Heikvaldo: Tango und Schweiß

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Ich glaube, ich muss dieses Thema jetzt doch einmal ansprechen. Sommer-Milonga. Über 30 Grad selbst noch am Abend. Und innerhalb der Milonga ... so ein Klima habe ich oft nicht einmal in der Sauna.

 

Selbst beim Nicht-Tanzen fließt der Schweiß. Also kann ich genauso gut tanzen. Ich wollte zwar aus Rücksicht auf meine Tanzpartnerinnen heute Milonga- bzw. Vals-abstinent tanzen (vielleicht könnte ich so das Schwitzen im Zaum halten), hat aber nicht geklappt. Schon nach den ersten ruhigen Tangos (ich glaube die DJs hatten auch etwas Mitleid mit den Tänzern und haben das Programm etwas "ruhiger" gestaltet) war das erste Hemd komplett durchschwitzt.

 

Aus Erfahrung wird man ja bekanntlich schlau und so lag natürlich ein Ersatzhemd (insgesamt 4) bereit. Allerdings hatte ich relativ schnell die Erkenntnis, dass selbst bei einer Wechselfrequenz von allen zehn Minuten die Sache nicht in den Griff zu bekommen ist. Und so blieb das nasse Hemd eben bis zur "Halbzeit" dran. Etwas "versöhnt" hat mich der Blick auf die anderen Tänzer. Hier Schweißperlen auf der Stirn, da ein "triefendes" Hemd. Ein völlig durchnässter Rücken dort. Ich bin (war) also nicht allein mit dem Problem.

 

Und dann macht man(n) sich natürlich sein Gedanken, wie das jetzt bei den TanzpartnerInnen ankommt. Klar, die schwitzen auch. Manche mehr, manche weniger. Aber manchmal hatte ich eben den Eindruck, dass frau etwas auf Abstand ging, weil es ihr doch irgendwie unangenehm war. Gut, frisch geduscht, frische Klamotten, ein Deo, etc. ... damit lässt sich das Thema Geruch ja in den Griff bekommen. Aber der Schweiß?

 

Gegen das Schwitzen habe ich noch kein Kraut gefunden. Allerorten Fächer (ich hab mir jetzt auch einen bestellt. Die Dinger machen ja ganz schön Wind), sowie die Versuche, etwas Frischluft und Kühlung zu erhaschen.

 

Aber letztendlich bist du einfach nassgeschwitzt. Das lässt sich eben nicht schön reden. Also was tun? Sportshirt aus high-tech Fasern? Passt optisch wohl nicht so gut. Und schwitzen tust du darin genauso. Nur bleibt dein Körper selbst trocken(er). Das Shirt ist aber trotzdem nass. Bleibt also nur die Erkenntnis, dass schwitzen ein natürlicher Vorgang ist. Wir alle schwitzen. Wem das unangenehm ist, der darf eben im Sommer nicht zur Milonga.

 

Und dann stand sie wieder einmal vor mir. Meine aktuelle Traumtanzpartnerin. Ich glaube, es ist ihr egal, ob ich verschwitzt bin, toll angezogen oder nackt. Sie will tanzen. Mit mir. Alles andere ist ihr egal. Wir umarmen uns. Eng. Ich spüre sie und sie mich. Wir beginnen. Sie legt ihren Arm um meinen Hals. Ich spüre, wie sie entspannt und genießt. Und plötzlich war mir das Thema sowas von egal ;-)

 

Heikvaldo: Ich breche die Tanda ab!

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Habt ihr euch schon einmal gefragt, was ihr tun könnt oder sollt, wenn während einer Tanda etwas "Außergewöhnliches" geschieht? Brecht die Tanda ab! Allerdings solltet ihr das als letzt mögliche Option sehen. Warum? Nun ...

 

Was wären in meinen Augen mögliche Gründe, zu der drastischsten aller Möglichkeiten (ich kenne jedenfalls keine drastischere) im Tango zu greifen? Der Tanzpartner (männlich oder weiblich) wird unverschämt. Zweideutige Signale, ungebührliches Verhalten. Berührungen, die mit dem Tanz nichts zu tun haben (und die ihr nicht wollt). Das alles würde für mich zu diesem Schritt führen.

 

Im einem der letzten Posts habe ich beschrieben, dass mich die Frau während der Tanda hat stehen lassen. Allerdings gab es keinen entsprechenden o.g. Grund. Ihr hat das Tanzen nur eben anscheinend nicht gut genug gefallen. Okay. Kann passieren. Aber breche ich deswegen eine Tanda ab? Wie sieht das aus? Vielleicht bin ich da etwas empfindlich. Mag sein. Aber zur "Krönung" geht sie einfach zu einem anderen Mann und tanzt weiter.

 

Jedenfalls habe ich ihr auf meiner persönlichen "roten Liste" einen Platz reserviert. Sie hat jetzt den Vermerk "never again". Wir haben alle unseren Stolz. Vor allem aber haben wir alle Gefühle. Und wenn die verletzt werden ... Natürlich passieren auch jedem von uns kleine oder größere Missgeschicke. Hoffentlich merken wir es dann auch. Und handeln entsprechend. Ich habe mich auch schon mal entschuldigt. Dann sollte es auch wieder gut sein.

 

Aber sollte ich eine Tanda wirklich beenden, "nur" weil mir das Tanzen mit diesem Menschen nicht so gut gefällt? Auch ich erlebe öfters Tandas, die ich nicht wirklich "brauche". Gut, das ist "Lehrgeld". Aber ich tanze die Tanda zu Ende. So gut es geht. Und erst danach ist die Sache für mich vorbei. Und es mag sein, dass ich niemals wieder eine Tanda mit dieser Frau tanzen werde. Oder auch, dass ich für längere Zeit keine Tanda mehr mit dieser Frau tanzen werde.

 

Falls es "nur" am Tanzkönnen lag, wir entwickeln uns ja weiter. Und vielleicht ist irgendwann die Zeit, wo es dann besser zusammen klappt. Oder aber wir hatten einen schlechten Tag. Und irgendwann ist es dann wieder gut. Mag alles sein. Jedenfalls verdienen wir alle diese Chance. Aber wie so oft im Leben, manchmal überschreiten wir Grenzen. Keine allgemeinen Grenzen, aber Grenzen eines bestimmten Menschen. In diesem Fall unseres Tanzpartners.

 

Falls ihr aufmerksame Leser seid, es gab vor langer Zeit einen Post, in dem ich die erste Frau auf meiner "roten Liste" beschrieben habe. Sie hatte am Ende der Tanda einen Kommentar abgegeben, der mich ziemlich verletzt hat. Jetzt sind ein paar Monate vergangen. Wir sehen uns oft auf Milongas. Vielleicht werde ich sie irgendwann einmal wieder auffordern. Vermutlich dann per Cabeceo. Denn so werde ich es gleich merken, ob sie überhaupt mit mir tanzen will.

 

Aber wie das beim Cabeceo eben so ist, muss ich es wohl ein paar Mal versuchen. Denn vielleicht hat sie es beim ersten Mal ja nicht gesehen. Oder sie wollte genau diese Tanda an diesem Abend eben mit jemand anderem Tanzen. Und erst beim zweiten oder dritten Mal kann ich wirklich sicher sein, dass sie nicht mit mir tanzen will. Und dann bleibt sie vermutlich für immer auf meiner roten Liste.

 

Heikvaldo: Ich mach 'mal kurz Pause

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"Warte auf mich". Tue ich das nicht sowieso? Ich soll meine Tanzpartnerin wieder einsammeln? "Gönne uns die kleine Pause". Der Unterschied zwischen Tanzen und "wunderschön gemeinsam" Tanzen liegt hier bei lediglich einer halben Sekunde Dauer.

 

Ich hatte schon einmal eines meiner ganz persönlichen kleinen "Tanzwunder" beschrieben. "Grundschritt" (Base). Zwischen dem fünften und sechsten Schritt (also die Frau wieder aus dem Kreuz herausführen) mache ich oft eine kleine "Nachdrehung" der Frau. Ich "hole" sie ganz sanft noch den "Rest der Drehung" zu mir bevor ich weitergehe. Das geht fast in Zeitlupe. Manche Frauen spüren es, manche nicht :-(

 

Jetzt habe ich wieder so etwas "gefunden". Wir drehen eine Molinette im Uhrzeigersinn. Nach der 360 Grad Drehung warte ich ein bisschen. Und zwar solange, bis meine Tanzpartnerin vollständig "angekommen" ist. Und zwar auf ihren eigenen Wunsch hin. Ob ihr euch jetzt das Ganze gedanklich vor Augen führen könnt oder nicht ist einmal Nebensache (ich unterrichte ja nicht und schon gar keine Schritte).

 

Die Sache ist die, die ich einmal "entschleunigtes Tanzen" genannt habe. Ich lasse mir mehr Zeit. Und zwar genauer: mehr Zeit für FAST gar nichts. Aber dieses "fast" macht einen riesen Unterschied. Wenn ich mir die Zeit nehme, um z.B. ein Schließen meiner Beine ganz bewusst zu machen oder eben diesen kleinen Tick Pause einzulegen, um der Frau noch etwas Zeit zu geben. Vielleicht sogar solange, um einen gemeinsamen Blick zu genießen.

 

Für gewöhnlich tanze ich im Takt der Musik. Mehr oder weniger gut. Bei manchen Stücken oder an manchen Tagen gelingt es eben nicht so gut. Ist wohl bei jedem so. Ich versuche "jeden Taktschlag auszunutzen". Sprich: ich versuche mich im Takt der Musik zu bewegen. Und nun "gönne" ich meiner Tanzpartnerin und mir manchmal einen "extra" Takt für ... gar nichts wäre jetzt der falsche Begriff.

 

Ich gönne uns eine kleine "Pause" zum Genießen. Wie gesagt, manche Frauen können damit nichts anfangen. Wenn ich etwas zu lange brauche, dann schauen sie mich vielleicht an und denken ich habe mich vertanzt o.d. Aber manche Frauen verstehen was ich damit will bzw. warum ich es mache. Sie nehmen diese Momente "dankbar" an. Diese kurzen Augenblicke, die nicht für einen Schritt oder eine Bewegung reserviert sind.

 

Es sind Momente nur für sie und mich. Ich stehe wie an der Bushaltestelle und warte auf sie. Aber eben nicht gelangweilt. Sondern "in freudiger Erwartung" auf sie. Oder besser noch, ich komme ihr ein Stück entgegen. Ich nehme sie in Empfang und begleite sie den Rest des Weges. Völlig ohne Eile. Und es ist eben nicht ein "Schieben oder Drücken" ans Ziel. Es ist ein "sanft bei der Hand nehmen und begleiten".

 

Ich kann dann auch 'mal kurz "Nachfühlen". Ist alles okay? Ich kann sie bewusst spüren. Ich kann meine Umarmung kurz kontrollieren. Eventuell meinen rechten Arm kurz von ihrem Rücken lösen und wieder sanft auflegen. Oder ich konzentriere mich auch "nur" auf sie. Spüre ich ihren Atem oder ihren Puls? Vielleicht auch für einen ganz kurzen Moment die Augen schließen.

 

Voraussetzung hierfür ist, dass die Frau entspannt genug mit mir tanzt. Oft geschieht es in geschlossener Umarmung. Denn dann "gebe" ich sie ja für eine "Figur" her. Wir vergrößern den Abstand zueinander. Und anschließend nehme ich sie dann wieder "in die Arme". Sie will zurück (oder eben nicht ;-). Passiert manchmal mit neuen Tänzerinnen, oft aber mit Tänzerinnen, mit denen ich viel tanze. Und es kommt auf vieles dabei an. Auf meine Tagesform, die Musik, etc.

 

Heikvaldo: Weil ich (mit DIR) tanzen will

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"Ich tanze mit dir, weil ich tanzen will" oder "Ich tanze mit dir, weil ich mit DIR tanzen will"? Dies sind die beiden Möglichkeiten, die sich jeweils in Bezug auf meine Tanzpartner ergeben. Also eher Quantität (möglichst viel, weniger mit wem) oder doch eher Qualität (weniger, dafür aber "besser").

 

Im Status "Anfänger" kommt es mir auf "möglichst viel tanzen" an. Ich möchte lernen, üben, Erfahrungen mit verschiedenen Tanzpartnern machen. Natürlich habe ich Favoriten. Frauen, mit denen ich lieber tanze, als mit anderen. Allerdings primär, weil das Tanzen besser klappt. Sekundär, weil mir die Frau "lieber" ist, als eine andere. Ich wähle also hauptsächlich danach aus, wie ich mit der Frau tanztechnisch zurechtkomme.

 

Und wenn ich viel Glück habe, dann sind es Frauen, mit denen ich auch sonst gut kann. Man ist sich mehr oder weniger sympathisch, liegt auf einer Wellenlänge, etc. Aber es ist wie gesagt nicht der Hauptgrund meiner Wahl. Es geht ums Tanzen. Ich habe mittlerweile Favoritinnen, mit denen ich gerne (ev. sogar ausschließlich) eine Milonga tanze oder lieber einen langsamen Nuevo.

 

Und nur so am Rande erwähnt: es gibt Frauen, die interessieren mich überhaupt nicht als Frau. Aber als Tanzpartnerin. Alter, Größe, Figur. Egal. Nebensache. Sie tanzt gut (=erfahren). Oder es ist zumindest schön, mit ihr zu tanzen. Dann muss es nicht einmal besonders gut (im Sinne von sie hat viel Erfahrung und besitzt ein großes "Schrittrepertoire") sein. Vielleicht ist ihr Tanzstil "einfach". Wie gesagt, die Hauptsache ist dann, die Tangos mit ihr sind etwas Besonderes.

 

Und nun scheint es so zu sein, als würde der "Trend" mit der Zeit irgendwann "umkippen". Man achtet dann mehr auf die Quantität. Egal wie viele Tandas, aber jede für sich muss etwas Besonderes mit einem besonderen Tanzpartner sein. Ging mir erst gestern wieder so. Ich hatte eine Tanguera als gute Milongatänzerin in Erinnerung. Also habe ich auf die nächste Milongatanda gewartet und darauf, dass sie "frei" war. Dann bin ich zu ihr hin und habe sie gefragt.

 

Und es waren wieder sehr schöne Tänze. Mit ihr tanze ich eher "ruhig". Ich konzentriere mich dabei auf sie. Auf die Reaktion ihres Körpers auf meine Führung, auf meine Bewegungen. Ich wollte keine Molinetten, Ganchos, was auch immer. Ich wollte "harmonisch" mit ihr tanzen. Es genießen. "Oben" ging die Musik rein, unten habe die Füße etwas daraus gemacht. Ihr hat es gefallen, mir auch. Herz, was willst du mehr?

 

Und so gibt es mittlerweile einige Tänzerinnen, nach denen halte ich bei bestimmten Liedern oder Stilen Ausschau. Einen Nuevo mit Frau A. Nein, eher nicht. Aber dafür sehr gerne einen bestimmten Tango. So etwas wurde mir vor einigen Monaten in einem Kommentar auf einen Post von mir angekündigt. Da war ich noch nicht 100 Prozent überzeugt, dass es so kommen wird. Aber mittlerweile ...

 

Und so kommt es auch, dass ich manchmal eine Tanda komplett aussetze. Entweder die Musik ist nicht (ganz) mein Ding oder ich habe nicht die richtige Frau zur Auswahl oder ... (dummerweise zwingen mich die aktuellen Temperaturen und das Klima in vielen Milongas auch dazu, ab und zu ein Zwangspause einzulegen, um meine Körperfeuchtigkeit wieder unter Tropenniveau zu bekommen - aber das ist jetzt was anders).

 

Aber dummerweise "zwingt" uns unsere Kultur dazu, so etwas für uns zu behalten. Wir sprechen nicht allzu viel über Gefühle (ich natürlich schon ;-) Aber wäre es nicht schön, wenn der andere es wüsste? Und so habe ich gestern dann mit meinen Augen "gesprochen". Und ich bin sicher, sie hat es verstanden. Dieses Lächeln war echt. Aber zur Sicherheit haben wir es beide dann auch noch gesagt. "Das war schön!"

 

Und ich bin sicher, die nächste Milongarunde irgendwo im Universum mit genau dieser Frau ... sie wird sich sicher auch daran erinnern. Und dann tanze ich wieder mit ihr, weil ich (das, jetzt und hier) mit IHR tanzen will.

 

Heikvaldo: Wie sollen wir mit dem Männerüberschuss umgehen?

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Doch, ihr habt schon richtig gelesen! Es ist nicht (!) vom Frauenüberschuss die Rede.

 

Bei Practicas habe ich schon öfters erlebt. Es waren mehr Männer als Frauen da. Vielleicht müssen die Frauen ja nicht oder nicht so viel üben?? Aber eine Milonga mit zu wenig Frauen ... das war jetzt Premiere.

Dabei hätte es eigentlich für jeden "gereicht". Wenn nicht ...

 

Ich denke mal, das sollte so eine Art "Lehrstunde" für uns Männer sein. Wie fühlt es sich an, wenn man tanzen will, aber nicht dazu kommt, weil kein Partner zur Hand ist? Oder war es der Versuch, uns Männer mit sanfter Gewalt in die Notwendigkeit zu zwingen, als Männerpaare zu tanzen?

 

Mein Sitznachbar hat mir auch sein Leid geklagt. "Ich hab auch einen 'Korb' bekommen" (es ist keine frei). Ich hab dann nochmal im "Verzweiflungsmodus" den gesamten Raum "gescannt". Nein, leider habe ich keine übersehen. Zumindest keine, die hätte tanzen wollen. Noch nicht einmal eine, die ich mit sanfter "Gewalt" (neuhochdeutsch: mit meinem Charme ;-)) zum tanzen hätte überreden können. Absolut tote Hose.

 

Und dann fängst du an, mit Herren Cabeceos auszutauschen. Oh Gott! Bin ich noch "normal"? Ja, bin ich :-) Ich hab über meine Erfahrungen im Männerpaar ja auch schon geschrieben. Und dann hab ich für die nächste Milonga gleich mal ein paar Tandas mit einigen Männern zugesagt (dann übe ich eben die Rolle des Folgenden. Kann ja nicht schaden). Schließlich bin ich zum tanzen hier.

 

Und jetzt sind wir beim Punkt, meine Damen. Stellt euch 'mal vor, bei der nächsten Milonga mit Frauenüberschuss kämen wir Männer auf die Idee mehrere Männerpaare zu bilden und würden euch sitzenlassen? Wie würde euch das schmecken? Nun ja, aber genau das ist ja passiert. Ihr habt zusammen (als Frauenpaare) getanzt und wir durften zusehen. Und der Rest von euch hat sich still und heimlich von der Tanzfläche "gestohlen" (ja, wir wissen alle wo ihr wart! Ein ganzes "Rudel" abseits der Pista. Habt ihr euch da alle abgesprochen???).

 

Nein, ich will mich nicht beschweren. Doch, genau das will ich eigentlich. Egal, ob wir es nun "Samariter" oder "Tangotaxi" oder sonst wie nennen. Jeder von uns Männern (oder zumindest die meisten) haben schon mindestens einmal unser weiches Herz hervorgeholt und mit einer von euch nur deswegen getanzt, weil sie gar nicht oder viel zu selten zum tanzen gekommen ist.

 

Nein, ich will jetzt keine Lorbeeren dafür haben. Es war ja meine freie Entscheidung. Nicht aus Mitleid (nur vielleicht ein gaaanz kleines bisschen), denn das wäre den betroffenen Frauen gegenüber ungerecht. Jede verdient es gleichermaßen tanzen zu dürfen. Aber wenn ich so am Abend dann Frauen bemerke, die immer noch "dasitzen" und ich sie noch nicht habe tanzen sehen ... ja dann kommt eben eine "Sozialtanda".

 

Sie hat sich fein gemacht, ist extra hergekommen und sie will tanzen. Aber warum auch immer, es klappt nicht (so gut). Also dann die nächste Runde eben mit ihr. Aber keine Sorge, ich würde nie mit einer Frau tanzen, wenn ich es eigentlich nicht will. Das ist dann eine "na warum nicht" Entscheidung.

 

Aber ihr (Frauen) habt uns hängenlassen. Habt ihr es wirklich nicht bemerkt? Es gab keine Notwendigkeit für Frauenpaare. Aber zum Glück für euch ... sind Männer weder :-> noch :-w. Wir machen dann halt :-/ und gehen das nächste Mal auch :-Q. Also ||*( und Schwamm drüber.

 

Heikvaldo: Das 90-Grad Wunder

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Die Aufgabe klingt absolut simpel. Obwohl ...

 

"Comfortable Dancing" - einige Insider werden jetzt wissen wovon (oder genauer von wem) ich hier spreche. Nach dem Seitwärtsschritt nach links (und anschließenden Schließen) sollen wir die Partnerin um 90-Grad gegen den Uhrzeigersinn drehen (oder eigentlich ja drehen lassen). Die Kunst dabei besteht darin, die Achse der Frau dabei "nicht zu verletzen". Ich (der Mann) muss sie also genau um ihre Achse drehen. Kein Druck, kein seitliches Abweichen. Und das ist wohl erst einmal leichter gedacht als gemacht.

 

Aber ich will mich hier ja wie üblich nicht auf Tanzschritte konzentrieren. Die eigentliche Sache, die wir mit so einer Übung lernen können (oder zumindest sollen), ist der absolut sanfte und genaue Umgang mit dem Partner. Jedes bisschen Kraft zu viel, jeder kleine "Schubs" hat Konsequenzen. Die Kunst ist also, dabei sanft und genau zu "arbeiten".

 

Und was soll ich sagen, nach einer Stunde Übung (natürlich haben wir noch mehr gemacht. Aber es ging jeweils um ähnliche "Präzision") war ich dermaßen sanft (ich hatte echt schon Angst, ich könnte was an ihr zerbrechen ;-) , dass mir wieder einmal bewusst wurde, wie schön es ist, wenn ich so behutsam mit ihr umgehe. Dieses mit-allen-Sinnen-auf-maximaler-Empfindlichkeit Tanzen ... ja, das hat was.

 

Was soll ich sagen, aber ich hätte einen ganzen Tango "nur" mit dem "Grundschritt" (und jeweils dieser kleinen 90-Grad Variante) zubringen können und ich bin sicher, auch die Tanzpartnerin hätte es voll und ganz genossen (und nichts vermisst). Zugegeben, die Musik dazu war auch etwas langsam und sanft (womit wir wieder bei der Frage wären, welchen Einfluss auf den Tanz das jeweilige Lied hat).

 

Und das bringt mich nun zum oben bereits genannten Punkt: drehe ich die Partnerin oder drehe ich nur mich (und sie folgt)? Zumindest am Anfang habe ich sie aktiv gedreht. Zwar die Arme relativ unbeteiligt (steif) gelassen, aber doch mittels Zug bzw. Druck gearbeitet. Ich habe also aktiv Kraft aufgewendet, um sie zu drehen. Und jetzt kommt das "comfortable" im dancing zum Tragen. Ich soll gar keine Kraft aufwenden.

 

Ich soll mich um sie herum bewegen (hier laufe ich an ihrer linken Seite herum). Und sie wird (oder zumindest soll) mir folgen. Wir fungieren ja mittels Abrazo als eine Einheit. Alles was ich mache, muss sie ja gezwungenermaßen mitmachen. Und durch meine Bewegung wird sie sich drehen. Nicht durch meinen Krafteinsatz. Und brauche nur mich bewegen. sie macht ihren Teil selbst.

 

Erst hab ich ja schon etwas ungläubig geguckt. Wie? Ich soll überhaupt nichts MIT ihr machen? Ich soll mich nur um mich kümmern? Das ist schon eine gewisse Herausforderung. Hier wird immer wieder vom Energiefluss gesprochen. Nicht von der Kraft. Ich als alter Physiker tue mir da schon ein bisschen schwer. Ich kenne Kraft und ich kenne Energie. Kraft kann ich erzeugen. Aber jetzt soll ich (wieder einmal) Energie fließen lassen. Und das ... ist für mich eines der Wunder im TA.

 

Heikvaldo: Männer hören anders ... und Frauen auch :-)

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Sie: Findest du, dass ich mich tänzerisch verbessert habe?

Er (nachdenkend): Hmmh, ja.

Sie: Du meinst also nicht, dass ich manchmal bei den Ochos noch etwas wackelig stehe?

Er (überlegt): Ääh, nein.

 

Sie: Aber ich kann doch manchmal nicht GANZ ruhig stehen bleiben?

Er (etwas zögernd und vorsichtig): Äämh, stimmt.

Sie: Also meinst du doch, dass meine Ochos schlecht sind?

Er: Äääh ...

Sie (wird etwas lauter): Wusste ich es doch. Du findest, dass ich schlecht tanze!

Er (erstaunt): Also ...

 

Sie: Und meine Ganchos gefallen dir auch nicht!

Er (ratlos): Wieso ...

Sie (aufgebracht): Du brauchst gar nicht drumherum reden.

Er (leicht überfordert): Ich wollte ...

 

Sie (laut): Red dich doch nicht raus. Du bist so gemein!

Er (mitleidig): Aber Schatz ...

Sie (genervt): Du brauchst jetzt gar nicht so zu schauen ...

Er (am Rand der Verzweiflung): Ich sag doch gar nichts ...

 

Sie (bereits hochrot): Ja, roll nur mit den Augen. Du kannst es doch gleich sagen.

Er (bereits verloren): Was ...?

Sie (überzeugt): Ich tanze also nicht nur schlecht. Ich gefalle dir auch nicht mehr!

Er (verteidigend): Das stimmt doch gar ...

 

Sie (schluchzt): Warum tust du mir das an???

Er (nicht mehr sicher, was überhaupt los ist): Ich hab doch gar nichts ...

Sie (weinend): Männer können soooo gemein sein!

Er (sich wünschend, dass er unsichtbar wird): Aber Schatz ...

 

Sie: Ich zieh wieder zu meiner Mutter!

Er: Schatz, ich liebe di...

Sie (die Türe zuschlagend): Du elender Schuft!

Er: Was war ihre erste Frage noch 'mal?

 

 

Und die Moral von der Geschicht: wenn sie fragt, ob ihre Beine zu dick sind ... hast du schon verloren ;-)

 

Heikvaldo: Die erste Tanda ... mit einem Wildpferd

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Ihr erinnert euch an den Post von vor ein paar Tagen "Die erste Tanda ... mit einer neuen Frau"? Schön. Ich hatte wieder einmal eine. Allerdings mit völlig neuen Erfahrungen.


Gestern Abend, hatte ich zu später Stunde (nein, eigentlich war es schon früh :-)) wieder einmal eine mir bis dahin unbekannte Tänzerin zu unserer ersten gemeinsamen Tanda aufgefordert. Es sollte getreu meinem Motto "klein anfangen und dann langsam steigern" laufen. Aber irgendwie kam alles ganz anders.

 

Der erste Tango beginnt. Ich spüre relativ schnell eine gewisse "Unruhe" im Tanzpaar. Und ehe ich mich versehe, merke ich, dass ich ein Modell "Australisches Wildpferd" im Arm halte. Ich wollte schön langsam, sie "geht durch". Hüftdrehungen, seitliches Laufen. Ich konnte sie kaum bremsen. War für mich kein echter Genuss. Für sie anscheinend auch nicht. Nach 2 oder 3 Tänzen (während der Tanda) ist sie gegangen (zu einem anderen). Nur ganz verstanden habe ich die Sache nicht.

 

Wo/wie habe ich "versagt"? Ich hatte ja gar keine Chance etwas richtig zu machen. Es war urplötzlich viel zu viel Energie vorhanden. Ich konnte ihr gar nicht "mitteilen" wie ich zum Ocho ansetze oder ein Kreuz "angehe" oder was auch immer. Gut, sie hatte mich gleich zu Anfang "gewarnt". "Ob ich bis zum Ende durchhalten werde?" Ich hatte das als "Konversation" abgetan. Aber nicht wirklich ernst genommen.

 


Und wenn ich jetzt so darüber nachdenke, war das nicht wirklich das erste Mal. Manche ersten Tandas laufen eben noch nicht so "perfekt". Okay. Zwar gab es bisher nicht ganz so extreme "erste Tandas" (und keine der anderen hatte mich davor gewarnt). Aber manchmal entwickeln die Frauen eine Art "Eigenleben". Sie tanzen nicht nur "einen Schritt voraus". Nein, sie werden "gestartet" und tanzen die ganze Tanda alleine weiter. Eigentlich stehst du ihnen nur im Weg. Aber was geht da vor? 


Ist es ihre "Unsicherheit"? Sie wollen nichts falsch machen und überreagieren deshalb? Oder haben sie schon soooo lange nicht mehr getanzt, dass die angestaute Energie raus muss? Oder sind sie einfach nur mal schlecht drauf. Und beim nächsten Mal ist (wäre) es ganz anders (aber welcher Mann tanzt mehr als unbedingt notwendig mit einer solchen Frau?)? Oder ist es wirklich Selbstdarstellungszwang?


Das Sonderbare war, dass sie mit dem anderen Mann (nach mir) eigentlich ganz "kontrolliert" getanzt hat. Er schien sie (zumindest besser) unter Kontrolle gehabt zu haben. Lag es also an mir als "Führender"? Oder eher an mir als Mann? Konnte sie einfach nicht (so gut) mit mir (als Mensch)? Vermutlich werde ich diese Erfahrung in die Schublade mit der Aufschrift "es hat eben einfach nicht gepasst" stecken. Dort "liegt" auch schon die Frau, die mir einmal nach dem Tanz sagte "ich solle mehr Tango tanzen!" Verstanden habe ich das bis heute nicht.

 

Heikvaldo: Jubiläum: Der 100. Post

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Ja, dies ist jetzt bereits der 100. Posts in meinem Blog! Zeit, wieder einmal ein bisschen Revue passieren zu lassen ...

 

Hätte ich am Anfang - das war erst letzten Dezember! Ist das wirklich noch nicht länger her? - gedacht, dass sich die Sache so entwickeln wird? Niemals! Hatte ich vor der ersten Tanzstunde gedacht, dass TA ein Teil meines Lebens werden wird? Niemals! Hätte ich es für möglich gehalten, dass ich soooo viel zum Thema zu erzählen habe? Nie im Leben!

 

Vor gut 7 Monaten habe ich also begonnen. Ein zaghafter Schritt auf der Pista. Mit einer mir damals Unbekannten. Es sollte "nur" ein weiterer Tanz werden. Nach Fox, Walzer, ChaCha, ... Nur mal ausprobieren. Keine Verpflichtungen! "Ja, ich gehe 'mal mit zum Schnuppern" - das waren meine Worte am Telefon. "Ich kann aber nichts versprechen". Hab ich bis heute nicht!

 

Ich hatte versprochen "mir Mühe zu geben". Ich hab von meiner "früheren Standard- und Lateinerfahrung" gesprochen und dass ich "mal ganz gut war". Ich glaube, ich habe mein Versprechen eingehalten. Und wie ich mir Mühe gegeben habe. Mindestens 60 Stunden Unterricht seither. Vermutlich genauso viel Zeit in Prakticas. Und noch einmal weitaus mehr Zeit in Milongas verbracht. Erste Workshops absolviert. Meine Festplatte bzw. CD-Regal beherbergt mittlerweile so um die 80-100 Tango-CDs (oder traue ich mich bloss nicht, wirklich mal nachzuzählen??) . Über 1300 Stücke!

 

Aber ich habe noch kein einziges Kleidungsstück (inkl. Schuhen) für den Tango gekauft. Ich bin also schon noch normal ;-) Ja gut, die Anzahl und Größe (die kleinen sind immer so schnell leer) der Parfümflaschen im Schrank ist jetzt mehr :-) Außerdem verbrauche ich neuerdings deutlich mehr von den teueren Duschgels. Und komischerweise habe ich überall - aber auch wirklich überall - Pfefferminzbonbons zur Hand.

 

In meinem Telefonspeicher sind jetzt auch sehr viele Frauen eingespeichert. Nicht mehr nur Paare. Auch Singles (welcher Verheiratete kennt schon Singles?). Ich weiß jetzt endlich, wofür man facebook wirklich braucht. Aber habe ich mich durch den Tango verändert? Nein! Nicht wirklich. Ich denke, ich bin immer noch der, der ich vorher war. Vielleicht etwas sicherer im Umgang mit Frauen. Das Ansprechen fällt jetzt leichter. Aber der Rest?

 

Ich habe festgestellt, dass Frauen über 50 nicht zwangsweise "alt" sind. Mea culpa! Ich kannte vorher einfach nicht so viele davon (ihr erinnert euch: reine Männerdomäne!). Ganz im Gegenteil: die sind wenigstens wirklich erwachsen (ihr versteht doch - oder?). Kein rumgezicke. Kein "der Mann ist der Feind" (da könnt ich euch Geschichten erzählen .. was? ... ach so, ja ... es geht um Tango).

 

Doch, irgendwie hat mich der Tango schon verändert. Oder besser gesagt: ich habe wieder dazugelernt. Über mich. Über andere Menschen. Ich bin wieder etwas "reifer" geworden (Männer werden mit der Zeit reifer, Frauen ... ach so, kennt ihr schon). Ja schon klar, ganz (!) erwachsen bin ich immer noch nicht geworden (sonst hätte ich ja solche Sprüche nicht mehr ;-). Aber was hat der nette Doktor damals gesagt? "Du darfst nie ganz erwachsen werden ... sonst kannst du nur noch alt werden".

 

Ja, ... doch ich mach es. Ich stell euch noch ein Bild von mir ein. Es wurde sogar erst vor kurzem aufgenommen und zeigt mich sogar beim Tango tanzen. Zur Feier des Tages. Für meine treuen "Fans". Aber erst ganz unten im Eintrag. Sonst ist ja die Vorfreude schon weg ;-)

 

Also, ich wünsche euch weiterhin viel Spaß bei den nächsten 100 Posts. Wer will, darf sich gerne (weiterhin) über mich aufregen. Wer intensiv mitliest, der hat aber sicher auch die Chance, etwas Neues zu lernen oder auch einfach besser zu verstehen. Und wer das alles sowieso nur "blöd", "überflüssig" und sonst wie unbrauchbar findet ... druckt euch doch meine Posts einfach aus, sammelt jeweils ein paar ... und benutzt sie dann bei der nächsten Grillfeier als Anzünder ;-))

 

Und noch eine kleine Anmerkung: ich schreibe (absichtlich) zeitversetzt. Wenn im Post also z.B. von der gestrigen Milonga die Rede ist, dann war das nicht der Abend vor der Veröffentlichung. Ich tue das ganz bewusst. Meist brauche ich ein bisschen Zeit zum Verarbeiten von Erlebtem (und oftmals ist ein gewisser zeitlicher "Abstand" hilfreich). Also glaubt bitte nicht (immer), ich spreche von euch ;-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Bild: Heikvaldo beim Tango)

 

Ja, sorry, aber ich hatte jetzt grad nur ein schwarz-weiß Bild zur Hand ;-))))

 

 

Heikvaldo: Die erste Tanda ... mit einer neuen Frau

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Irgendwo hatte ich einmal eine sehr schöne Beschreibung gelesen. Von einer Frau verfasst. "Wie sollte die erste Tanda (zwischen zwei neuen Tanzpartnern) optimalerweise ablaufen?"

(ich verzichte hier auf eine Quellenangabe, da ich nicht klären kann, ob das in ihrem Sinne ist)

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"Eine Cortina wird gerade gespielt. Stimmenwirrwarr, die Tanzfläche leert sich. Neue Paare bilden sich.

Ich will tanzen, meine Blicke schweifen durch den Saal. Ich will schon „aufgeben“ da treffen sich unsere Blicke. Ein freundliches Lächeln und Zunicken. Meint er tatsächlich mich? Neben mir sitzt ein junges, attraktives, schlankes Mädchen. Ein fragender Blick meinerseits, ja er meint mich ! Mein Herz schlägt höher, nur nichts anmerken lassen. Er ist ein sehr guter Tänzer, wie ich schon mehrmals auf Milongas beobachten konnte. Man trifft sich auf der Tanzfläche, begrüßt sich. Die Tanda beginnt – Carlos Di Sarli. Er ladet zur Umarmung ein, wie will er tanzen ? Eher offen, eng ? Unsere Hände berühren sich, die Umarmung beginnt, es wird eng getanzt. Er passt in der Größe zu mir, unsere Schläfen berühren sich.

Vorsichtig wiegt er uns in die Musik, die ersten Schritte beginnen. Hoffentlich mache ich nichts falsch, nur nicht „davonlaufen“ bleib in der Musik. Nicht denken, was „kommt“, du spürst was er „will“ ! Die Musik ist wunderbar, erstmals einfaches „Gehen“,( für mich) zurück, zu Seite, kleine Pivots. Der erste Tango, dieser Tanda nähert sich dem Ende. Der letzte Takt, der letzte Ton, der letzte Schritt endet punktgenau mit dem letzten Ton ! Es war schön, was er wohl denkt ?

Der zweite Tango beginnt, wieder die Einladung zur Umarmung. Sanftes „einwiegen“ zur Musik. Dieses Mal tastet er sich vor bei der Schritt- und „Figurenwahl“. Nur nicht denken, was kommt, aufrecht in Achse bleiben, nicht der Musik davonlaufen, die Worte des Lehrers immer im Ohr ! Ochos, Heros, ins Kreuz, er führt wunderbar. Wie macht er das ? Man merkt das nicht. Man spürt es einfach ! Der zweite Tango ist zu Ende.

Der dritte Tango, das gleiche Anfangsritual. Ich fühle seinen Herzschlag, ich höre die Musik. Ich folge ihm, denke nicht mehr nach, was der Lehrer gesagt hat. Viele Dinge passieren einfach, es ist herrlich. Ich traue mir schon kleine Verzierungen zu, er gibt mir die Zeit. Die Musik nähert sich dem Ende, letzter Ton, letzte Pose.

Es kommt noch ein vierter Tango, wunderbar ! Die Gedanken ganz beim Tanzpartner und der Musik. Ein sanfter Druck auf der Innenseite meines Oberschenkels, oh Gott, was „will“ er ? Schnell weg dieser Gedanke, mein Bein „schleudert“ ganz sanft von alleine nach hinten. Er führt noch einiges Unbekannte für mich, es passiert alles ganz einfach, ohne, dass es sich falsch anfühlt. Der Tango nähert sich dem Ende, wie schon die anderen zuvor, letzter Ton erfolgt zeitgleich mit dem letzten „Schritt“.

Die Umarmung löst sich, ein freundliches Lächeln, eine Cortina lädt zu einer neuen Tanda ein, man bedankt und verabschiedet sich mit netten Worten – es war sehr angenehm, es war wunderschön.

Mit diesem sehr schönen Gefühl, nach dieser Tanda beende ich diese Milonga. Sie wird mir lange in Erinnerung bleiben."

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Dadurch habe ich mir erstmals wirklich Gedanken darüber gemacht. Wie gehe ich "an eine neue Frau" heran? Wie sollte das ablaufen? Das gegenseitige "Abtasten". Nach etlichen Tandas und Frauen hat man(n) es soweit verstanden, dass der erste Tango mit einer fremden Frau ohne Ganchos, Voleos und co. ablaufen sollte. Man kennt sich noch nicht. Da ist es besser, "klein" anzufangen. Im ersten Tango "nur" Gehen, Base, Salida. Kaum ein Kreuz. Eventuell Ochos. Kommt darauf an, wie es läuft


Seitdem versuche ich mich an dieses Rezept zu halten.Danach kann gesteigert werden. Was eben beide "können". Er "führen" und sie "verstehen". Wir verlieren beide dadurch unsere "Unsicherheit", sie lernt mir "zu vertrauen". Ich werde sie nirgends anrempeln lassen, sie wird nicht stürzen, sich verletzen. So läuft es jetzt meistens ab, wenn ich mit einer Unbekannten das erste Mal tanze. Und meistens geht es so ganz gut.

 

Heikvaldo: Tipps für Frauen, um mehr aufgefordert zu werden

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Nachdem es ja bereits die "Neun Gebote zum Ungestört-Sein" für Frauen gab, habe ich hier noch eine weitere interessante Seite mit Tipps gefunden.

 

Die Tipps entstammen zwar ursprünglich dem Salsa-Milieu, sind aber natürlich auf alle anderen Tänze übertragbar. Es sind insgesamt 19 Tipps beschrieben, um öfter zum Tanzen aufgefordert zu werden.

Vielleicht ist nicht jeder Tipp für jede Gelegenheit nützlich, aber beim Durchlesen habe ich doch erstaunt festgestellt, dass wir Männer tatsächlich manchmal genau so reagieren, wie dort beschrieben.

 

In diesem Sinne wünsche ich euch allen "Viel Erfolg!".

 

>>> Tipps für Frauen um mehr aufgefordert zu werden <<<

19 einfache Wege, um von mehr Männern zum Tanzen aufgefordert zu werden. 

Worauf Männer achten, wenn sie Frauen zum Tanzen einladen.

 

Heikvaldo: Harmonie im Paar II

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Wow. Was für ein Tanzgefühl. Das ist wahre Harmonie. Ein super Workshop bei phantastischen Lehrern.

 

Teils aus Neugier, teils aufgrund erster Kontakte mit den Lehrern während einer Practica habe ich mich entschlossen, einen Workshop bei ihnen zu besuchen. Er ist ein sehr eleganter Tänzer. Es sind aber nicht seine besonderen Bewegungen, toll geführte Figuren. Nein, es ist einfach elegant und dabei elegant einfach.

 

Wir stehen im Kreis. Ein Teil seiner Philosophie ist, den Körper nur das tanzen zu lassen, war er auch ohne Probleme tanzen kann. Ein Bein leicht in die Luft und damit einen Kreis auf dem Boden beschreiben. Das ist der natürliche Bewegungsraum dieses Beines. Alles andere wäre jetzt "unnatürlich". Also nichts "erzwungenes", nicht "aufgedrücktes" (vermutlich verstehen die Frauen zuerst was ich hier meine). Der Führende "verlangt" nichts von seiner Tanzpartnerin.

 

Er läuft einfach nur harmonisch und tanzt dabei nur Dinge, die den Fluss nicht stören. Somit ergeben sich ganz automatisch Drehungen, Ochos (wobei er uns die völlig anders zeigt, als wir sie alle bisher gewohnt waren). Doch wir beginnen erst einmal bei der Umarmung. Die Frau in Tanzrichtung, ich leicht gedreht nach innen. Dann den rechten Arm um sie gelegt. Es soll geschlossen getanzt werden. Wie von alleine begibt sich alles genau dahin, wo es "hingehört". Ich bin baff.

 

Doch, ich hab schon oft geschlossen getanzt. Aber es war bisher nicht so "perfekt" von der Umarmung her. Keine Anspannung, nichts unangenehm. Es passte perfekt zu meinem Körper (sicher hatte die Frau ihren Anteil daran. Wäre sie z.B. deutlich kleiner, hätte ich schon Probleme gehabt). Soweit, so gut. Ochos im Zick-zack? Ich bin erst einmal verwirrt. Dann laufe ich mit meiner Tanzpartnerin los. Ja, es geht. Aber da es hier ja primär nicht um Schritte geht, ist das jetzt mal Nebensache. Der Punkt ist, dass ich meine Tanzpartnerin eigentlich gar nicht führe. Ich muss es auch nicht.

 

Es geschieht beinahe alles von alleine. Der Tanzfluss sagt leichte Linksdrehung und ich mache es. Sie mit mir. Wir sind ja schließlich durch die Umarmung verbunden. Zuerst ist es noch etwas fest. "Nicht schieben, nicht drücken" sind die Worte der Frau in meinem Arm. Gut, ich "lasse nach". Ich gehe jetzt, als wäre ich alleine. Nichts "steht im Weg" (und das verstehen jetzt wohl eher die Männer zuerst). Ich gehe, als ob sie gar nicht da wäre.

 

Wir nehmen Übungshaltung ein. Sie fasst meine Schultern, ich sie bei der Taille. Wir gehen weiter. Kein Widerstand ihrerseits. Für sie fühlt es sich sehr gut an. Kein Druck, keine "Gewalt", nichts. Nein, jetzt nicht mit der Hüfte ... kein Oberkörper drehen. Einfach dem Fluss folgen (wie soll man so etwas gut beschreiben?). Wir spüren jedenfalls beide sofort, wenn ich etwas machen will, was gerade nicht zum Fluss passt. Ich experimentiere. Ja, diese Bewegung war gut, diese hart an der Grenze.

 

Wir spüren es sofort beide. Ich brauche bereits ein bisschen Kraft, um sie "zu bewegen". Nein, das soll so nicht sein. Also wieder zurück in den Fluss. Erstaunlich wie sanft und einfach alles geht. Gut, wir bewegen uns bisher in relativ einfachen "Figuren". Aber es ist schön. Sehr schön sogar. Sie genießt es, weil ich "nichts von ihr will". Ich genieße es, weil ich "nichts" machen muss. Es passiert einfach. Wir spüren beide von selbst was kommen muss.

 

Ich kämpfe zwar immer wieder einmal mit meiner "Standardhüfte" (also nach außen gedreht, anstatt zur Partnerin), aber auch das wird sich hoffentlich noch geben. Und Ruck-zuck ist der Workshop um. Leider. Am liebsten würden wir jetzt alle einfach so weiter tanzen.

 

Ich glaube, dass verstehe ich ab sofort unter "Harmonie im Paar". Und Achtung meine Damen, das wird ein völlig neues Tanzgefühl für euch bei unserer nächsten Tanda.

 

Heikvaldo: Wir schweben ... und er sieht zu

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Da hatte ich "es" also wieder einmal. Zärtlich, leidenschaftlich. Eine fast schon unanständige körperliche Nähe (Leute - vor allen die Nichttänzer - bremst eure Phantasie! Ich spreche vom Tanzen). Ein "10-Minuten Verhältnis". Naja, wenn ich richtig gezählt habe, dann waren es insgesamt mindestens drei Tandas. War wohl eher ein "30-Minuten Verhältnis".

 

Es hat eben gut geklappt. Zwischen ihr und mir. Wir haben uns tänzerisch, menschlich, körperlich (Größe, Figur) gut verstanden. Es hat eben gut gepasst. Es waren schöne Tangos. Ein Lächeln nach jedem Tanz. Ein freundliches, nettes Kompliment dazu. Es war alles da. Der Glanz in ihren Augen. Diese kleine, kurze Umarmung (nicht die "Küsschen-Küsschen", sondern die "einen-Arm-um-die-Taille-des-anderen-legen-Umarmung") nach dem Tanz.

 

Im normalen Leben würden jetzt die "Aber's" beginnen. Die Gerüchte, die Spekulationen. "Habt ihr schon gehört, der ... und die ... Und die haben ...". Das ist mit ein Grund, warum ich den Tango so liebe. Das miteinander. Keiner denkt sich etwas (oder zumindest sollte sich keiner was dabei denken), wenn ich eine Frau umarme, drücke (oder sie mich). Wenn ich mit einer fremden (verheirateten) Frau so tanze, als ob wir ein Liebespaar wären.

 

Wenn der Tanz zu Ende ist, ist auch dieses "Verhältnis" zu Ende. Die Leidenschaft kühlt wieder ab. Keiner missversteht etwas. Aber jeder von uns genießt diese Momente. Genießt die Zärtlichkeit, die Geborgenheit, die Nähe des anderen. Darüber hatte ich ja schon einmal geschrieben. Es ist eben ein kleines Stück "heiler Welt", die uns in unserer heutigen Zeit oftmals fehlt.

 

Was weiß ich eigentlich über diese Frau? Nichts! Sie hatte mir nur gesagt, dass sie nicht von hier ist und woher sie letztendlich kommt (also aus welcher Gegend). Ihren Namen habe ich erst am nächsten Tag erfahren (nein, nicht beim aufwachen - ihr wieder). Ihr Lebensgefährte hatte mir zufällig geschrieben und ihren Namen dabei erwähnt. Ist aber jetzt nicht weiter wichtig.

 

Der Punkt ist der, es war einfach schön. War es ein "Magischer Moment"? Nein. Habe ich mich verliebt? Nein. Sollte ich jetzt mehr hinein interpretieren? Nein. Es war einfach schön. Punkt. Schluss. Aus. Freue ich mich auf das nächste Mal (mit ihr)? Ja. Sie sich auch? Hoffentlich! ;-)

 

Und was sagt ihr Partner dazu? Es ist okay (ich hab ihn wirklich danach gefragt). Kein Problem. Gut, ich hab natürlich nicht alles erzählt (ein paar kleine Geheimnisse sind doch wohl erlaubt) - aber ihr könnt ja schweigen. ;-) Und das bewundere ich jetzt schon. Wie gelassen es die jeweiligen Partner nehmen. Nicht alle. Auch das wurde mir schon gesagt. Manchem tut es schon ein bisschen "weh", wenn sein Partner mit jemandem anderen ... so nah, so innig, so ...

 

Aber es ist "nur" tanzen. Und das wissen wir doch alle, die wir Tango tanzen - oder?

 

Heikvaldo: Learning by ... Fokussierung

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Wie merkt ihr euch neu gelerntes in der Tanzstunde? Ich schreibe es auf. Und male Bildchen dazu. Mit Text alleine lassen sich Tanzschritte so schlecht beschreiben. Und so kommt mit der Zeit doch einiges an "Wissen" dazu.

 

Jetzt habe ich das Wort Wissen ganz bewusst in Gänsefüßchen gesetzt. Warum? Weil es eigentlich noch gar kein Wissen ist. Wir haben es gerade gezeigt bekommen. Die Tanzlehrer haben vorgetanzt und wir haben es nachgemacht. Mehr oder weniger gut. Und irgendwie versuchen wir jetzt - jeder auf seine Art - dieses neue Etwas so ins Gehirn zu bekommen, dass es jederzeit auf Abruf zur Verfügung steht.

 

"Wissen" wird es nämlich erst dann, wenn es fest im Gehirn verankert ist. Und beim Tango bedeutet das, dass wir die Führung, die Beinarbeit, Oberkörperdrehungen, etc, etc. verinnerlicht haben. Wir müssen es komplett verstanden haben. Dann erst ist (wird) es Wissen. Und das bedeutet doch, dass all dieses Neue irgendwo zwischen "gerade erst kennen gelernt" und "hab es bereits voll verinnerlicht" steckt.

 

 

Und so sammelt sich mit der Zeit mehr oder weniger an, was "abgearbeitet" werden muss. Ochos habe ich relativ früh kennen gelernt. Bis ich die aber so richtig "beherrschte" (tue ich das überhaupt schon? In ein paar Jahren werde ich vermutlich rückblickend feststellen, dass ich damals - also heute - ziemlich stümperhaft damit umgegangen bin) hat es noch einige Zeit gedauert. Ich habe mich intensiv mit dieser Bewegung auseinander gesetzt.

 

Mit meiner Rolle und der Rolle der Frau dabei. Was mache ich, was macht sie? Was ist wichtig dabei? Was sind potentielle Fehler oder Probleme? Erst dann wurde es "Wissen" bei mir. Und dieses Wissen steht mir jetzt bei jeder Milonga zur Verfügung. Ich habe auch bereits genug Erfahrungen mit verschiedensten Frauen dabei gemacht. Wie reagiert sie auf die Führung in einen Ocho? "Erkennt" sie es eher beim Seitwärtsschritt oder beim geradeaus Gehen?

 

Die Sache ist jetzt die, dass ich mittlerweile doch eine ziemlich lange Liste an Neuem habe, was ich gerne in Wissen umwandeln möchte. Und so sehe ich mir immer wieder meine Aufzeichnungen an. Immer alles. So nach dem Motto: "Dann wird dir bei der Milonga schon das ein oder andere Neue wieder einfallen". Tut es aber nicht (haben wir das früher in der Schule nicht auch oft so gemacht? Noch schnell einmal den Eintrag von letzter Stunde durchlesen. Und bei der Ex oder Abfrage fiel uns dann doch nichts mehr davon ein).

 

Deswegen werde ich jetzt den Rat einer Nichttänzerin befolgen und mir für jede Woche genau eine neue Sache vornehmen. Also nur einen einzigen Punkt auf meiner Liste. Den werde ich gedanklich verarbeiten. Mir die einzelnen Schritte genau ansehen, gedanklich alles immer wieder durcharbeiten. Bis es fest im Gehirn sitzt. Ich muss es also "Auswendig" können. Und dann werde ich mich darauf konzentrieren, diese eine Sache auch wirklich oft zu tanzen.

 

Ich darf mich an dieser Stelle schon einmal bei all meinen Tanzpartnerinnen der nächsten Woche entschuldigen. Nur für den Fall, dass es etwas langweilig werden wird. Immer das gleiche. Aber nein, es sind zu viele Frauen und ich tanze alles andere ja auch noch. Es dürfte wohl gar nicht auffallen, dass ich mich auf eine spezielle Sache in dieser Woche konzentriere. Und letztendlich wird mein Repertoire damit jede Woche um einen Punkt größer. Und das ist doch etwas Positives. Das wird den Frauen (hoffentlich) auffallen ;-)

 

Und falls jemand rätselt, welches Element das Bild oben darstellen soll - es ist eine Rebote.

 

Heikvaldo: Vor- und Nachteile des Cabeceos

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Wieder einmal ist eine heiße Diskussion um den Cabeceo entbrannt. Vor allem die Frauen "fordern" hier mehr Initiative von den Männern. Aber es gibt auch "Gegenstimmen". Zeit also, sich der Thematik etwas intensiver zuzuwenden.

 

Beginnen wir doch einmal mit den Vorteilen für den Mann. Es gibt keine! Jedenfalls sehe ich keine. Da ich als Mann sowieso auffordere, werde ich wohl mit Cabeceo auch nicht mehr Tänze haben, als ohne. Einzig und alleine die Möglichkeit eines "Korbes" ist - nicht geringer - aber anders. Ich kann gar nicht beurteilen, ob ich einen Korb bekommen habe oder ob sie einfach nur nicht hergesehen hat (oder wollte). Gut, das mag ein Vorteil sein.

 

Ganz anders verhält es sich mit den Vorteilen für die Frau. Sie hat deutlich mehr Wahlrecht. Hat sie ja eigentlich auch so (also wenn der Mann kommt und fragt). Aber da gibt es dann Aussagen wie Ablehnen wäre "peinlich", "fällt schwer", etc. Beim Cabeceo blickt sie eben erst gar nicht hin (und vermeidet damit ungewollte Tänze). Zugegeben, ein enormer Vorteil in meinen Augen. Und somit dürfte das das Argument schlechthin für den Cabeceo sein.

 

Welche Nachteile hat der Mann durch den Cabeceo zu erwarten? Ich denke, er wird weniger tanzen. Und er wird auch nur noch mit einer eingeschränkten Zahl von Frauen tanzen. Weniger, weil er eben mittels Cabeceo nicht zum Zug gekommen ist (eine Cortina ist vielleicht 20 Sekunden lang?). Der Mann sieht also seine Auserwählte an (das kann u.U. schon ein paar Sekunden dauern). Sie aber nicht ihn. Also versucht er es bei der nächsten. Und schon sind die 20 Sekunden um. Er hat aber keinen Blick "erhascht" und konnte sich somit "verabreden". Also wird er jetzt nicht tanzen.

 

Natürlich kann er es weiterhin versuchen. Aber sobald die Tanda begonnen hat, wird die Sicht auf die Umsitzenden schwieriger. Also muss er u.U. aufstehen und woanders hingehen. Und im Gegensatz zum "klassischen" Auffordern (verbal) werden eben viele Frauen nicht hinsehen. und so "entgehen" ihm einige Tandas mit der Frau, die er gerade wollte. Das dürften wohl wesentlich mehr "Fehlversuche" sein, als Ablehnungen bei der klassischen Variante.

 

 

Gibt es auch Nachteile für die Frau? Außer das sich der Mann vielleicht nicht traut (per Cabeceo) oder es einfach nicht richtig hinkriegt, sehe ich keinen Nachteil. Ist also vermutlich so wie bei den Vorteilen für Männer. Keine oder kaum Abweichungen zu bisher.

 

Gibt es geschlechtsunabhängige oder generelle Vorteile (z.B. für die gesamte Milonga oder die Tangogemeinde)? Die Milonga wird "argentinischer" (dort ist der Cabeceo "Standard"). Aber sonst? Jeder muss aktiver auf die anderen Anwesenden achten. Aber ist das wirklich ein Vorteil? Will ich das? Zumindest muss ich mir dann eine unauffälligere Art der Beobachtung überlegen, sonst wird jeder Blick gleich als Cabeceo gesehen (dabei wollte ich nur mal sehen, wer überhaupt da ist oder noch dazugekommen ist).

 

Und die generellen Nachteile? Da fällt mir viel ein. Aufgrund der Licht- und Sichtverhältnisse hiesiger Milongas kann es u.U. schon schwierig werden, einen Cabeceo überhaupt mitzukriegen. Es ist oft zu dunkel (was ich jedoch nicht unbedingt als Nachteil sehe. Ich will ja nicht immer im Rampenlicht tanzen. Und schon gar nicht von einem Scheinwerfer geblendet). Mangels Brille (nicht aus Eitelkeit, aber sie stört eben beim Tango) "zerplatzen" viele Cabeceos ungesehen.

 

Ich kann mich als Tänzer vor jeder Tanda auf max. zwei bis vielleicht drei potentielle Tanzpartner einstellen/ausrichten. Für mehr ist einfach keine Zeit. Zudem bin ich fast gezwungen, mich zwischen den Tandas hinzusetzen (ich störe ja die Blicke der anderen) auch wenn ich weiterhin mit dem gleichen Tanzpartner (weiter-)tanzen will (oder muss dann auch gleich noch zwangsweise das "One Tanda only per partner" Prinzip eingeführt werden?)

 

Werden mit Cabeceo also mehr Frauen tanzen (bzw. die Frauen mehr) als bisher oder nur weniger Männer (und damit ja zwangsweise auch weniger Frauen)? Wird es "bessere" Tanzpaarungen geben (weil es wirklich beide wollten)? Wird es sich überhaupt durchsetzen? Oder werde ich als Mann aufgrund der beschriebenen Umstände vermehrt mit anderen Frauen tanzen als geplant (einfach aus dem Grund, weil unsere Blicke sich trafen und ich unbedingt tanzen will. Und bevor ich gar nicht tanze ...)? Man(n) darf gespannt sein.

 

Müssen unsere Cortinas (deutlich) länger werden (um genug Zeit zum "Erfolg" zu haben)? Vielleicht wird es "prickelnder". So beschreiben es zumindest die Frauen, die bevorzugt per Cabeceo aufgefordert werden (wollen). Ich für meine Teil würde aufgrund der Vorteile für die Frauen den Kompromiss gehen und eben manchmal die "Cabeceo only" Milonga ausrufen und manchmal eben alles so lassen wie bisher.

 

Wenn es vorher bekannt ist, kann ja jede(r) entscheiden wohin er/sie geht. Ich befürchte nur, dass manche Milonga dann in einer "women only" show enden, weil die Männer die "Cabeceo-Versionen" meiden werden (sie haben nichts oder kaum was "zu gewinnen", dafür kommen vermehrt Frauen, weil sie "mehr" davon haben oder es sich versprechen). Aber ich lasse mich überraschen. Vielleicht liege ich ja vollkommen daneben? Oder es gibt noch weitaus mehr, als ich bisher vermutet habe.