Heikvaldo: "Cabeceo only" Milonga(s) - ja oder nein?

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"Sollten wir einmal eine 'Cabeceo only' Milonga praktizieren (es darf also ausschließlich per 'Cabeceo' aufgefordert werden)? Die Frage deshalb, weil es wieder einmal heiß diskutiert wird bzw. sich die Frauen das ja anscheined verstärkt wünschen würden."

 

Diese Frage wurde in unserer Tangogemeinde in facebook heiß diskutiert. Um euch allen die Möglichkeit zu geben, hier ebenfalls mit abzustimmen, wurde eine Abstimmung außerhalb von facebook erstellt. Die Umfrage erfolgt anonym (kein email, etc. notwendig) .


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Heikvaldo: Unerwartete "Erkenntnisse"

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Langeweile. Die abendliche Milonga ist mir zu viel. Das Wetter verhindert Outdoor-Betätigung. Was also tun? Klar, ich geh' mal wieder in einen Anfängerkurs. Dort sind Ersatzmänner ja meist gerne gesehen. So auch heute. Einer fehlt noch. Da komme ich ja gerade recht.

 

Es ist die dritte Stunde im Kurs. Besagte Frau hat jedoch mangels Tanzpartner bisher nur "theoretisch" mitgetanzt. Ist also tangotechnisch noch total unschuldig. Wir sollen Gehen. Hmmmh. Ich hatte auf etwas Spannenderes gehofft. Aber ich wollte es ja so. Also gut. Nein, auch noch keine Standard- oder sonstige Tanzerfahrung erklärt sie mir auf Nachfrage. Es wird also echte Pionierarbeit.

 

Die ersten Schritte fallen erwartungsmäßig ziemlich schwierig aus. Das Übliche halt. Oberkörper ist nach hinten gebeugt (klar, ich bin ja auch ein fremder Mann). Die Rückwärtsschritte fallen ziemlich klein aus (und deswegen begegnen sich unsere Zehen auf sehr "intime" Art). Also erst noch einmal ein paar von diesen "Besserwisser"-Sprüchen. Sinn des Einpendelns. Nur immer ein Bein belasten bitte, keine "unerlaubten" Fußwechsel.

 

Aber natürlich kann ich nicht über die Vorteile der Oberkörpernähe mit ihr plaudern. Sie ist auch so schon Puderrot im Gesicht. Also dann. Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Nein, kein Problem (dass sie mir zum fünften Mal auf den Fuß tritt). Alles okay (sie blieb eben stehen, als ich zur Seite ging). Alles locker. Ich beruhige sie. Alles ist in bester Ordnung. Das wird schon (ich glaube, das vermissen viele Frauen an ihren Männern/Partnern im Kurs: diese Ruhe. Keine Vorwürfe, wenn es nicht klappt. Keine Schuldzuweisung).

 

Jetzt wird es mir aber wieder einmal bewusst. Sie braucht die absolut perfekte Führung!!!!! Das ist der Unterschied zu den anderen Tänzerinnen. Sobald ein bisschen Erfahrung vorliegt, "verstehen" sie auch "undeutliche Aussprache". Hier aber ist keinerlei Vorwissen vorhanden. Diese Frau muss maximal unterstützt werden. Also, Oberkörper unter Spannung setzen, deutliche Impulse VOR dem Gehen.

 

Der Begriff Führung ist wortwörtlich zu nehmen. Ich muss sie anleiten. Ich darf ihr eigentlich gar keinen Spielraum für Interpretationen geben. Alles muss eindeutig und gewissermaßen "erzwungen" sein. Sie darf gar keine Chance bekommen, etwas anderes zu tun, als das was ich von ihr will. Das jetzt aber bitte nicht verwechseln! Es muss ohne Druck (in den Händen und Armen) erfolgen und es darf bei ihr keinesfalls negative Emotionen auslösen.

 

Das genau ist die Kunst. Ich muss sie voll unter Kontrolle haben und trotzdem muss es für sie angenehm sein. Sie muss das als Hilfe sehen. Ich muss also vollkommen entspannt dabei bleiben. Trotzdem die erforderliche Oberkörperspannung bzw. unseren "Kontaktring" der Arme aufrecht erhalten. Ich hatte ihr bereits erklärt, warum ich einen kleinen Gegendruck ihres rechten Armes brauche. Jetzt versteht sie auch warum. Sobald ihr Arm nicht mehr "schlapp" ist, klappt die nonverbale Verständigung gleich ganz anders.

 

Und siehe da. Nach etwa einer Stunde Gehen wir halbwegs vernünftig. Sie läuft rückwärts. Ich kann seitlich an ihr "vorbei" laufen. Sie versteht Seitwärtsschritte. Ich erkläre noch einmal die Sache mit der Oberkörperachse ("ich führe nicht mit den Armen, sondern schau auf meinen Oberkörper"). Aha. Und dann ganz langsam eine kleine Drehbewegung und sie steht fertig zum Rückwärtsocho.

 

Klar, die Sache mit welchem Bein jetzt läuft noch ab und zu schief. Sie hat ihr Bein abgestellt und ist dann mit dem anderen los. Aber sie hat den Sinn soweit verstanden, dass ich sie beliebig links- oder rechtsherum zum Ocho drehen kann. Und langsam geführte Ochos kann sie auch. Sieht sicher lange noch nicht perfekt aus, aber sie bekommt Spaß an der Sache. Und das ist doch der Sinn. Sie beginnt zu lächeln. Das Puderrot wird langsam wieder rosa. Die Stunde hat ihr gefallen.

 

Und warum erzähle ich euch das alles? Ich möchte euch ermutigen, auch einmal wieder bei den Anfängern vorbei zu schauen oder mit einem Anfänger zu üben. Zum einen lernt ein Anfänger viel schneller, wenn der Gegenüber schon Erfahrung hat. Zum anderen könnt auch ihr dabei vermutlich noch etwas lernen. Ich dachte ja, was soll ICH in der dritten Tangostunde noch lernen? Aber, lieber Heikvaldo, da hat dir diese "kleine" Anfängerin bei längst-erlernt-geglaubtem 'mal wieder etwas "beigebracht". Und davon werden dann vermutlich all die anderen Frauen auf der Milonga heute Abend profitieren ;-)

 

Heikvaldo: Wie erklimme ich die nächste Stufe?

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Es ist ja noch nicht so lange her, da habe ich eine lange ersehnte "Stufe" erklommen. Im Tanzfluss beliebig Ochos, Seitwärtsschritte, Molinette. Aus dem Nur-Gehen ist mehr geworden. Die Frage ist jetzt: wie geht es weiter?

 

Ist mein nächstes Ziel bzw. sollte mein nächstes Ziel sein, weitere Elemente in mein Tanzen einzubauen. Also fleißig weiter am Repertoire aktiv arbeiten? Oder brauche ich schon wieder neues? Ganchos, Voleos. Da ist noch viel im Zylinder. Oder lieber den aktuellen Stand weiter perfektionieren?

 

Auf der gestrigen Milonga war so ein bisschen die "Creme" der Region versammelt. Mehrere gute Tänzerinnen und einige gute Tänzer. Das zeigt dir dann wieder einmal, wo du dich gerade befindest. Oder anders gesagt: es ist noch viel, viel Luft nach oben. Natürlich. Das ist mir auch bewusst. Ich behaupte ja auch gar nichts anderes. Meine Frage ist ja, wo will ich (als nächstes) hin?

 

Werde ich jetzt mit der Zeit meinen eigenen Tangostil entwickeln? Mit dem was ich kann spielen und neues daraus kreieren? Wird sich dadurch von ganz alleine neues Können einstellen? Ist das so eine Art Automatismus? Oder muss ich mich selbst darum kümmern? Training, Training, Training. Noch einiges aus den Tanzstunden ist mehr Theorie als Praxis. Ich tanze es nicht oder kaumst auf einer Milonga. Muss (soll) ich also dieses Wissen erst noch in Können umwandeln?

 

Oder lieber mehr an meinem Tanzausdruck feilen? Selbst die einfachsten Gehschritte kann ich locker noch besser machen. Ja, ich kann jetzt vom 1m Brett ins Wasser springen und sicher landen. Soll ich jetzt auf das 3m Brett steigen? Soll ich lieber auf meinem 1m Brett "schwierigere" Sprünge wagen? Soll ich mich erst auf diesem Niveau festigen? Das was ich tue einfach besser machen?

 

Tangotanzen ist schon ein bisschen wie Waschmaschine "fahren". Einmal ist es ein ganz ruhiges, gemütliches Drehen. Eine kurze Pause, dann geht es in der anderen Richtung weiter. Plötzlich beschleunigt sich alles um dich herum und du weißt nicht mehr wo oben oder unten ist. Und im nächsten Augenblick hat sich alles verändert. Alles sieht anders aus. Es geht rasant von alles-in-bester-Ordnung zu völliges-Gefühlschaos und zurück. Gestern Nachmittag habe ich noch per mail mitgeteilt, dass ich momentan nicht Tango tanzen kann. Ich muss mich erst wieder "sortieren". Und am Abend war ich vier Stunden fast ununterbrochen Tanzen. Alles in bester Ordnung.

 

Geht es nur mir so? Ich glaube nicht. Der Tango reißt dich manchmal hin und her. Ohne Vorwarnung. Ich komme mir vor wie ein Teenager-Girl. Hormon-Wirbelsturm. Von himmelhoch-Jauchzend zu zu-Tode-betrübt in weniger als einer Minute. Und genauso wieder zurück. Und du kannst kaum etwas dagegen machen. Im einen Augenblick fühlst du dich wie der König und nach der nächsten Tanda bist du am Boden zerstört.

 

Wo ist der Tangogott? Wer kann helfen? "Schick mir ein Zeichen". Oder ich mache mich auf den Weg zum Tangopapst? Ich habe schon viel von ihm gehört. Es soll sogar mehrere geben? Ob der (oder die) helfen kann? Aber es gibt auch so manches Negatives über diesen Papst (Päpste). Der Papst ist auch nur ein Mensch. Die Katholiken mögen mir verzeihen, aber auch ein Papst macht Fehler.

 

Vielleicht ist es doch am besten, ich bleibe einfach "bei mir". Ich bleibe ich. Und mache das, was ich für das richtige halte. Und höre weiterhin mit offenen Ohren zu, wenn mir jemand etwas sagt. Und mache mir dann Gedanken darüber. Und wenn "sie" sagt, dass es schön war und ich es genauso empfand ... dann ist es ein bisschen so wie der Sonnenaufgang in der Sahara. Ruhe, Frieden ... und wunderschön.

 

Heikvaldo: Nimm nicht alles persönlich

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Die Tanda ist vorbei. Sie lächelt! "Es war schön". Also hab ich anscheinend alles richtig gemacht. Ich bringe sie zurück an ihren Tisch. "Bis zum nächsten Mal" waren ihre Worte zum "Abschied". Darf ich also davon ausgehen, dass sie wieder einmal mit mir tanzen will?

 

Einige Tandas später möchte ich mich für die erste Runde revanchieren (sie hatte mich beim ersten Mal aufgefordert). Ich gehe also hin und frage ... und bekomme einen Korb! Also kurz das Kriseninterventionsteam aktiviert. Ein kurzer Systemcheck. Nein, keine Verluste, alle Systeme laufen normal. Also, was zur Hö... ist gerade passiert? Ich robbe zurück an meinen Platz (oder bin ich wirklich aufrecht gegangen?). Was war jetzt das? Ich verstehe es nicht.

 

Besagte Frau hat diese Tanda dann mit einem anderen Mann getanzt (nachdem sie lange anscheinend verzweifelt nach einen passenden Tänzer gesucht hat. So aus der Ferne sah es so aus, als ob sie ihn erst dazu überreden musste). Okay, war mir dann auch egal. Ich knabberte (und knabber immer noch) am Phänomen herum, dass es ihr ja wohl gefallen hat (warum sonst die Worte "bis zum nächsten Mal"?), sie mir dann aber trotzdem einen Korb gegeben hat. Jedenfalls gab es seitdem kein nächstes Mal mehr. Auf dieser Milonga habe ich sie logischerweise nicht mehr gefragt.

 

Und jetzt schreibt mir diese Frau, dass sie auf das nächste Mal wartet. Hmmmh. Okay, wie üblich versuche ich die Frauen nicht unbedingt zu verstehen, sondern nur zu lieben (steht im Handbuch "Frauen besser verstehen" auf Seite 14328 "Du musst die Frauen nicht verstehen - versuche nur sie zu lieben!"). Aber es lässt mir trotzdem keine Ruhe. WARUM????? Ist ja okay, wenn sie nicht mehr will. Kein Beinbruch. Aber dann doch bitte keinen Köder auswerfen ("bis zum nächsten Mal"). Und bitte keinen Korb mit einer "faulen" Ausrede und dann ab zum nächsten Mann.

 

Ist sie vielleicht eine Anhängerin dieser "besonderen Praktiken"? SM? Glaub ich nicht? Aber ich muss gestehen, ich verstehe es bis heute nicht. Nun, ich denke, dass letzte Kapitel ist hier noch nicht geschrieben. Wir werden uns wohl irgendwann wieder einmal über den Weg laufen. Aber wie soll ich mich dann verhalten? So tun, als ob nichts gewesen wäre? Sie ignorieren (aber sie "wartet ja auf das nächste Mal")? Warten, bis sie zu mir kommt?

 

Ich muss euch an dieser Stelle auf einen späteren Termin vertrösten, wie es weitergeht. Das nächste Kapitel wird vielleicht heute Abend auf einer Milonga irgendwo im Universum geschrieben. Bis dahin aber, nur so zwischen uns beiden, komm mal ein bisschen näher an den Monitor, müssen die anderen ja nicht unbedingt hören, aber DAS TUT MAN NICHT! Und auch frau nicht! Das ist Gefühlsspielerei. Das ist grausam! Ich hatte oben ja geschrieben, dass man(n) nicht alles persönlich nehmen soll. Aber ... ich schaffe es nicht :-(

 

Heikvaldo: Passive Damenwahl

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Eigentlich gibt es im Tango keine Damenwahl (schwarz-weiß gesehen). Eigentlich. Hierzulande gibt es aber auffordernde Frauen. Sie kommen zu dir und fragen dich. Als Mann weißt du dann was Sache ist und sagst ja oder nein.

 

Und es gibt die heimlichen Jägerinnen. Sie legen sich auf die Lauer. Du denkst: "Die werde ich jetzt 'erlegen' ". Aber in Wirklichkeit bist DU IHR in die Falle gegangen. Sie hat dich "erlegt". Du bist ihre Beute. Aber damit du es erst gar nicht merkst, tarnt sie ihre Aktion so, dass du glaubst, du hättest sie aufgefordert. Also wie läuft das?

 

Ich habe das jetzt schon ein paar Mal beobachtet und erlebt. Eine Frau will mit dir tanzen. Du übersiehst sie aber. Egal aus welchen Grund (als Entschuldigung möchte ich hier anbringen: ich kann jeweils pro Tanda nur mit einer Frau tanzen). Manche Frauen mögen dies still ertragen. Sie bleiben sitzen (und leiden!?!?). Anders die Jägerin. Sie will Beute machen. Schließlich ist sie deswegen zur Milonga gegangen. Zugegeben, eine Jägerin hat Erfahrung. Muss sie haben. Und sie muss tanzen können. Muss sie gut aussehen? Jung sein? ... Ihr kennt die Antwort (jedenfalls meine).

 

Sobald die Jägerin Witterung aufgenommen hat, pirscht sie sich an ihr Opfer heran. Sie kommt unauffällig näher. Aber anders als im Tierreich bleibt sie nicht in ihrem "Versteck" und tarnt sich so gut es geht. Nein, sie stellt sich mitten in die "Savanne". Sie macht sich sichtbar. Sie schleicht sich auch nicht von hinten an. Sie kommt direkt von vorne. Jedenfalls begibt sie sich massiv in dein Blickfeld. Das unschuldige Reh - pardon: der Mann - steht immer noch ahnungslos da und stellt eventuell (das kommt jetzt darauf an, wie aktiv er seine Umgebung "kontrolliert") fest, dass die eine ihre Position verändert hat. Aber da von einer Frau ja keine Gefahr ausgeht (Männer auswachen: sie ist eine Jägerin!), bist du überhaupt nicht beunruhigt.

 

Und schon habt ihr beide Blickkontakt. Wie unschuldig steht sie plötzlich da. Vielleicht sieht sie dich lächelnd an. Oder - die gefährlichste aller Jagtstrategien - sie hat diesen "Blick" (nein, ich werde das jetzt hier nicht erläutern ;-)). Und jetzt denkst du dir oben beschriebenes und tapst voll in die Falle. Natürlich können wir jetzt hier lange über Jäger und Opfer philosophieren. Wer hat welche Rolle ... usw. Das Entscheidende ist doch aber, sie wird tanzen. Sie hat Beute gemacht. Und die Beute merkt nicht einmal, dass sie "gefressen" wird. Aaaaach ja ... das Leben kann so schön sein ;-)

 

Diese Jagtstrategie funktioniert in meinen Augen hauptsächlich bei Frauen, die bereits mit dir getanzt haben. Als Mann musst du ja wenigstens ein bisschen den Wunsch haben, von ihr "gefressen" zu werden. Du kannst einschätzen, was dich bei dieser Tanda - sofern du zusagst - erwarten wird. Ganz anders - zumindest bei mir - liegt sie Sache, wenn dies eine dir völlig unbekannte Tänzerin versucht. Hier funktioniert dieser "unsichtbare Lassowurf" nicht. Der Mann registriert womöglich gar nicht, dass er als nächstes auf dem Speiseplan stehen soll.

 

Diese Frauen begeben sich u.U. bis in deine unmittelbare Nähe. Sie stehen dann neben dir oder am Tisch gegenüber. Aber die Wahrscheinlichkeit des direkten Blickkontaktes ist geringer. Sie ist eine "Fremde". Du wirst sie vielleicht gar nicht ansehen. Sie ist eine von vielen. Es ist jetzt für dich als Mann schwierig einzuschätzen, ob sie auf der Jagd ist oder nicht. Will sie tanzen oder ausruhen, ist sie zufällig hier? Sollte diese Frau aber wirklich nach Beute Ausschau halten, dann empfehle ich eher die oben genannte, direkte Methode: setz ihm die Pistole auf die Brust und frage ihn einfach. Wenn er ja sagt, dann hast du ihn damit ja "markiert" und kannst beim nächsten Mal mit der geheimen Jagd fortfahren.

 

Heikvaldo: Nur wer tanzt wird es lernen

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Dieser Post richtet sich wieder einmal an die "ganz neuen". Ich möchte euch Mut zusprechen. Mut, es einfach zu tun.

 

Auf der gestrigen Milonga traf ich eine "neue" Tänzerin. Ich hatte vor einigen Wochen auf einer Practica mit ihr geübt. Es war ihr "erstes Mal". Mangels Tanzpartner in der Tangostunde saß sie bislang meist nur auf dem Stuhl und hat zu gesehen. In der Practica hat es dann soweit geklappt, dass sie langsam gehen konnte. Ochos zwar in der Theorie, aber nicht wirklich. Jetzt war sie mit neuem Tanzpartner zur ersten Milonga. Und beide saßen am Rand. Und saßen und saßen ...

 

Also geb ich kurz einer Anfragenden einen Korb mit dem Hinweis, ich muss "Entwicklungshilfe" leisten (und hole die Tanda dann später mit ihr nach). Ich habe sie dann aufgefordert. Zuerst wollte sie nicht. Sie hat jetzt so ungefähr dreimal in der Tanzstunde getanzt. Also ein bisschen Überredungsarbeit und es ging los. Ziemlich verkrampft. Ihr eigener Körper mit permanentem Rückwärtsdrang (das haben manche Frauen. Als Führender verspürst du einen ständigen "Zug" ihres Körpers nach hinten). Der Oberkörper leicht nach hinten gebeugt, der Blick in Richtung Boden.

 

Ich habe sie immer wieder beruhigt. Ich werde nichts "schweres" Führen. Ich werde nur mit ihr Gehen. Ruhig, sanft, im Takt. Keine Ochos, Seitwärtsschritte, nichts. Sie kann ganz ruhig bleiben. Eine ganze Tanda lang sind wir gelaufen. Unzählige Male vertanzt, falscher Fuß, aus dem Takt gekommen. Ich hab sie angelächelt und gesagt, das macht nichts. Vermutlich habe ich es mir damit mich mancher der anderen Tangueras verscherzt ("Oh Gott, wie tanzt den der?"). Aber das überlebe ich. Ich hatte trotzdem den ganzen Abend ziemlich viel zu tun.

 

Es geht jetzt nicht darum, was meine Tanzpartnerin alles falsch gemacht hat. Dafür haben wir ja Practicas. Da kann ich ihr das alles erklären. Es geht auch nicht darum, dass ich mir die Zeit für sie genommen habe (ist wohl für mich so eine Art "Hypothekenrückzahlung" an die Frauen, die mir vor Monaten ähnliches "angedeihen" ließen). Es geht einzig und alleine darum, dass ihr Tanzen müsst!!!!!! Auf den Stühlen lernt man keinen TA. Von Videos kann man sich manches abschauen. Richtig Verstehen wird man es erst, wenn man es dann selbst unzählige Male nachgetanzt hat.

 

Ich habe es ihr und ihrem Tanzpartner auch gesagt. Ihr müsst tanzen! Egal was die anderen denken (oder sagen). Traut euch. Ich kann mich ja noch sehr gut an meine frühen TA-Tage erinnern (ist ja noch nicht solange her). Habt den Mut und versucht es. Immer wieder. Irgendwann klappt es besser. Als Mann kostet es natürlich Überwindung, auf einer Milonga eine (fremde) Frau aufzufordern (die es dann auch noch deutlich besser kann). Aber macht es! Wenigstens eine einzige. Tanzt mit ihr solange es geht. Vielleicht gönnt sie euch noch eine zweite Tanda. Egal. Selbst die eine ist Lernen für euch.

 

Und bei der nächsten Milonga schafft ihr wieder wenigstens einmal aufzufordern. Eine andere Frau. Und dann trefft ihr die Frau von der ersten Milonga wieder (ihr werdet bald feststellen, dass die TA-Welt ziemlich klein ist). Und fordert diese auch diesmal auf. Dann habt ihr (wenn alles klappt ;-)) schon zwei Tandas (oder mehr). Und dann arbeitet ihr euch so ganz langsam hoch. Es müssen nicht gleich zehn Frauen am Anfang sein. Eine und noch eine und noch eine. Dann habt ihr irgendwann schon drei Tandas. Und so geht es dann aufwärts. Und wenn ihr noch all die anderen Tipps aus diesem Blog beherzigt, dann sollte eurem Aufstieg eigentlich nichts mehr im Weg stehen.

 

Aber ihr müsst den Mut aufbringen, den Anfang zu machen. Zumindest die Männer haben es da wohl ein Stück weit selbst in der Hand. Einen besonderen Tipp für die Frauen kann ich hier leider nicht geben. Außer: fordert selbst auf! Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt ... Ich habe auf der Milonga gestern tolle Tänzerinnen gesehen. Respekt! Da trau selbst ich mich noch nicht "ran". Aber ich bin mir ganz, ganz sicher: keine von ihnen ist irgendwann morgens aufgewacht und hat festgestellt, dass sie jetzt über Nacht plötzlich eine sehr gute Tänzerin geworden ist.

 

Heikvaldo: Harmonie im Paar

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Das steht anscheinend bei vielen Frauen weit oben auf ihrer Tango-Wunschliste. Sie möchten harmonisch tanzen! Jetzt ist das erst einmal ein verständlicher Wunsch. Und vermutlich ist einer Frau auch vollkommen klar, was damit gemeint ist (zumindest was sie darunter versteht). Aber was ist mit uns Männern? Was verstehen wir darunter? Oder was sollen wir darunter verstehen?

 

Bemühen wir also zuerst einmal den Duden (ach nee, das heißt ja heute Wikipedia): "Die Harmonie (griech. harmonia = (Zusammen)fügung, Silbe ar oder har: indogerman. Herk. = Vereinigung von Entgegengesetztem zu einem Ganzen) bezeichnet. Der Begriff „Harmonie“ wird in der Regel dort verwendet, wo man neben einer bestimmten Regelmäßigkeit in der Anordnung einzelner Objekte bzw. ihrer Teile noch einen Sinn, eine Wertbezogenheit anzumerken glaubt."

 

Aaaaah ja. Jetzt ist ja alles klar. Aber ich verstehe nur Bahnhof. Also doch noch kurz im Duden nachschauen: "ausgewogenes, ausgeglichenes Verhältnis von Teilen zueinander; Ausgewogenheit, Ebenmaß; innere und äußere Übereinstimmung; Einklang, Eintracht."

 

Vielleicht sollte ich es doch lieber mit meinen eigenen Worten versuchen? Harmonie bzw. harmonisch. Wenn sie da ist, spüren wir es sofort. Und wenn sie nicht da ist auch. Nach nur wenigen Schritten ist es meist klar. Wird es harmonisch oder nicht. Also passen wir tanztechnisch zusammen oder nicht. Haben wir in etwa das gleiche Tanzniveau? Die gleiche Erfahrung? Und u.U. bedeutet es auch "können wir uns gegenseitig riechen?" (der Geruchssinn spielt auch im Tango eine gewisse Rolle. Nicht nur bei unangenehmen Gerüchen. Aber davon vielleicht ein ander Mal mehr).

 

Aber ... da wünscht sich doch eine Tänzerin von mir "... dass wir beim nächsten Mal harmonisch tanzen". Aber nicht, weil wir das sonst nicht tun. Wir tanzen öfters zusammen. Es klappt auch ganz gut. Ich bin mir sicher, mit dem oben beschriebenen hat es nichts zu tun. Sie tanzt gerne mit mir. Sie meinte bestimmt nicht, dass unsere Tanzniveaus unterschiedlich wären. Wir können gut miteinander. Also muss es entweder noch mehr bedeuten oder doch etwas anderes.

 

Was meint die Frau mit harmonisch? Weniger Action? Ruhiger, einfacher? Will sie sich einfach "fallen lassen", all die Verantwortung für ein paar Minuten ablegen? Die Augen schließen und genießen? Verwöhnt werden (trifft die Sache nicht ganz, aber mir fällt nichts Besseres ein)? An nichts weiter denken (müssen). Sich einfach gehen lassen? Vermutlich kann es für die gleiche Frau an verschiedenen Tagen etwas anderes bedeuten. Je nach Stimmung. Wie also kann ein Mann diesen Wunsch erfüllen?

 

Ich denke, ich halte mich an die Sache mit dem "ruhiger". An besagtem Abend, als ich mit dieser Frau wieder getanzt habe, hat sie ihren Kopf an meinen gelehnt, kaum gesprochen (was sonst nicht ihre Art ist). Sie ist in die geschlossene Umarmung gegangen. Und ich denke, sie wollte es sanft, ruhig. Ohne viel Wirbel. Meinte sie also das mit harmonisch? Ist es also doch in etwa so, wie im Duden beschrieben?

 

An diesem Abend bedeutete harmonisch für sie die "innere und äußere Übereinstimmung". Sie war nicht in der Stimmung für verwegene Tänze. Sie wollte "Einklang". Beide Körper bewegen sich synchron. Ich denke, sie meinte damit, dass aus unser beider Körper eins wird ("when two bodies become one"). Eine Einheit. Die für sich in Ausgeglichenheit und innerer Zufriedenheit seine Bahnen zieht und hofft, dass das Lied nie zu Ende gehen möge.

 

Heikvaldo: Die Angst vor guten Tänzern

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Ja, eigentlich würde ich schon gerne mit ihr tanzen. Sie hat es voll drauf. Tolle Schritte. Und die Körperhaltung. Wow! Eine richtig gute Tänzerin. Allerdings ... trau ich mich nicht sie aufzufordern. Sie tanzt einfach zu gut für mich

 

Assoziiere ich mit "guter Tänzerin" automatisch, dass ich einen Korb bekommen werde, wenn ich sie doch auffordere? Schließlich spielt sie in einer anderen Liga wie ich. Oder hat es etwas mit ihrem Aussehen zu tun? Schöne Frauen schüchtern Männer ein. Wer es nicht glaubt, fragt Dr. Freud. Ist es die Kombination von guter Tänzerin UND gutem Aussehen? (Bemerkenswert ist an dieser Stelle für mich, dass die meisten sehr guten Tänzerinnen auch sehr gut aussehen - aber das ist wohl ein anderes Thema).

 

Also hole ich mal meine virtuelle Tangoschatulle heraus. Mit wem habe ich schon getanzt? Nun, da sind aber jede Menge Karten mit sehr erfahrenen Tangueras. Teilweise über zehn Jahre Tango. Und alle tanzen mit mir. Nicht nur einmal. Immer wieder. Also dürfte die Erfahrung kein Hinderungsgrund sein. Und ich hatte auch keinerlei Bedenken, als ich sie zum ersten Mal aufgefordert habe. Ich habe da keinen Unterschied gemacht. Ich habe sie jeweils einfach aufgefordert.

 

Ist übermäßige Schönheit das Problem? Also mal weiter kramen. Nein. Auch dieser Stapel ist groß genug. Attraktive Frauen jeden Alters. Und mit allen habe ich getanzt. Und tanze ich noch. Und sie mit mir. Das kann es also auch nicht sein. Aber was ist es dann? Warum ist es manchmal ganz einfach eine gute Tänzerin aufzufordern (oder eher etwas verallgemeinert: warum ist es manchmal ganz einfach eine Tänzerin aufzufordern und manchmal nicht?) und warum habe ich manchmal ein Problem damit? Warum ist der Respekt manchmal einfach zu groß?

 

 

Liegt es an ihrer Art? Ihrer "Aura"? Schon eher. Manche Frauen "versprühen" so etwas wie Unnahbarkeit. Sie haben - ob bewusst oder unbewusst - eine Art "Mauer" um sich. Ihre Bewegungen, ihre Mimik und Gestik signalisieren "komm mir nicht zu nahe". Man(n) trifft im Leben Frauen, zu denen setzt du dich einfach dazu und bist sofort im Gespräch mit ihnen. Und es gibt Frauen, da traust du dich nicht näher als drei Tischreihen heran. Muss irgendein uralter Instinkt sein (vermutlich der, der dein Überleben sichern soll ;-)) Das ist also sicher ein Grund.

 

Welchen Einfluss auf meine Tanzentscheidung hat ihre Kleidung? Hat sie überhaupt eine (und warum sind die guten Tänzerinnen auch immer gut angezogen?)?  Hat sie! Definitiv! Zumindest unbewusst (oder wir Männer geben es einfach nur nicht offen zu). Allerdings, wenn ich jetzt zwei "gleiche" Frauen zur Wahl habe (nehmen wir doch einmal Zwillinge) und eine davon ist schöner/besser/attraktiver/etc. angezogen (sonst ist alles gleich) ... mit welcher würde ich lieber tanzen? Klar, mit der besser angezogenen. Was aber, wenn diese Frau schlechter tanzt? Nehme ich dann lieber die andere?

 

Aber zurück zur Frage, ob "gute Tänzerin" ein Hindernis ist. Ein ganz klares "Jein"! :-) Und wie löse ich das Problem jetzt? Ich versuche mit der Frau vor dem Tanz ein wenig zu Plaudern. Wie ist sie so? Und wenn sie dann nett ist (egal wie sie tanzt, wie sie aussieht, wie alt sie ist, ...) ... dann ist die Chance groß, dass ich sie zur nächsten Tanda auffordere.

 

Heikvaldo: Ich bin die Frau

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Da stehe ich also gerade so 'rum und unterhalte mich. Und dann werde ich aufgefordert. Von einem Mann. Hmmmh. Gut, also erst einmal kurz darüber nachdenken. Will ich das? Mit einem Mann tanzen? (nur wer es nicht weiß: Heikvaldo ist auch ein Mann). Ich kenne den Auffordernden. Ich habe auf Practicas auch schon kurz mit ihm getanzt. Und jetzt fragt er mich, ob ich mit ihm tanzen will. Eine richtige Tanda.

 

Na gut, warum nicht. Ich führe. Wir probieren es. Ist gar nicht so leicht, wie ich dachte. Anscheinend sind wir beide nicht ganz entspannt. Ist eben doch etwas anderes. Ich versuche also zu führen. Klappt nicht. Ich komme damit nicht zu recht. Liegt es an mir, weil er ein Mann ist (und ich damit nicht klar komme) oder liegt es daran, dass er eben keine Frau ist (und diese Rolle eben nicht so beherrscht)? Nach einem Tanz wechseln wir die Rollen. Jetzt bin ich die Frau.

 

Also erst einmal versuchen zu entspannen. sonst kann ich die Führung nicht fühlen. Ich blicke leicht zur Seite und konzentriere mich. Wir "schwingen" uns ein. Okay. Jetzt führt er den ersten Schritt. Ich laufe rückwärts. Das geht. Nach ein paar Schritten eine kleine Pause und weiter. Okay. Soweit so gut. Dann bin ich verwirrt. War das jetzt das "Kommando" für einen Ocho? Ratlosigkeit. Wie kann ich Führung von unbedeutenden (Körper-)Bewegungen unterschieden? Wann soll ich nur einen Beinwechsel durchführen, wann einen Seitwärtsschritt und wann soll ich mich drehen?

 

Ich frage nach. Hätte das jetzt ein Ocho werden sollen? Nein. Hat er nicht geführt. Gut. Also weiter. Ich laufe wieder rückwärts. Dann müsste doch jetzt irgendwann das Kreuz kommen. Bin verwirrt. Woran soll ich das jetzt merken? Ich laufe auf Verdacht ins Kreuz. Nein, hat er nicht geführt. Hmmmmh. Ist gar nicht so leicht das alles richtig zu verstehen. So ganz langsam werden meine Schritte etwas sicherer. Aus diesem verkrampften Etwas werden langsam Tangoschritte. Ich versuche so etwas wie Eleganz in meine Schritte zu legen.

 

Wir tanzen noch insgesamt drei Tangos zusammen. Schließlich laufe ich Drehungen, Seitwärtsschritte und so eine Art von Ocho (natürlich gehe ich mit dem falschen Bein). Es wird zwar mit jedem Lied besser. Aber ich merke jetzt, wie schwierig die Rolle der Frau im Tango ist. Im Tanzunterricht habe ich auch manchmal mit dem Lehrer getanzt. Mal als Führender, mal als Folgender. Aber ich wusste ja was ich führen soll bzw. was er führen wird.

 

Aber das hier ist etwas ganz anderes. Ich bekomme die Tanzinformation ja erst kurz vor einem Schritt. Und ich habe vorher keine Ahnung, was kommen wird. Natürlich würde das alles mit etwas Übung sicher immer besser werden. Jedenfalls schärft mir das Ganze Respekt vor der Frauenrolle ein. Das hatte ich wohl bisher doch ein wenig unterschätzt. Als Führender bin ich ja am Steuer. Ich weiß ja, was ich will und tanze es. Aber sie?

 

Es war sicher eine interessante Erfahrung. Vor allem ist es etwas ganz anderes, als wenn ich meine Tanzpartnerin 'mal führen lasse. Jetzt verstehe ich auch besser, warum Frauen manchmal einfach so ins Kreuz gehen oder eben nicht. Und warum sie einen Ocho oft mit dem falschen Bein laufen. Aber die letzte Tanda tanze ich dann wieder mit einer Frau. Ja, das geht besser. Gewohntes Terrain. Ach bin ich froh, ein Mann zu sein ... obwohl, es war schon toll, sich einmal voll und ganz auf den Tanz konzentrieren zu können. Ohne Führen zu müssen und auf den Rest der Tänzer achten zu müssen.

 

Heikvaldo: Entschleunigtes Tanzen

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"Die Unendlichkeit des Langsamen". Ich versuche jetzt wieder etwas mehr "entschleunigt" zu tanzen. Oje, Heikvaldo hat Sonnenstich! Nein. Hört doch erst einmal zu (oder müsste es nicht heißen: lest mir doch erst einmal nach?)

 

"Magische Momente". Habe ich schon des Öfteren beschrieben. Diese herausragenden Tangos. Diese "alles-um-sich-herum-vergessen-Tangos". Wollen wir vermutlich alle haben. Aber wir wissen auch, dass diese Momente selten (und damit kostbar) sind. Ich hatte ja schon ein "Rezept" beschrieben, um möglichst optimale Voraussetzungen zu schaffen. Jetzt habe ich noch eine wichtige Zutat gefunden: Langsamkeit!

 

Meine "Heilige-Dreifaltigkeit-des Tango": Nur sie, ich und die Musik. Von mehr war da erst einmal nicht die Rede. Jedenfalls nicht von Hektik, Geschwindigkeit. Nimm dir alle Zeit der Welt (und nach Möglichkeit sogar noch mehr.) für diesen einen Tanz, für diese eine Frau. Stell dich irgendwo in die Nähe der Mitte der Tanzfläche (dort stört ihr dann nicht). Also suche dir jedenfalls ein Plätzchen nicht gerade in der äußersten Spur. Denn du wirst dich nicht allzu viel vorwärts bewegen. Und schon gar nicht schnell.

 

Und du hast hoffentlich die richtige Frau im Arm. Da könnte es schon trickie werden. Welche ist die Richtige? Tja, dafür habe ich (Gott sei Dank) KEINE allgemeingültige Anleitung. Wie der Volksmund so schön sagt: Kommt darauf an! Und auf was? Nun, dass musst du schon selber für dich (und deine Partnerin) herausfinden. Vielleicht solltest du ein Modell "Genießerin" wählen. Eventuell klappt es auch mit einer "Träumerin". Von einer "Temperamentvollen" oder "Schauspielerin" würde ich vielleicht eher abraten. Aber wie gesagt, das musst du selber herausfinden.

 

Und dann bete zum Gott aller DJs, dass der richtige Song kommt. Einer, der dich voll anspricht. Der dein Herz berührt. Einer, der deinen Herzschlag beruhigt. So auf geschätzte 20 Schläge pro Minute (ja Herr Doktor, das ist nahe am Kreislaufstillstand. Aber ich rede hier von Tango, nicht von Medizin). Und dann gönne dir die vollen 20-Sekunden bevor du loslegst. Schalte nun alle nicht benötigten Systeme ab. Die stören jetzt nur.

 

So weit, so gut. Die restlichen ca. 20 Details an Vorbereitungen zum "perfekten" Tango verschweige ich an dieser Stelle einmal. Da dürft ihr selber draufkommen (für alle die nicht von alleine draufkommen werde ich die mal in Zukunft posten). Nur noch so viel: ihr habt jetzt noch ca. 20 Sekunden Zeit, um euch in diese Frau zu "verlieben" (Details siehe hier)  und ihr das ohne ein Wort, ohne eine zusätzliche Berührung zu zeigen. Schwierig? Ja, aber nicht unmöglich ;-) Dann seid ihr auf dem besten Weg.

 

Ist bis hierher doch ganz einfach ;-) 20-20-20-20. Mehr braucht es nicht zum perfekten Tango. Lässt sich doch superleicht merken. Ach ja, eines noch. Ist nur eine Kleinigkeit die noch fehlt. Aber jeder, der schon seinen eigenen magischen Moment hatte, kennt es. Ach na ja ... darüber brauche ich doch eigentlich nichts zu schreiben. Ihr wisst es doch selbst. Schließlich tanzt ihr doch alle TA :-)

 

Heikvaldo: Es sind zu wenig Männer da

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"Ich gehe jetzt. Es sind zu wenig Männer da!" Und weg war sie. Aha. Zugegeben, es waren weniger Männer als Frauen auf der Milonga. Aber ...

 

Insgesamt waren jede Menge Männer da. Und nicht alle waren bei allen Tandas "belegt". Somit gab es also fast zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich einen freien Mann zu "schnappen" und mit ihm zu tanzen. Ist es also wirklich unsere Schuld - also die Schuld der Männer - wenn frau nicht zum Tanzen kommt? Das ("es sind zu wenig Männer da") kann ich so also nicht ganz gelten lassen.

 

Warum frage ich mich dann, werden die Frauen denn nicht von sich aus etwas aktiver? Es funktioniert. Wirklich. Vielleicht nicht immer. Aber das geht uns Männern ja genauso. Ich stehe also am Rand der Pista (Tanzfläche) und "erhole" mich gerade von einer Milongarunde. Und dann kommt eine Frau zu mir und fragt mich, ob ich tanzen möchte. Und ich sage "ja". Einfach so. Und schon hat sie getanzt. Lag das jetzt daran, dass sie eine Eidgenossin war (also aus der Schweiz)? Wohl kaum.

 

Es lag einfach daran, dass sie aktiv wurde und sich selbst "darum" gekümmert hat. Von mir aus hätte ich diese Tanda nicht getanzt. Ich habe eine kleine Pause gemacht. Da ich aber gefragt wurde ... Es kostet natürlich eine gewisse Überwindung selbst zu fragen. Das ist ja bei uns Männern nicht anders. Wenn ich tanzen will, muss ich mich auch darum kümmern. Von alleine passiert meistens nichts.

 

Auch fallen mir in diesem Zusammenhang die "Neun Gebote, um nicht aufgefordert zu werden" ein. Besagte Frau vom Anfang (die dann ging), saß gaaaaanz hinten auf ihren Stuhl. Hinter einem anderen Tisch. Im Dunkeln. Sie war mir nicht einmal aufgefallen. Warum hat sie sich nicht "in die erste" Reihe gesetzt? Möglichkeiten dazu gab es. Warum hat sie nicht "aktiv" signalisiert "ich möchte Tanzen"?

 

Natürlich will jede Frau auf einer Milonga tanzen. Aber warum schaffen es die einen, fast pausenlos zu tanzen und die anderen kaum oder gar nicht? Nein, tut mir Leid, das hat nichts (oder kaum) mit dem Aussehen oder dem Tanzkönnen zu tun. Es hat eben auch etwas mit der "Präsentation" zu tun. Ich muss gesehen werden. Ich muss "offen" sein. Also "ausstrahlen", dass ich wirklich tanzen will. Jetzt, hier und mit dir (mit "jedem" Mann).

 

Wenn ich mich im hintersten Eck "verstecke", werde ich nicht gefunden oder nicht so oft. Oder vielleicht nur von den Männern, die mich bereits kennen. Die werden auch aktiv zu mir kommen (wenn sie wissen, dass ich da bin). Aber die anderen (Männer) werden mich nicht wahrnehmen. Ich erscheine nicht auf ihrem "Scanradar". Die Folge ist wohl klar. Eine Frau die sich ganz hinten "versteckt" WILL NICHT TANZEN!

 

Genauso verhält es sich mit der Gruppe von Frauen, die sich gemütlich auf einer Couch platziert haben. Da sitzen sie also. Völlig relaxed. Es wird sich unterhalten (oder eben nicht). Will eine Frau, die auf einer Couch sitzt, wirklich tanzen? Will eine Frau, die sich unterhält wirklich tanzen? Meine Damen: mit einer Frau kommt ein Mann vielleicht zu recht. Mit einer ganzen Gruppe nehmen es nur die wenigsten auf (sprich: sie werden es "wagen" zu euch zu kommen und eine einzelne aus der Gruppe auffordern).

 

Ich denke, da sind die Chancen besser, wenn ihr euch alleine (oder ev. zu zweit) auf die Stühle am Rand der Tanzfläche setzt und eure Umgebung auch wahrnehmt. Ob Cabezeo oder nicht. Aber ich muss die Frau sehen und ihr unterstellen, dass sie jetzt im Augenblick auch tanzen möchte. Und das signalisiert sie u.a. mit ihrem Blick Und sie sollte es mir nicht allzu schwer machen, indem sie sich als Teil einer "Herde" tarnt. Wir Männer sind (oder waren :-)) Jäger.

 

Die Wahrscheinlichkeit, ein Tier (bitte nicht falsch deuten. Ich bezeichne Frauen nicht als Tier) aus der Herde zu "erlegen" ist deutlich geringer, als ein einzelnes als potentielle "Beute" auszumachen. Das wissen wir Männer immer noch. Und ob es nun gefällt oder nicht, aber Auffordern im Tango hat immer noch ein bisschen mit jagen zu tun.

 

Heikvaldo: Milonga für Dummies

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Folgender "Hilferuf" erreichte mich vor einiger Zeit:

 

"Bitte Heikvaldo, kannst Du nicht auch mal über den Tangofluß schreiben? So viele Quertänzer, Überholer, zum Auffordern oder Getränke holen, begrüßen etc. über die Tanzfläche laufen während der Tanda. Natürlich wissen das auch die Tangopäpste (Besserwisser, ehemalige BA-Besucher), passiert aber leider allzu oft."

 

Ja stimmt! Das ist (leider) so. Passiert es aber aus Unwissenheit oder Ignoranz? Gegen ersteres kann man ganz leicht etwas tun. Deshalb hier noch einmal eine Zusammenfassung der wichtigsten Milongaregeln. Ist jedoch Ignoranz die Ursache dieses Verhaltens, dann wird es schwer.

 

Vor allem, wie dagegen vorgehen? Ich denke wir "verstoßen" alle ab und zu gegen diese Regeln ("Wer ohne Sünde ist möge den ersten Stein werfen"). Auch ich wechsle ab und zu die Spur (wenn Platz ist oder mein Vordermann anscheinend in einer Kurzparkzone steht). Und natürlich muss auch ich ab und zu an der Theke Kühlwasser nachfüllen und betrete deswegen die Tanzfläche ohne Tanzabsicht. Also, wie "erziehen" wir uns selbst. Und wie schaffen wir es, notwendige und sinnvolle Reglements einzuhalten und durchzusetzen?

 

Milongaregeln sind in erster Linie sinnvoll. Punkt! Der einzige Sinn dieser Regeln ist, es für alle angenehm und sicher zu machen. Wer daran zweifelt, ist eingeladen darüber zu diskutieren. Niemand soll eingeschränkt oder gemaßregelt werden. Tango ist "Gruppensport". Und da habe ich mich eben anzupassen. Der gewünschte Freiraum sollte sich auf das tänzerische beschränken. Hier darf und soll jeder wie er will oder kann.

 

Und warum verstoßen wir dann immer wieder einmal gegen diese Regeln? Weil einzelne Regeln gerade keinen Sinn machen (die Tanzfläche ist fast leer, warum in einer Spur tanzen) oder weil es uns egal ist (ich hab jetzt Lust mit meinen Freunden zu plaudern. Die anderen können doch außenherum tanzen)? Ich versuche mal es positiv zu sehen. Wir machen uns eben gerade keine oder zu wenig Gedanken. Brauchen wir also eine "Milongapolizei"? Die öffentlich oder im geheimen umher patrouilliert und "Strafzettel" verteilt?

 

Nein, das will sicher niemand haben. Aber! Wie wäre es, wenn jemand (der DJ?) bei zu vielen "Verstößen" ein kleines Fähnchen hisst (oder ein Schild aufstellt oder eine Durchsage macht oder ...)? So als allgemeinen Hinweis an alle? Keiner wird direkt "angezeigt". Aber alle erhalten diesen Hinweis. Dann kann sich jeder einmal selbst an die Nase fassen und sein eigenes Verhalten kurz "checken". Wäre das eine Möglichkeit?

 

 

 

 

Zusammenfassung der wichtigsten Milongaregeln (mit Erläuterungen ;-):

  1. Wer in den Saal einer Milonga hinein geht, in dem gerade getanzt wird, durchquert nicht die Tanzfläche, sondern geht an dessen Rande zügig zu einem freien Platz, um nicht die tanzenden Paare zu behindern (oder wartet am Eingang, bis das aktuelle Musikstück zu Ende ist).
  2. Die Tanzrichtung erfolgt allein von links nach rechts, also gegen den Uhrzeigersinn (Ausnahme: es befinden sich so wenige Paare auf der Tanzfläche, dass dies gefahrlos für ein paar Schritte möglich ist).
  3. Es wird in Spuren getanzt und diese nur im "Notfall" verlassen. Diese Regel ist umso strikter zu befolgen, je voller die Milonga ist.
  4. Der Tangotänzer vermeidet Rückwärtsschritte zu tanzen. Die Salida wird vom 2. Schritt aus getanzt (Seitwärtsschritt nach links) weil mit dem 1. Schritt (Rückwärtsschritt) das dahinter tanzende Paar angestoßen werden könnte. Falls jedoch mit einem Rückwärtsschritt begonnen wird, ist dieser klein auszuführen (also nur wenig nach hinten gehen)
  5. Der Tangotänzer führt seine Tanzpartnerin derart, dass sie andere Paare oder Gegenstände nicht berührt
  6. Der Tangotänzer kontrolliert immer den Raum rechts, links und vor ihm, um zu verhindern, mit anderen Paaren zusammenzustoßen (da der Führende u.U. den Raum rechts vom Paar nicht überblicken kann ist ein Überholen auf dieser Seite besonders gefährlich)
  7. Ist die Milonga überfüllt, so bleiben die Füße immer im Kontakt mit dem Fußboden. Der Tangotänzer vermeidet insbesondere, voleos circulares und linerales, ganci etc. zu führen
  8. Wenn die Milonga überfüllt ist, so hält das Paar niemals an um eine Figur auszuführen, es sei denn am Rande der Tanzfläche wenn dort ausreichend Platz vorhanden ist (und auch sonst ist der Tanzfluß für max. ein paar Sekunden zu unterbrechen)
  9. Auf einer Milonga wird nicht geübt. Es findet kein Unterricht statt und es wird auch nicht belehrt oder Fehler korrigiert (geht dafür bitte nach draußen oder außerhalb der Tanzfläche)
  10. Überholen anderer Tanzpaare ist zu vermeiden. Falls nötig, wird links überholt (Grund: siehe 6.)
  11. Es ist anstandslos, während der Ansagen des Musicalizador (DJ) zu reden
  12. Begrüßungen und Verabschiedungen haben ausschließlich außerhalb der Tanzfläche zu erfolgen (Einzige Ausnahme: während einer Cortina)
  13. Für Unterhaltungen (außerhalb einer Cortina) ist die Tanzfläche zu verlassen. Vor allem ist Gruppenbildung zu unterlassen.

(Diese Regeln sind eine Zusammenstellung einzelner Listen u.a. von Carlos Gavito. Ich habe mir erlaubt, zusätzlich  auf deutsche Besonderheiten einzugehen)

 

Und hier noch ein paar zusätzliche - in meinen Augen nette - "Regeln":

  1. Befinden sich einzelne, unbekannte TänzerInnen auf einer Milonga, ist es eine Nette Geste, diese zum Tanzen aufzufordern.
  2. Beide Tänzer passen sich dem "schwächeren" Tanzniveau an (als Führender ist es rücksichtslos, seine Partnerin zu überfordern; als Folgende bringe ich meinen Partner u.U. in Verlegenheit, wenn deutlich besser getanzt wird)
  3. Zweck einer Cortina (Pausenstück) ist es, dass alle Tänzer die Tanzfläche verlassen um die Möglichkeit zu schaffen, neue Tanzpartner zu wählen (hat noch nie geklappt). Wer mit seinem Partner weiter tanzen will, sollte sich wenigstens an den Rand der Tanzfläche begeben, um die Sicht der Anderen nicht zu behindern.
  4. Jeder achtet darauf, dass Gegenstände (z.B. Stühle) nicht in der Tanzfläche stehen

 

Heikvaldo: Verlasse ich den rechten Pfad?

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Zuerst war ich mächtig stolz. Endlich! Die Ochos in beliebiger Reihenfolge, Seitwärtsschritte, Kreuz, Salida, Sacadas, ... Eine unendliche Aneinanderreihung von Elementen. Ich komme ja gar nicht mehr zum eigentlichen "Gehen". Aber halt! Bin ich dabei, vom rechten Weg abzukommen?

 

Wenn ich in aller Ruhe so über meine letzten Tangos nachdenke ... ja, es waren viele, viele "Bewegungen". Aber habe ich die Musik überhaupt noch wahrgenommen? Welche Stücke liefen denn dazu? Keine Ahnung. Nicht, weil ich die Lieder nicht kenne, sondern weil ich nicht darauf geachtet (gehört) habe. Ich war ja so sehr mit Führen der ganzen Elemente beschäftigt.

 

Begebe ich mich jetzt auch auf diesen Pfad der "Figurenfetischisten"? Oh je, ich wollte doch nie so werden. Ich habe doch immer die Musik interpretiert. Schönes Gehen im Takt. Sanft und rhythmisch. Dafür gab es ja auch oft positives Feedback der Tanzpartnerinnen. Und was ist jetzt aus mir geworden? Oder ist es einfach nur der Stolz, dass endlich etwas klappt was ich schon lange probiere?

 

Ich stehe wohl an einer Tango-Kreuzung. Links geht der Weg der gepflastert ist mit Elementen, Figuren. Die Priorität liegt hier auf Ochos, Sacadas, Drehungen. Rechts geht der Weg der Musik. Die Elemente sind zweitrangig. Die Musik und deren Interpretation stehen im Vordergrund. Schönes, rhythmisches Gehen. Die Frau im Arm spüren. Sich Zeit für sie nehmen. Sie wahrnehmen.

 

Aber wohin soll ich jetzt weiter gehen? Gehe ich nach links, so verliere ich den Bezug zur Musik. Ich höre nicht mehr richtig hin. Ich konzentriere mich auf das oft zu beobachtende "Elementfeuerwerk". Die Frau hat kaum noch die Möglichkeit, ihre Schritte sauber und genießerisch zu Ende zu bringen, da führe ich schon die nächste "Figur". Was interessiert mich die Musik? Ich brauche die Bewegungen.

 

Oder will ich nach rechts weiter gehen? Ab und zu mal einen Ocho oder eine nette Drehbewegung. Es ist alles in allem überschaubar was so pro Tanz "abgeht". Aber ich bleibe bei der Musik. Ich höre zu und die Beine machen, was im Kopf an Information ankommt. Ich setzte die Musik tänzerisch um. Ich bewege mich passend zur Musik. Die Frau (und ich) bekommt jede Menge Zeit zum Genießen.

 

Ratlosigkeit! Was will ich? Was wollen die Frauen die mit mir tanzen? Ich kann natürlich zwischen beiden Wegen wechseln. Ein Tanz gehört den Tangoelementen, ein Tanz der Musik. Ist das eine brauchbare Lösung? Oder ich frage die jeweilige Tanzpartnerin nach ihren Vorlieben? Will ich das? Was ist hier das Salomonische Urteil? Was ist meine Lösung?

 

Und jetzt streift mein Ohr diese "neue" Musik. Betont langsam. Viiiiiel Zeit zum Nachdenken (und Führen). Egal, ob Neo, Nuevo, Non oder wie sich die Musikrichtungen nennen. Es gibt Möglichkeiten. Die Langsamkeit der Musik gibt mir die Möglichkeit in aller Ruhe zu genießen und es bleibt sogar noch Zeit, sich ein paar nette "Figuren" auszudenken. Vielleicht probiere ich das einmal aus? Ein Bruch mit der traditionellen Tangomusik?

 

Gibt es deshalb so viele Anhänger dieser Musikrichtungen? Die Mischung aus Genuss und Bewegungen? Gut, muss ist ausprobieren. Ist aber sicher nur eine Teillösung. Denn was mache ich mit der ursprünglichen Tangomusik? Also ziehe ich die nächsten Wochen das T-Shirt mit dem Aufdruck "Heikvaldo ist momentan ratlos!" an. Und auf die Rückseite lasse ich "Vorsicht! Experimentaltänzer." drucken. Und dann schauen wir mal wie es weitergeht ...

 

Heikvaldo: Tipps für Anfänger

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So, gestern habe ich wieder einmal bei den "Neulingen" vorbeigeschaut. Richtig "blutige Anfänger". Aber, wir haben ja alle 'mal klein angefangen. Das ist ja nicht der Punkt. Die Frage ist, was sollten wir tun, um weiter zu kommen?

 

Hier einmal ein paar Tipps von mir, die nichts mit dem eigentlichen Tanzen zu tun haben oder bestenfalls am Rande. Es sind jedoch so grundsätzliche Dinge, dass sie jeder (Anfänger) beachten sollte.

 

Tipp 1: Hört zu!

Wenn die Lehrer etwas vermitteln wollen, solltet ihr zuhören. Und zwar konzentriert. Dann ist nicht die Zeit für Privatgespräche. Wenn euch euer jeweiliger Tanzpartner etwas über euer Tanzen mitteilen will, hört zu. Dies sind einmalige Chancen. Ihr bekommt Feedback wie ihr tanzt.

 

Tipp 2: Sprecht viel miteinander!

Gebt euch gegenseitig Feedback. Wie kommt etwas bei euch an? Wie fühlt es sich an? Was war/ist gut? Was weniger? Wo sind Unterschiede zu den anderen Tanzpartnern im Kurs? Vielleicht auch einmal ein kleines Lob? Natürlich darf es auch Kritik sein.

 

Tipp 3: Fragt!

Je mehr, desto besser. Wenn etwas nicht verstanden wurde, fragt noch einmal nach. Wenn ihr euch nicht sicher seid, fragt noch einmal nach. Fragt aber die Richtigen. Nicht jeder der Teilnehmer wird es euch richtig erklären können. Da können sich dann auch schnell Fehler einschleichen. Geht auf Practicas und fragt dort noch einmal nach.

 

Tipp 4: Übt!

Von alleine ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wer nur einmal pro Woche in eine Unterrichtsstunde kommt und ansonsten nicht übt wird sich schwer tun. Zuviel wird unter der Woche wieder vergessen. Ihr könnt euch auch Videos (z.B. Youtube) zum Thema ansehen. Und das dann zu Hause nach tanzen. Aber Vorsicht. Neuer Stoff wird allzu leicht falsch eingeübt. Also beschränkt euch auf bekanntes.

 

Tipp 5: Schreibt auf!

Versucht das Gelernte jeweils nach der Stunde aufzuschreiben. Egal, ob reiner Text, Zeichnungen oder ein Mix. Nur so könnt ihr alles (oder zumindest das meiste) behalten. Und bei Bedarf auch einmal wieder nachlesen.

 

Tipp 6: Nicht zuviel Hüfteinsatz!

Das ist Standardtanz. Das hin- und Herschwingen der Hüfte bringt den Tänzer aus dem Takt, Gleichgewicht oder seiner Achse. Hier ist weniger mehr.

 

Tipp 7: Nutzt Practicas!

Jede angebotene Practica ist eine Übungsmöglichkeit. Ihr könnt mit eurem Tanzpartner noch einmal alles üben oder auch einmal mit jemandem anderen Tanzen. Auch das kann helfen. Vor allem, wenn es der andere bereits kann. Nur keine falsche Scham. Wir sind alle irgendwie Anfänger.

 

Heikvaldo: Was? Nur Tango?

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"Ich tanze nur Tango". Nein, ich habe auch Standard- und Lateinerfahrung. Aber das mit dem "nur" kann ich so nicht gelten lassen.

 

Wir haben irgendwann mit dem TA begonnen. Da war es für uns ein (!) Tanz. Dann kam der (die?) Milonga. Und schließlich der Vals. Und schon haben wir drei Tänze. Dann kamen die verschiedenen Stilrichtungen. Langsame Stücke, schnelle. melancholische oder fröhliche. Dann kamen die verschiedenen Tanzpartnerinnen dazu. Die Temperamentvolle, die Genießerin, die "Geherin". Und jetzt kann ich gar nicht mehr sagen, wie viele verschiedene Tänze ich tanze. Aber alles ist "nur" Tango.

 

Nur ein Außenstehender wird es so sehen. Die TänzerInnen selbst haben da sicher eine ganz andere Meinung. Jeder Tanz ist ein anderer Tanz. Das gleiche Stück mit verschiedenen Tanzpartnern ist jedes Mal ein anderer Tanz. Das gleiche Stück mit der gleichen Tanzpartnerin an verschiedenen Tagen ist jedes Mal anders. Da würde ich eher antworten wollen: "Ihr tanzt nur Standard-/Latein"?

 

Aus meiner früheren Tanzzeit ist mir noch so in Erinnerung, dass eine Rumba eine Rumba war. Egal wann, egal mit wem. Lediglich die Anzahl der Figuren war unterschiedlich. Je nach Können des Gegenüber. Also hatte ich so etwa elf Tänze im Repertoire (oder waren es dreizehn?). Egal. Es war jedenfalls übersichtlich. Und jetzt? Alleine an einem Abend schaffe ich locker 25 verschiedene Tänze. Und wenn ich zwischendurch verschnaufen kann (ja, die wilden Milongas sind mein Ding), dann schaff ich vermutlich sogar noch mehr.

 

Sind wir also "nur" Tangotänzer? Nein. Wir "erfinden" unsere Tänze jedes Mal neu. Es gibt keine Routine. Zumindest noch nicht. Vielleicht ändert sich das irgendwann einmal. Vielleicht hat man dann so ziemlich alles durch und es wird langweilig?! Aber bis dahin möchte ich nichts mehr von "nur" hören.

 

Und aus lauter Übermut habe ich es wieder einmal ausprobiert: Standardtanz. Nach fast 30 Jahren Abstinenz. Aber gleich richtig - im Tanzsportverein. Was soll ich sagen? Vieles ist gleich (ohne Führung passiert nicht allzu viel), vieles total anders (die Tanzhaltung, die Schritte meist zwischen die Beine der Tanzpartnerin). Aber! Mir fehlte relativ bald die Möglichkeit der Improvisation. Der Ablauf ist relativ festgelegt (oder fehlte mir jetzt einfach nur die Übung?).

 

Wie gerne wollte ich beim ChaCha nach zwei Durchgängen eine "neue" Figur "erfinden". Geht aber nicht. Ich muss mich an das "Programm" halten. Da habe ich "ihn" schon gleich vermisst. Meinen Tango. Mit der Möglichkeit jederzeit die Welt neu zu erfinden. Nur eines als Warnung an die Führenden: das Umschalten zwischen Standard-/Latein und TA fällt - zumindest mir - unheimlich schwer. Da tanzt du dann plötzlich beim "normalen" Tango "freie Figuren" aus dem argentinischen oder beim TA machst du plötzlich den Wiegeschritt.

 

Ich habe mich auch mit einem der Männer dort unterhalten. Er tanzt schon in irgendeiner Klasse, er unterrichtet sogar. Auch ihm fällt das Umsteigen zwischen beiden Richtungen schwer. Deshalb lässt er es gleich und bleibt bei Standard-/Latein. Und ich ... ich packe meine sieben Sachen und mache mich wieder auf den Weg zur nächsten Milonga. Dort bin ich wohl momentan besser aufgehoben.