinander. Vielleicht sehen wir uns in die Augen. Ich kenne dich nicht, du kennst mich nicht. Vielleicht haben wir uns schon gegenseitig gesehen, vielleicht sogar beobachtet. Irgendwie bist du ja in meinen "Tangoradar" geraten. Aber oftmals haben wir noch nicht einmal miteinander gesprochen. Ich kenne deinen Namen nicht. Ich weiß nichts über dich. Außer, dass du jetzt genau vor mir stehst.

 

Vermutlich reden wir bereits vor dem Tanz miteinander. Ist wohl die einfachste Art mit diesem - wenn auch nur geringen - "Aufgeregtsein" fertig zu werden. Vielleicht sagst du mir deinen Namen. Vielleicht schweigst du auch. Das ist jedesmal anders. Und vorher weißt du nie wie es sein wird.

 

Und schon die erste Frage: wie wollen wir zusammen tanzen? Also "spreche" ich als Mann die "Einladung" aus. Ich reiche dir meine Hand. Aber ich gebe dir keine Nähe vor. Du sollst entscheiden. Was jetzt kommt ist so in ca. 90-95 % der Fälle die offene Tanzhaltung. Es ist unser erstes Mal. Wir sind uns fremd. Und Fremde lassen wir nicht in unseren "Wohlfühlraum". Also halten wir einen gewissen Abstand zueinander. Haben wir alle schon oft erlebt. Deshalb wollen wir uns auf die restlichen 5-10 % konzentrieren.

 

Du (die Frau) nimmst die Einladung an und gehst in die geschlossene Umarmung. Passiert bei Frauen, mit denen du das erste Mal tanzt, wohl eher selten. Vielleicht nach ein paar Tandas. Nach einigen gemeinsamen Milongas. Jetzt haben wir "Erfahrung" miteinander. Wir "kennen" uns, wir "vertrauen" uns. Aber es ist durchaus möglich, dass die Frau bereits beim allerersten Tanz diese Form wählt.

 

Und jetzt kann ich dir nur einen Rat geben: lass dir Zeit! Die Frau gibt dir so eine Art "Vorschusslorbeeren". Sie schenkt dir damit ja eine Art von Vertrauen. Sie begibt sich wortwörtlich in deine Hände und erwartet, dass du "gut" mit ihr umgehen wirst. Sie sagt: "ich bin bereit, es mit dir zu versuchen".

Also nehme ich die Frau in die Arme. Mein rechter Arm umschließt sie sanft und doch so "fest", dass sie sich sicher und wohl fühlt.

 

Und dann kommt der Punkt, den viele überspringen. Die meisten "rennen" jetzt los. Nein! Nachfühlen! Wie fühlt sie sich an? Passt alles? Zeit nehmen. Und schließlich "hole" ich mir die Musik dazu. Langsam den Gleichklang beider Körper suchen, sich harmonisieren. Und dann irgendwann (so nach gefühlten fünf Minuten :-)) setze ich vorsichtig den ersten Schritt. Denn die Zeit zwischen der Umarmung und dem ersten Schritt, die entscheidet, wie der Tanz werden wird.

 

Heikvaldo: Anfänger oder Fortgeschritten?

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Ich bezeichne mich ja selbst als Anfänger. Warum? Nun, ich fühle mich so. Ich habe erst ein paar Monate Erfahrung. Andere Jahre. Also bin ich ein Anfänger. Ich höre oft, es dauert Jahre bis man es halbwegs kann. Also bin ich ein Anfänger. Ich sehe denen, die es bereits deutlich besser können neidisch hinterher. Also bin ich ein Anfänger. Aber wann bin ich ein Fortgeschrittener?

 

Zunächst habe ich gelernt, dass Zeit weniger in Monaten zwischen Tanzbeginn und heute gemessen werden sollte, sondern eher in Tanzerfahrung seit dem Tanzbeginn. Wenn als zwei Personen zur gleichen Zeit mit dem Tanzen angefangen haben, der eine jeweils einmal pro Woche zu einer Unterrichtsstunde geht, der andere aber einmal pro Woche zum Unterricht geht, daneben noch eine Practica und eine Milonga besucht und sich auch noch privat mit dem Thema beschäftigt (und übt), dann (haben wir jetzt nicht nur einen extrem langen Satz ;-)) dürften beide nach einer gewissen Zeit unterschiedlich viel Erfahrung haben.

 

Vielleicht sollte ich meine Tanzerfahrung generell in Stunden, Tänzen oder verschiedenen Tanzpartnerinnen angeben???? Oder in "überlebten" Milongas? Oder in der Anzahl Körbe pro Monat (davon bin ich aber Gott sei Dank bisher noch verschont geblieben)? Dieser Quotient dürfte wohl mit der Erfahrung und dem Können abnehmen. Die Frauen sehen ja, was man(n) kann und wollen dann auch mit dir tanzen.

 

Nun bisher bin ich noch bei den Monaten geblieben. Denn das beschreibt mich ja als Anfänger. Und so möchte ich ja auch (noch) gesehen werden. Ich mache noch Fehler, mein "Figurenrepertoire" ist noch eingeschränkt, ich vertanze mich ab und zu, meine Führung und Haltung ist noch nicht perfekt ... Vielleicht ändere ich diese Angabe irgendwann einmal. Aber im Moment ist es so okay.

 

Gut, aber wann bin ich dann ein "Fortgeschrittener"? Kann ich diesen Tag einfach beziffern mit "in soundso viel Monaten"? Ich glaube nicht. Denn der Sprung vom Anfänger zum Fortgeschrittenen dürfte sich an etwas anderem orientieren als Zeit. Da spielt wohl eher das Verständnis des Tanzes eine Rolle. Die innere Reife. Die Ruhe beim Tanzen (bzw. bereits bei der Umarmung). Der Umgang mit dem Tanzpartner. Und sicher noch vieles mehr was ich heute noch gar nicht erkennen kann.

 

Viele werden den Status "Fortgeschritten" vermutlich auch niemals erreichen. Sie mögen ja in der Theorie weiterkommen. Sie haben die kompliziertesten Kombinationen mit mindestens 28 unterschiedlichen "Bewegungsmustern" im Repertoire. Sie kennen und "können" jeden möglichen Schritt. Kein Begriff aus der Tangowelt ist ihnen Fremd. "Ja klar, kann ich auch". Sie haben auch schon bei den verschiedensten 8und natürlich bei den berühmtesten) Lehrern Stunden genommen. Die Liste ihrer "Erfolge" ist endlos. Aber ...

 

Aber welch ein Leid befällt meine Augen, wenn ich mache Tänzer bei ihren korporalen Ergüssen beobachte? Welch Leid fügen sie ihren TanzpartnerInnen und der zuschauenden "Umwelt" zu? Sehe ich da Freude im Gesicht der Tänzer? Spüre ich die gemeinsame Harmonie dieser beiden Körper? Bereitet mir das Zuschauen Freude? Hmmmmh. Jedenfalls nicht immer.

 

Also werde ich für mich solange Anfänger bleiben, bis andere über mich sagen, dass es eine Freude ist, mir zu zusehen und eine noch größere Freude, mit mir zu tanzen. Dann ... aber nur vielleicht ... werde ich mich vielleicht als Fortgeschrittener bezeichnen.

 

Heikvaldo: Soll ich ihm (ihr) die Wahrheit sagen?

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Spannendes Thema. Denn hier bewegen wir uns auf sehr heiklem Terrain. Worum geht es?

 

Meine Einstellung zum Thema Feedback habe ich ja bereits beschrieben. Ich bin ein absoluter Freund von Feedback. Auch (oder gerade) wenn es sich um Kritik handelt. Sie hilft mir, besser werden zu KÖNNEN. Natürlich passiert da nichts von alleine. Ich muss mitarbeiten (naja, eigentlich habe ich die ganze Arbeit alleine damit). Aber die Kritik liefert mir den Anstoß dazu.

 

Im Gespräch mit anderen TänzerInnen bekomme ich (wie wohl jeder von uns) auch ab und zu Infos zu anderen TänzerInnen (ist hier das Aufkommen an Informationsaustausch unter den Frauen wirklich viel, viel größer als bei uns Männern???) Da erfahre ich dann, wer ein "Knochenbrecher" ist. Bei welchem Mann "Vergewaltigungstango" gelernt werden kann. Wer ein "Wohlfühl-Mann" ist. Welche Frau sich wie ein Stein bewegt. Welche Frau das Rhythmusgefühl eines Baumstammes hat.

 

Und wenn ich dann den/die Betroffenen auch kenne und somit etwas einschätzen kann, ob er/sie das bewusst tut, da kommt mir die als Überschrift formulierte Frage in den Sinn: Soll ich (also als der jeweilige Tanzpartner - nicht als der Freund/Bekannte) es ihm oder ihr sagen? Sagen, dass er sanfter mit mir als Frau umgehen soll? Sagen, dass ich es lieber sehen würde, wenn sie bestimmte Dinge nicht mehr tut?

 

Mich hat eine Sache sehr zum Nachdenken angeregt. Eine Frau nannte einen meiner Bekannten einen "Knochenbrecher". Er würde absolut "hart" führen. Kein Gefühl für die Frau in seinem Arm. Besagter Mann ist ein Tänzer, der viel übt, sich also Mühe gibt. "Behandelt" er die Frauen beim TA absichtlich so? Wohl kaum. Ich denke, wir können keinem Tänzer oder Tänzerin unterstellen, absichtlich etwas zu tun, was dem anderen "schadet". Da sind wir uns hoffentlich einig. Einen "Vorsatz" möchte ich also niemandem unterstellen.

 

Manche Frauen meiden also diesen Mann. Wird er sich irgendwann ändern? Ein "sanfterer" Mensch werden? Ich glaube nicht. Er weiß ja gar nichts davon. Oder zumindest vermute ich das, sonst würde er sich ja vermutlich ändern. Mein Verhalten als Tanzpartner (Schweigen ihm gegenüber) wird also nichts dazu beitragen, dass es in Zukunft besser wird (oder zumindest werden kann).

 

Ich pflege mit meiner Tanzpartnerinnen (jetzt einmal abgesehen von den Frauen, mit denen ich "nur" auf einer Milonga tanze und die ich sonst nicht weiter kenne) jeweils einen ziemlichen offenen Umgang. Wir kennen uns also entweder von Tanzstunden, Practicas oder haben zumindest schon des Öfteren zusammen getanzt. Man "kennt" sich also. Was also tun, wenn ich irgendwelche "Fehler" entdecke? Ich sage es ihr. Natürlich nicht als Vorwurf. Aber ich spreche das Thema einfach offen an und wir reden darüber.

 

"Kann es sein, dass du beim Gehen immer etwas nachts rechts ziehst?". Vermutlich wird sie antworten: "Wirklich? Ist mir noch nicht aufgefallen. Ich werde 'mal darauf achten". Und schon besteht die Möglichkeit, dass sich an der Situation in Zukunft etwas ändern kann. Habe ich jemandem geschadet? Wohl kaum. Es war ja kein Vorwurf. Trotzdem habe ich die Sache angesprochen. Ich habe sie darauf hingewiesen.

 

An dieser Stelle ein kleiner Rat an Frauen: wir Männer brauchen das meist etwas klarer formuliert. Also etwa: "Du ziehst beim Laufen nach rechts". Das ist konkret. Damit können wir etwas anfangen. Männer haben eine andere Art von Hör-Auffassung als Frauen. Wir hören das, was ihr sagt. Nicht das, was ihr damit sagen wollt :-). Auf die Frage: "Kann es sein, dass ..." wird ein Mann für gewöhnlich denken "Kann schon sein!" Aber er interpretiert es nicht als Hinweis an ihn selbst.

 

Aber zurück zur eigentlichen Frage. Wie soll ich damit umgehen? Soll ich? Darf ich? Nun, warum öffnen wir denn nicht die Türe zum Partner. "Habe ich zu fest geführt?". "Soll ich lieber kleinere Schritte machen?". Damit signalisieren wir die Bereitschaft für Feedback. Auch wenn dann nichts zurückkommen sollte, so haben wir jetzt die direkte Möglichkeit, dem Tanzpartner unsererseits ein bisschen Feedback zu geben.

 

Wird es/sie es falsch verstehen und beleidigt sein? Nur für den Fall, die Antwort lautet "ja" (ich persönlich glaube aber, das wird in den seltensten Fällen der Fall sein. Der Punkt ist ja, wie ich es sage). Was wird die Folge sein? Er/sie wird nicht mehr mit euch tanzen, wird euch meiden. Aber das wäre sowieso passiert (siehe oben). Auch, wenn ihr gar nichts gesagt hättet. Aber so habt ihr die Möglichkeit geschaffen, dass er/sie auch weiterhin mit euch tanzt (oder ihr mit ihm/ihr).

 

Heikvaldo: Danke für die Kritik!

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Bin ich ein Glückspilz! Ich bekomme Feedback von meinen Tanzpartnerinnen.

 

Ich persönlich sehe Kritik immer (also meistens. Es gibt auch Menschen, die verwechseln Kritik äußern mit einem privaten Krieg) als etwas Positives an. Es gibt mir die Gelegenheit, mich zu ändern. Ob ich das will oder kann steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber ich bekomme so eine Reflexion wie ich tanze. Und das ist mir persönlich Gold wert. Es gibt sicher genug Tänzer und Tänzerinnen, die halten sich für den Tangogott höchstpersönlich (ich bin wohl eher so etwas wie ein Tangoküken). Allerdings stehen sie mit ihrer Meinung meist ziemlich alleine da. Ihre TanzpartnerInnen haben da vielleicht eine ganz andere Sicht der Dinge.

 

Deshalb freue ich mich immer ungemein, wenn ich Feedback bekomme. Von Tanzlehrern und -lehrerinnen, von Tanzpartnerinnen, die nach einer Pause einmal wieder mit mir tanzen, von gänzlich neuen Tanzpartnerinnen. Von Frauen mit denen ich relativ viel und oft tanze. Egal von wem. Da gibt es das positive Feedback. "Du hast dich verbessert", "dieser Tanz war sehr schön". Das baut mich auf. Natürlich hört das jeder gerne.

 

Aber mein Favorit ist das Andere. Die Kritik. "Achte mehr auf ..", "die Haltung hat so nicht gepasst". Das gibt mir etwas. Damit kann ich "arbeiten". Spätestens, wenn dir die zweite Frau das gleiche sagt, solltest du es glauben. Vielleicht wolltest du dich darüber hinweg schmuggeln, dass die eine ja eine Ausnahme ist. Bei den anderen (Frauen) passt es ja. Mag auch berechtigt sein. Eine einzige Frau hat mir einmal gesagt, ich würde zu fest führen. Ist es also wirklich so oder war sie eben einfach besonders "empfindlich"? Aber wenn du es das zweite Mal hörst ...

 

Also. Höre gut zu. Nimm es einfach erst einmal an. Wiederspreche nicht. Denke erst einmal darüber nach. Vielleicht willst du dich sogar für die Kritik bedanken. Sieh es als Chance, dich zu verbessern. Und jemand der dir Kritik entgegen bringt, der setzt sich mit dir als Mensch, als Person (und hier natürlich als Tänzer) auseinander. Einem (einer) anderen bist du vielleicht völlig egal. Sie (oder er) wird einfach nicht mehr mit dir tanzen. So aber bekommst du eine zweite Chance.

 

Ich habe auf der Milonga gestern jede Menge Feedback bekommen. So viel, dass ich schon fast völlig entmutigt aufgeben wollte (ich kam mir schon fast wie bei "Let's dance" vor. Ich auf dem Parkett und außen saß die Jury). Ja, da bekommst du schon fast eine "Standpauke" deiner Tanzlehrerin. Sie hat es natürlich nur gut gemeint. Und ich sehe es ja wie gesagt positiv. Aber natürlich ist es erst einmal ein Dämpfer. Im konkreten Fall hatte ich angenommen, eine meiner Schwächen (eigentlich kann man es sogar in mehrere einzelne zerlegen) wäre mittlerweile zumindest besser geworden. Aber anscheinend habe ich mich getäuscht.

 

Warum habe ich das gedacht? Weil ich schon länger keine "Klagen" mehr darüber gehört habe. Aber anscheinend habe ich mich getäuscht. Es wurde nicht besser, sondern sie (die Frauen) haben es nur nicht mehr angesprochen. Und jetzt sagt es mir meine Tanzlehrerin wieder. Also: noch mehr daran arbeiten! Finde ich persönlich so herum besser, als wenn ich in einem Irrglauben weitermache und irgendwann haben die Frauen keine Lust mehr mit mir zu tanzen, weil ich es immer noch nicht richtig mache. Und ich dachte, es ist schon lange ausgemerzt.

 

Ich kann nicht beurteilen, wie es für die Frauen ist. Wie viel sie falsch machen können oder wie anstrengend ihre Rolle beim Tanzen ist. Als Mann habe ich fast unendlich viele Fehlermöglichkeiten. Und es gibt immer gleichzeitig so viel zu beachten. Das ist manchmal hart. Aber wenn du wieder einmal eine dieser Hürden genommen hast und du dich irgendwo verbessert hast, dann ist es ja auch wieder schön, wenn du dann hörst: "Die Milonga hast du sehr schön getanzt. Das können nicht viele Männer."

 

Heikvaldo: Die Schwächen der Frauen

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Meine Schwächen habe ich ja bereits beschrieben. Manches fällt mir natürlich auch an den Frauen auf. Falls ihr Frauen euch also auch verbessern wollt ...

 

Hauptübel (die Sache mit dem "selber kreativ werden und schon einmal voraustanzen" hatten wir ja schon. Die lasse ich hier einmal weg), wenn ich das so nennen darf, ist für mich, wenn die Frau ohne Grund das Standbein wechselt. Ich bin als Führender ja darauf angewiesen zu wissen, auf welchem Bein sie steht bzw. welches Bein frei ist. Nur damit kann sie ja den nächsten Schritt machen. Und wenn sie dann "unerlaubt" bzw. "grundlos" (ich habe es ja nicht geführt) wechselt, dann komme ich u.U. ganz schön ins "stolpern" (im wahrsten Sinne des Wortes). Also bitte bleibt so, wie wir euch "abgestellt" haben. Wenn ihr das Standbein wechseln sollt, dann werden wir es schon sagen bzw. führen.

 

Genauso verwirrend ist es, wenn die Frau ihr Standbein nicht deutlich genug anzeigt. Passiert oft bei Anfängerinnen. Vermutlich wissen sie dann selbst gerade nicht, wie sie stehen (oder zumindest stehen sollten). Und deshalb stehen sie "neutral" (also beide Beine belastet). Das Problem dabei ist das gleiche, wie oben. Ich kann nicht erkennen, mit welchem Bein sie jetzt laufen kann. Eigentlich sollte ich es ja sowieso wissen (ich habe ja geführt). Aber manchmal brauche ich doch ein kurzes "nachfühlen" auf welchem Bein sie gerade steht. Und wenn mir ihr Körper dann nichts darüber "verrät" ...

 

Auch sehr beliebt bei mir: sie beugt sich nach hinten. Das stört mich, weil es die "Harmonie" des Paares beeinträchtigt. Die Frau signalisiert damit - ob bewusst oder unbewusst - dass sie Abstand will. Das verwirrt. Und es ist hinderlich bei Drehungen (physikalisches Gesetz bzgl. der Kräfte in Rotationen). Also bitte auch leicht nach vorne beugen. Wird ja auch von uns Männern erwartet, damit genug "Beinfreiheit" vorhanden ist.

 

Ein weiteres Problem (kommt ebenfalls aus dem Standardtanz) ist das seitlich versetzte Stehen zu mir. Ich habe die Frau also nicht direkt vor mir (und kann sie damit "gleichberechtigt" nach links oder rechts bewegen), sondern eine Seite ist immer "vorbelastet". Deshalb fällt das "Bewegen" in diese Richtung (ist wohl ausschließlich nach rechts aus meiner Sicht) leichter, als in die entgegengesetzte Richtung. Da muss ich sie weitere Wege laufen lassen. Ich bin dann immer versucht, die Frau mittels seitlichen Drucks wieder vor mir auszurichten. Finde ich nervig.

 

Andererseits treffe ich neuerdings Frauen, die sich so V-förmig (also mit leicht gedrehtem Oberkörper) zu mir aufstellen. Vielleicht ist das ein neuer (oder zumindest mir bisher unbekannter) Tanzstil? Eine Unterrichtsform aus einer anderen Schule oder Gegend? Aber da muss ich erst noch weitere Erfahrungen machen. Mir erklären lassen, warum sie das tun. Denn bevor ich mir hierzu eine abschließende Meinung bilde, möchte ich erst das "warum" verstehen.

 

Und schließlich noch ihr nachgebender rechter Arm. Ist aus zweierlei Gründen ein Problem. Gibt die Streckung ihres Armes nach, "verpufft" damit zumindest ein Teil meiner Führung. Sie spürt meine "Vorwärtsenergie" nicht mehr so gut, reagiert gar nicht mehr oder verzögert auf diese Impulse. Zum anderen "zwingt" mich ihr nach hinten gehender Arm ja zum "nachdrücken". Ich kann und will ja den Kontakt mit ihrer Hand nicht verlieren. Also bringe ich sie (zumindest jedoch ihren Arm) in einer Art Rückenlage. Und das ist auf Dauer für sie sicher nicht mehr angenehm. Alternativ bin ich dadurch gezwungen, meinen linken Arm immer wieder zurückzuziehen (damit unsere Arme wieder dort sind wo sie hingehören). Und das läuft einer Vorwärtsbewegung unserer Körper ja genau entgegen.

 

Natürlich sind auch manche Frauen von der "Standardhüfte" betroffen (Erklärung siehe der vorherige Post). Ich sehe schon, damit bin ich also nicht alleine. Auch andere kämpfen damit. Bevorzugt befällt dieses Leiden Standardtänzer. Denn die haben es einmal so gelernt und müssen sich jetzt erst umstellen.

 

Heikvaldo: Schwächen eines Tangoanfängers

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Ja, ich habe sie. Wie jeder andere auch. Meine Tango-Schwächen. Nicht die Schwäche für den Tango ;-), sondern meine Unzulänglichkeiten. Meine Fehler.

 

Da wäre zunächst einmal meine "Standardhüfte". Bekannt aus dem Standardtanz. Aufrechte Haltung. Im Klartext: für den Tango ist das Becken zu weit nach vorne gestreckt. Das behindert beim Tanzen. Es nimmt den notwendigen Raum für die Beine. Bemerkbar z.B. beim Kreuz. Die Frau hat einfach nicht genug Raum für ihre Beine. Immer und immer wieder werde ich daran erinnert. Ich merke es ja auch bei meinen Übungs- bzw. Tanzpartnerinnen. Da fällt es mit ja auch auf. Aber trotzdem passiert es mir selbst immer wieder. Vielleicht sollten wir mit einem Luftballon zwischen den Becken üben? Wie kriege ich das blöde Ding dazu weiter hinten zu bleiben?

 

Mein beweglicher linker Arm. Anstatt "stocksteif" an der richtigen Stelle zu bleiben bewegt er sich beim Tanzen :-( Er geht vor und zurück, wird eingefahren und wieder gestreckt. Ob wohl ein Arzt mir freundlicherweise dafür einen Gips anlegen könnte? Es wird zwar insgesamt besser. Der Bewegungsradius wird kleiner. Aber immer noch ist da viel zu viel "Leben". Selbst mahnende Blicke meinerseits haben noch nicht gefruchtet. Wie kann ich ihm das nur abgewöhnen?

 

Die Richtung meiner Schritte. Das war mir bis gestern noch gar nicht bewusst. Dann klärt mich meine Tanzpartnerin auf. Ich laufe nicht immer im 90 Grad-System. Also konsequent nach links oder rechts, vor oder zurück. Es gibt auch schräge Schritte meinerseits. Also achte ich einmal darauf. Und tatsächlich. Natürlich meine ich jetzt nicht Drehungen. Sondern wirklich einzelne Gehschritte. Da schleichen sich ab und zu "undefinierte", schräge Richtungen ein.

 

Der "Anpressdruck" meiner rechten Hand auf ihrem Rücken. Von Druck möchte ich hier ja eigentlich nicht sprechen. Ich bin da eher sanft. Aber für manche dann eben zu sanft. Ich soll nach hinten blockieren. Kleine oder große Schritte besser anzeigen und mehr oder weniger Raum nach hinten geben. Dann die nächste Frau. Der ist es jetzt zu fest. Meine Haare stehen mir langsam zu Berge. Die vorher genannten "Mängel" kann ich nachvollziehen. Die sind bei jeder Tanzpartnerin gleich schlecht. Aber das hier?

 

Bei gleichem Verhalten ist es für eine okay, die andere findet es zu fest und die dritte ermahnt zu mehr "Härte". Wo liegt also die Wahrheit? Ich versuche das zu kontrollieren, in dem ich des Öfteren beim Tanz die Hand kurz von ihrem Rücken nehme und sie wieder sanft auf denselben lege. Dabei möglichst mit gestreckten Fingern (außer ich umfasse die Frau bei geschlossener Umarmung. dann sind die Finger natürlich angewinkelt). Wenn sich die Fingerspitzen mehr oder weniger in ihren Rücken "bohren" (selbst wenn das nur relativ leicht geschieht), empfinden das die meisten doch eher als unangenehm. Deshalb die Finger durchstrecken.

 

Meine gehobene, nach vorne geschobenen rechte Schulter. Liebevoll auch "aufgeplusterter Schwanenflügel" genannt. Kennt ihr doch, wenn du einem Schwan - also zumindest wenn du eine Schwänin bist - zu nahe kommst. Dann spreizt er so angeberisch die Flügel auf (aber Vorsicht: wenn du diese Sache das erste Mal beim Tanzen deiner Tanzpartnerin erklärst, dann kann ihre Reaktion unberechenbar sein. Ich habe so ziemlich alles von Lachkrampf, bis zur Fast-Ohnmacht mangels Luft erlebt).

 

Dafür habe ich aber mittlerweile eine Lösung gefunden. Die klappt bei mir ganz gut. Das Problem tritt nur noch auf, wenn ich nicht geschlossen tanze. Dabei (bei geschlossener Umarmung) brauche ich nämlich die gesamte Armlänge zum Umfassen ihrer Taille oder Rücken. Wenn wir aber mit etwas mehr Abstand tanzen, dann ist zwischen meiner Hand und meiner Schulter irgendwie zu viel Länge übrig. Und dann biegt sich mein Arm auf. Er steht ab. Und die Lösung: ich fasse die Frau mit meiner rechten Hand an ihrer Seite (unterhalb ihrer Schulter). Dadurch geht meine Schulter nach hinten und der Arm wird eingefahren. Ist zwar vielleicht nicht ganz so toll, aber optisch besser.

 

Dann wären da noch die Neigung meines linken Armes (zu steil aufgestellt, zu flach), die Handhaltung der linken Hand (zu sehr oder wenig gedreht). Aber das sind jetzt eher kleinere Dinge. Die fallen, glaube ich, nicht so sehr ins Gewicht. Aber vielleicht liege ich damit ja auch falsch. Jedenfalls kann ich damit derzeit noch leben.

 

Ihr kennt das vielleicht vom Sport. Du stehst gerade ziemlich verknotet auf der Matte, kriegst kaum noch Luft und dann sagt die Trainerin "immer schön Lächeln". Dabei hast du Mühe überhaupt am Leben zu bleiben. Soll heißen: du musst dich beim tanzen auf all diese Punkte (Fehler) konzentrieren, damit du sie abstellst, dabei noch ganz elegant führen, dir live Gedanken zu den nächsten Schritten machen und das Ganze in völliger Entspannung (sie merkt ja sonst, wenn du verkrampft bist) und wenn es geht noch mit einem Lächeln auf den Lippen. Deswegen liebe ich den TA. Es wird mir nie langweilig dabei.

 

Heikvaldo: Ich tanze nur mit Profis

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Ja, manchmal trifft man(n) sie. Die erfahrenen TänzerInnen, die dir den Tanz nur deshalb verweigern, da du "unter ihrem Niveau" tanzt. Sie tanzen deutlich besser als du. Sie haben deshalb keine Lust, sich mit dir abzugeben. Nein, es liegt nicht an dir als Mensch, nicht an deinem Äußeren, deiner Kleidung. Es ist nur dein Können - bzw. eben Nicht-Können.

 

Da bekommst du gleich eine Abfuhr in den Tanzforen, wenn du nach Tanzpartnern für Workshops Ausschau hältst. Lieber tanzen sie gar nicht, als mit dir. Oder sie antworten gleich gar nicht (aber das wäre ein anderes Thema).

 

Wir haben alle einmal angefangen. Bei dem einen geht es schneller aufwärts, bei anderen langsamer. Ich persönlich finde es z.B. eine sehr schöne Geste, wenn "Insider" bzw. erfahrene TänzerInnen, aktiv auf neue Tanzmitglieder zugehen und mit ihnen tanzen. Ja, das kann schon manchmal eine kleine Tortur sein, aber es ebnet und erleichtert den Neuen den Einstieg. Es nimmt auch gleich die erste Hürde, als Neuling aufzufordern bzw. aufgefordert zu werden. Ich "bedanke" mich regelmäßig bei den Tänzerinnen, die mir diese Geste zukommen ließen mit einer Tanda (und hoffe, mittlerweile ist es auch keine Tortur mehr für sie ;-).

 

 

Und diese selbsternannten "Profis" überlasse ich gerne anderen. In meiner Tangowelt ist kein Platz für sie. Mir ist auch oder besonders das menschliche wichtig. Sie tanzt nicht so gut, aber wir haben uns gerade nett unterhalten? Gut, auf das Parkett. Sie hat Probleme mit den Schritten, aber sie gibt sich Mühe. Auf geht's. Sie möchte etwas erklärt bekommen. Bitte frage ruhig.

 

Ich gehe auch ganz bewusst in Anfängerkurse und tanze mit absoluten Einsteigern. Wenn du eine neue TA-Frau zu Beginn führen kannst, wird ihr das Ganze deutlich leichter fallen. Ich selbst mache dann u.U. auch noch Erfahrungen und kann auf einzelne Details meines Tanzes achten. Kann mich letzten Endes doch nur besser machen. Und schließlich ist es ja auch eine Bestätigung für mich. Sie hat ja schließlich noch keine Erfahrung. Wenn es dann trotzdem gleich recht gut klappt, dann liegt es ja vielleicht auch ein bisschen an mir.

 

Und manchmal entdeckst du dann sogar eine kleine "Perle". Einen dieser verborgenen Schätze. Da entpuppt sich manche doch als TA-Talent. Und die hättest du nie entdeckt, wenn ... ja wenn du gleich abgewunken hättest "Mit Anfängern tanze ich nicht!"

 

Heikvaldo: Umfrage: Wie zufrieden seid/wart ihr mit eurem ersten Anfängerkurs zum Tango Argentino?

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Könnt ihr euch noch daran erinnern? Hoffentlich ja, denn nachdem ich meine Sicht mitgeteilt habe, möchte ich wissen, wie ihr das seht.

 

Wie zufrieden seid/wart ihr mit eurem ersten (!) Tanzkurs zu Tango Argentino?

  1. ich habe genau das gelernt was ich mich vorgestellt/erhofft habe. Ich bin/war zufrieden
  2. ich habe zu viele Elemente (Salida, Ocho, Gancho, Voleo, Sacada, etc.) gelernt. Das hat mich überfordert
  3. ich habe zu wenige Elemente gelernt. Ich wollte mehr

Ergebnis zeigen

 

Heikvaldo: Was sollte in einem Anfängerkurs vermittelt werden? Teil II

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So, wir haben also in Teil 1 gelernt, wie wir uns so umarmen, dass es für beide angenehm ist. Ist natürlich noch nicht perfekt. Aber die Grundlagen sind da. Und nur die Übung macht den Meister ...

 

Und wir suchen bereits die Musik. Sie "ernährt" uns, sie gibt uns die "Kommandos" (wie sieht es denn so bei euch im Kurs aus? Ganz ehrlich? Ich schau ja oft zu. Selbst nach vielen Wochen laufen die meisten Paare völlig unabhängig von der Musik. Keiner achtet darauf. Ich könnte auch Bach oder Heavy Metal spielen. Fast keiner würde es merken).

 

Natürlich werden wir noch ständig an der Tanzhaltung arbeiten bzw. korrigieren müssen. Und mit vielen Musikstücken werdet ihr jetzt noch nichts anfangen können. Aber vielleicht erkennt ihr bereits den Unterschied eines Tangos zu einer Milonga? Oder gar den Unterschied Milonga und Vals? Egal. Auch wenn nicht. Die Tanzlehrer sollten das entsprechende Know How haben (und haben sie natürlich auch) und suchen passende Musik für euch aus.

 

Also, dann gehen wir ans Laufen. Und hier kürzen vermutlich die meisten Schulen viel zu sehr ab. Das wird Wochen dauern. Da gibt es so viele verschiedene Möglichkeiten. Variation der Geschwindigkeit, des Taktes, der Schrittlänge, der Richtung, des "Lauf"-Beines. Wie soll man das alles in max. 1 Stunde lernen? Aber länger wird sich wohl kein Lehrer damit befassen. Das ist unmöglich. Auch wenn ihr ungeduldig seid. Es muss sein. Nehmt euch die Zeit. Viel Zeit! Das ist das Rüstzeug für euer weiteres Tangoleben. Ihr werdet froh sein, wenn ihr erst auf einer Milonga seid und laufen könnt. Und wenn ihr im Laufen variieren könnt. Das ist schon die halbe Miete.

 

Nein, kein Drehungen, Ochos oder was ihr sonst bereits gehört oder gesehen habt. Vergesst es! In eurer 2. Fahrstunde wäre auch niemand auf die Idee gekommen, euch in einen Ferrari zu setzen (und das ohne Fahrlehrer!) und dann mit 300 Km/h über den Nürburgring rasen lassen. Oder hättet ihr euch das zugetraut? Nein! Also warum wollt ihr das beim Tango? Schon klar. Ich hatte ja anfangs die gleichen wirren Vorstellungen. Als Mann muss ich der Frau natürlich etwas bieten. Und als Frau muss ich natürlich all diese wilden Bewegungen machen können ... Nein! Müsst ihr nicht! Etwas anderes ist viel, viel wichtiger! Und daran arbeitet ihr bereits. Eine gefühlvolle, angenehme Umarmung. Und Bewegen passend zur Musik. Und daran wollen wir jetzt arbeiten.

 

Also, liebe Lehrer, bitte nehmt euch die Zeit und bringt uns das Laufen detailliert bei. Da gibt es so viel zu beachten. Und es wird  schwer genug für uns Anfänger, dabei eine "saubere" Haltung bzw. Umarmung zu behalten und auch der Musik im Takt zu folgen. Mehr geht nicht. Jedenfalls noch nicht. Nicht in unserem Zustand. Und selbst die größten Könner in unserem Kurs werden damit genug zu tun haben. Und wenn sie meinen, Laufen ist eh nicht so wichtig ... oder meinen, es nach 10 Minuten schon völlig kapiert zu haben ... dann zeigt ihnen doch bitte den Ausgang. Dort können sie dann hinlaufen ... und die Türe von außen schließen. Denn wir anderen, wir wollen es ja lernen. Und zwar richtig.

 

Und jetzt, beim Laufen im Takt, mit dem Tanzpartner im Arm, jetzt fängt bei uns auch der Spaß an. Wir hören ja schon auf die Musik. Und deshalb ist es auch so schön, wenn wir gleich erkennen, wann es weiter geht oder eben eine Pause sein soll. Wann ein bisschen schneller oder eben langsamer. Wann große Schritte, wann kleine. Und die Frauen können auch sauber folgen. Keine Konzentration auf Drehungen o.d. notwendig. Sie haben also genug "Hirn frei", um den Männern zu folgen. Keiner ist überfordert. Jeder kann seinen Spaß haben.

 

Das ist jedenfalls erbaulicher, als zum x.tem Mal einen Ocho zu versuchen. Wo ich noch nicht einmal alles andere verstanden habe (zumindest noch nicht umsetzen kann). Ich bin also nicht verkrampft dabei, irgendetwas zu tun, sondern ich kann mich völlig entspannt auf die Musik konzentrieren und dabei gehen (und das kann ich ja schon viele Jahre. Da fällt es mir auch relativ leicht, "tangogerecht" zu gehen). Und deshalb habe ich Spaß daran. Ich habe Erfolgserlebnisse. Und auch die Männer sind nicht überfordert und werfen deshalb nach spätestens 5 Wochen bzw. Unterrichtsstunden das Handtuch.

 

Alle sind glücklich. Was will man mehr? Ihr glaubt das geht nicht? Probiert es aus! Ihr meint die Schüler wollen etwas anderes lernen? Seid ihr die Lehrer oder wir? Ihr wisst was wichtig ist! Und ich als Schüler hab eh keine Ahnung (ich habe bestenfalls irgendwelche Vorstellung davon). Also könnt ihr mich "formen". Ihr könnt meine Wünsche "modellieren". Ich will Erfolgserlebnisse. So oder so. Und die könnt ihr mir doch geben. Ist mir doch egal, ob ich das bei einem Ocho habe oder eben bei schönem Gehen. Hauptsache ich habe Erfolg. Und es macht mir Spaß! Und dann will ich auch mehr davon haben. Und komme wieder.