Heikvaldo: Inadaptabilidad - oder warum sind Vögel intelligenter als wir?

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Milonga. Die Tanzfläche ist für deutsche Verhältnisse ziemlich voll (in Buenos Aires würde man vermutlich von einer schlecht besuchten Veranstaltung sprechen). Da sind sie wieder: die Kampftänzer! Die Tango-Kamikazes! "Wo ich bin, geht die Post ab!" "Aus dem Weg - jetzt komme ich!"

 

Ein kleiner Tritt nach da - Treffer! Jetzt noch schnell das Bein der Frau beim Rotieren nach oben bringen - wundervoll! Genau auf das Knie von Nachbarn! Herrlich! Das ist genau die Action die wir alle brauchen und lieben!

 

Wie - so frage ich mich - haben wir es an die Spitze der Evolution geschafft? Das kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. "Inadaptabilidad (span.)" - mangelnde Anpassungsfähigkeit. Vielleicht sollte man es auch mit Intoleranz übersetzen. Warum nur, fällt es manchem Tänzer oder auch Tänzerin so schwer, sich unter bestimmten Voraussetzungen etwas zurück zu halten?

 

Mich selbst würde ich als "Verstandtänzer" bezeichnen. Wenn es eben zu voll ist, dann fahre ich meinen Platzbedarf eben herunter. Ich stelle das Wohl der Tangogemeinschaft auf dem Parkett über mein persönliches. Ich schränke mich etwas ein und alle anderen haben etwas davon. Es gibt sicher genug andere Möglichkeiten, mein "Gefieder aufzuplustern" und zu zeigen was ich "drauf habe".

 

Im Tierreich wird dieses Verhalten als "Schwarm-Intelligenz" bezeichnet. Jedes einzelne Tier passt sich an die Gruppe an. Zum Wohl des gesamten Rudels bzw. der gesamten Gruppe. Diese Tiere sind in der Lage, neue Verhaltensmuster zu lernen und sich dadurch besser an die Umweltanforderungen anzupassen. Davon profitieren dann alle Gruppenmitglieder.

 

Es scheint so, als wäre dieser Bereich des menschlichen Gehirns irgendeiner Rationalisierungsmaßnahme zum Opfer gefallen. Zum Glück nur bei wenigen. Aber die schaffen es trotzdem, das "Rudel" in Gefahr zu bringen. Da wird getreten, es fliegen spitze Absätze in gefährlichen Höhen. Da interessiert sich niemand mehr für Tanzrichtung, "Spuren", "Zugbildung" mit dem Vordermann. "Ich will Spaß!" "Ich kann!"

 

Klar, das neue Schrittmuster wurde ja auch mühsam erlernt, ev. sogar teuer bezahlt. Das muss jetzt auch gezeigt werden. "Seht her meine Damen!" Naja, wenn man(n) sonst keine Möglichkeit der Entfaltung hat. Im Tierreich gibt es allerdings - genauso wie bei der menschlichen Rasse ;-) - die weibliche Intelligenz. Ja, schon der stärkste, beste, ... Aber manchmal eben auch der, der sich als "Rudelführer" am besten eignet. Und das müssen nicht unbedingt die gleichen Männchen sein.

 

So "pilgern" die Weibchen dann umher auf der Suche, nach einem "sicheren Hafen". Wer kann mich "beschützen" vor all diesen Gefahren? Wem kann ich vertrauen? Übrig bleiben dann aber leider die Weibchen, die genau so einen "Tango-Pfau" suchen. Was hier zählt, ist das prächtigste Gefieder. Der Rest ist Nebensache.

 

Bleibt mir (und den anderen Tanzpaaren) nur zu hoffen, dass diese aufgeplusterten Erpel nicht die "besten Weibchen" bekommen, sondern die natürliche Auslese dafür sorgt, dass auf Dauer nur die rücksichtsvollen Männchen bestand haben werden.

 

Heikvaldo: 1. Resümee

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Nach gut 4 Monaten, die ich nun diesen Blog schreibe, möchte ich ein erstes Resümee ziehen.

 

Es sind inzwischen bereits über 50 Blogeinträge geworden. Bin also ziemlich fleißig am schreiben. Das Thema Tango Argentino beschäftigt mich also nach wie vor.

 

Aufgrund der Seitenstatistiken kann ich sehen, dass aktuell pro Tag etwa 50 bis 100 Seitenaufrufe stattfinden. Etwas erstaunt mich aber, dass die Anzahl der Kommentare bzw. Feedback zum Blog doch sehr "überschaubar" ist. Hier würde ich mir ein bisschen mehr Input von meinen Lesern wünschen. Schließlich ist es so etwas wie der Applaus für einen Schauspieler, das Feedback seiner Leser.

 

Schickt mir also ruhig eure Kommentare, Wünsche, Anregungen, Kritik. Falls ihr es noch nicht gesehen habt, am Ende der Startseite steht meine emailadresse (heikvaldo @ web . de) - die Leerzeichen dazwischen natürlich weglassen. So könnt ihr auch unabhängig von einem speziellen Blogeintrag antworten bzw. mir schreiben, wenn eure Nachricht nicht veröffentlicht werden soll (Anmerkungen: ich veröffentliche generell keine persönlichen Daten und gebe auch keine Identitäten preis).

 

Als Themen wende ich mich nach wie vor Dingen zu, die mich persönlich beim TA beschäftigen bzw. die andere TA-Tänzer beschäftigen (worüber wird gesprochen, welche Vermutungen bestehen, worüber wird sich aufgeregt, ...). Falls ich euer Lieblingsthema oder Lieblingsfrage noch nicht "erwischt" habe, dann schreibt mir.

 

Auf dem Parkett habe ich meine ersten (oder eher zweiten und dritten) Schritte mittlerweile auch hinter mich gebracht. Hier waren die letzten 5-6 Wochen am effektivsten. Die Zeit also, in der ich verstärkt auf Milongas gegangen bin. Die vielen Tandas mit vielen verschiedenen Frauen sind lehrtechnisch immer noch sehr produktiv. So erkenne ich meine Fehler und Schwächen immer am deutlichsten, wenn ich das erste Mal mit einer neuen Frau tanze und es nicht gleich so gut klappt.

 

Mein Selbstvertrauen ist dadurch auch gewachsen. So bin ich nicht mehr so unschlüssig bzgl. der "Tanzwünsche" der Frauen und meines eigenen Könnens bzw. Repertoires. Zu kämpfen habe ich natürlich nach wie vor mit meinem eigenen "Unvermögen". Ich bin noch weit entfernt davon, so tanzen zu können, wie ich es möchte. Aber gut, nach 4 Monaten sollte man(n) ja auch keine Wunder erwarten.

 

Es freut mich immer wieder, wenn ich (positives) Feedback von meinen Tanzpartnerinnen bekomme (natürlich nehme ich auch Kritik gerne an. Kritik sollte man immer als etwas positives sehen. Dadurch erhält man Gelegenheit, Fehler und Schwächen abzubauen). Auch die vielen Rückmeldungen der einzelnen Tanzlehrer und Lehrerinnen sind hilfreich. Sicher habe ich noch nicht alles umgesetzt (bzw. umsetzen können), aber ich entwickle mich weiter. Und nur darauf kommt es an.

 

Zu kämpfen habe ich nach wie vor mit dem "Kreuz"-führen. Auch das "flüssige" Tanzen von einem Element ins nächste gelingt noch nicht so gut wie gewünscht. Meine Haltung ist auch manchmal noch nicht perfekt ("Standard-Hüfte" zu weit vorne und auch der rechte Arm neigt manchmal noch dazu, zu "hoch" zu sein). Aber ich arbeite daran.

 

Und ich kann mittlerweile mehr mit den verschiedenen Musikrichtungen bzw. -stilen anfangen. Milonga, Vals (macht mittlerweile meist mehr Spaß als Tango). Sogar mit Nuevo geht ein bisschen was. Also auch hier geht es vorwärts.

 

Die Anzahl der bekannten Gesichter und Kontakte ist deutlich gestiegen. Dadurch ist man(n) auf so gut wie keiner Veranstaltung mehr alleine. Die verschiedenen Tanzorte in der Gegend werden langsam geläufig. Man wird Teil der "Tangofamilie". Auch das gibt Rückhalt.

 

Und was sind meine Ziele für die nächsten Monate? Die Anzahl meiner Tanzelemente für Milongas erweitern. Schritte, die ich bereits kenne und führen kann möchte ich soweit vertiefen und einprägen, dass sie sicher im Gehirn verankert sind und jederzeit wie von alleine den Weg vom Hirn aufs Parkett finden.

 

Und ich möchte mich bedanken. Bei den besonderen Tänzerinnen, die mir viele wundervolle Tangos geschenkt haben. Mit denen es besonders viel Spaß gemacht hat, über die Bretter zu "fegen", mit der Musik zu spielen oder auch mit denen es besonders schön war, nah und vertraut völlig losgelöst von Zeit und Raum abzutauchen in die Musik und gemeinsam unser "10-Minuten Verhältnis" zu genießen".

 

Heikvaldo: Der Tango Mann

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Na, seid ihr ihm schon begegnet? Dem "Tango Mann". Dieses Lebewesen, das nachtaktiv durch das Revier streift auf der Suche nach Beute? Wie sieht er aus? Woran kann ich ihn erkennen? Antworten liefern zwei Artikel aus dem Online Magazin tangokultur.

 

Der Tango Mann - Teil 1

Quelle: tangokultur.info. Text und Karikatur: Gunter Scholtz

 

 

 

Der Tango Mann - Teil 2

Quelle: tangokultur.info. Text und Karikatur: Gunter Scholtz

 

 

 

 

 

Heikvaldo: Verzeihung - mein Fehler!

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Kennen wir alle und haben es sicher auch schon oft gemacht: wir tanzen etwas "falsch" und entschuldigen uns dafür bei unserem Tanzpartner. Aber macht das Sinn?

 

Als Führender bemerke ich für gewöhnlich, wenn sich meine Folgende irgendwie vertanzt. Sie hat auf einen Führungsimpuls nicht reagiert oder etwas anderes "verstanden" und getanzt. Ich hatte schön das Gewicht auf ein Bein verlagert, aber trotzdem wechselt sie noch kurz auf das andere Bein und "verläuft" sich. Oder sie bemerkt das "Kreuz" schlichtweg zu spät (es war nicht zu spät geführt, aber sie war abgelenkt, müde, ...).

 

Gut. Brauche ich dafür eine Entschuldigung? Nein! Hilft mir die Entschuldigung weiter? Wird dadurch meine "unvollkommene" Führung besser? Fühle ich mich dadurch besser? Hilft es ihr irgendwie? Nein, nein, nein und nein! Wozu also entschuldigen?

 

Wenn ich mich als Führender irgendwie vertue, dann entschuldige ich mich für gewöhnlich auch nicht (manchmal passiert es trotzdem). Sie merkt es ja wohl auch von selber, dass etwas schief ging. Ich habe sie auf das falsche Bein gestellt oder die Figur nicht gut geführt (sie aber trotzdem getanzt) oder ... Also wozu entschuldigen? Sie hat es ja bereits bemerkt.

 

Aufgrund der Vielzahl von "Fehlern" die wir (noch nicht perfekten) TänzerInnen an einem Abend so produzieren, kämen wir ja gar nicht mehr zum Tanzen oder würden zumindest durch das permanente Entschuldigen des Öfteren in unserer Konzentration auf den TA gestört. Und das ist doch nur zusätzlich hinderlich.

 

Also: KEINE ENTSCHULDIGUNGEN! Auch nicht für auf die Zehen treten oder sonst was. Es kommt der Tanz, da bekommen wir den Tritt von unserem Tanzpartner schon wieder zurück. Also: vergesst es! Ausnahme: wir hatten Kontakt mit einem anderen Tanzpaar oder haben es sichtlich behindert. Das soll - darf - nicht passieren, also entschuldigen wir uns dafür - bzw. ich als Führender, denn ich "stand am Ruder" und habe deshalb die Verantwortung dafür was passiert ist.

 

Und nur für den Fall, dass eine "Diskussion" darüber entstehen sollte, wer denn jetzt "Schuld" hat ... dann habt ihr den falschen Tanzpartner! Ist doch ein absolutes NoGo! Ist vor allem peinlich für alle herum stehenden. Also: lasst es bleiben!

 

Und falls der andere es gar nicht bemerkt hatte ... ja dann, ist es ja wohl erst recht egal!

 

Heikvaldo: Der Tango-BH

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Jetzt schreibe ich als Mann über so ein Thema. Aber gut, es scheint ja ein Thema zu sein, dass nach Klärung schreit: welchen BH für den TA? Die Frage, ob überhaupt einen ... die muss wohl jede für sich selbst klären. Was wäre mir jetzt dann doch etwas "zu weit" (vielleicht ein ander' Mal ;-)

 

Frauen machen sich da offensichtlich mehr Gedanken zum Thema als wir Männer (oder ich habe eben bisher die "falschen" Leute dazu getroffen). Spürt der Mann, was ich "drunter" trage? Macht es einen Unterschied, welcher Art das "verhüllende" Kleidungsstück ist? Gibt es besser geeignete Modelle oder werden manche als "störend" empfunden?

 

Spürt es der Mann? Ja! Natürlich. Sofern die Frau nicht mit einem Pelzmantel oder drei Wolljacken übereinander tanzt, spürt der Mann relativ schnell mit seiner rechten Hand ob oder ob nicht und grob welche Art (vielleicht sollte ich mit dem Wissen doch einmal bei "Wetten dass" auftreten :-). Das (am Rücken) ist allerdings die weniger interessante Seite. Nanana. So war das nicht gemeint. Die Hände eines Menschen sind im Vergleich zum Oberkörper unempfindlicher. Sollte also irgendetwas zu hart, zu groß, zu kratzig oder was auch immer sein, wird es die Hand wohl eher tolerieren, als wenn etwas am Oberkörper drückt oder kratzt oder ...

 

Vermutlich tragen Frauen keine BHs, die sie selber als "störend" empfinden. Kneifende Bänder, zwickende Verschlüsse, etc. Das wird wohl sowieso gleich aussortiert. Und sicher tragen sie auch keine Wäsche, in denen sie sich nicht wohlfühlen. Aber was ist mit dem Rest? Welcher ist von Vorteil, welcher eher von Nachteil (nein, wir wollen hier nicht die Frage klären, welcher welche Rundung besser zur Geltung bringt)?

 

Klären wir den einfacheren Teil doch einmal zuerst. Was ich als Mann nicht (oder kaum) oder zumindest nicht als störend empfinde, ist gut. Dies trifft vermutlich auf die große Mehrheit der Modelle zu. Aus Frauensicht dürften das z.B. Sport-BHs bzw. nahtlose Modelle und dergleichen sein. Alles bleibt "natürlich", nichts zu sehr oder zu dick "gepolstert" oder zu hart. Eben so unscheinbar, dass es gar nicht weiter auffällt.

 

Was ich - und einige meiner Geschlechtsgenossen - jedoch als "störend" oder zumindest unangenehm empfinde, sind Bügel-, PushUp- und Schalen-BHs. Bei PushUp- und Schalen-BH spreche ich persönlich auch gerne von "Panzerplatten-BHs". Andere verwenden hier den Begriff "Kokosnuss-Schalen-BH" (klingt doch schon schrecklich). Wer wie ich im Hemd tanzt, der spürt bei entsprechender Umarmung eine gewissen Druck auf der eigenen Brust. Das muss jetzt nicht unbedingt als störend empfunden werden, es ist aber meist zumindest unangenehm, wenn sich so eine "Platte" gegen dich drückt.

 

Eher schon unangenehm, ist ein dadurch verursachtes, ständiges Reiben an der männlichen Brustwarze (wer hat diesen Mythos in die Welt gesetzt, dass Männer so etwas mögen?). Und bei Bügel-BHs können die Bügel ebenfalls ganz schön unangenehm drücken. Das Problem kennt wohl jede Frau: wehe, wenn sich so ein Bügel "selbständig" macht (also aus der Umnähung löst). Dann kann es ganz schön schmerzhaft werden oder im schlimmsten Fall wird gleich alles in der Umgebung durchbohrt.

 

Darf ich als Mann jetzt den Frauen einen Rat geben? Anprobieren und "Probefühlen". Wenn es sich gut (natürlich) anfühlt, dann passt es.

 

Nur, falls hier die Frage auftaucht, ob ich überhaupt qualifiziert genug bin, so eine Frage zu beantworten: Vor langer Zeit hatte ich einmal das Vergnügen (ich war jung - ich brauchte das Geld!), in einem großen Kaufhaus bei der Inventur zu helfen. Mir kam es damals wie ein grausamer Scherz vor, aber ich landete in der Damenunterwäsche-Abteilung. Seit dieser Zeit bin ich Experte für Größen, Cups, Modelle, Material :-) Falls sich jemand ins Thema einarbeiten will: Modelle/Ausführungen

 

Heikvaldo: Darf ich wieder kommen?

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Eine Frage beschäftigt mich. Ich habe mit einer neuen Frau eine Tanda getanzt. Der letzte Tango ist verklungen, die Cortina kündet die "Pause" an. Wir werden also gleich die Tanzfläche verlassen. Soll ich jetzt fragen, ob ich irgendwann einmal wieder auffordern darf?

 

Nehmen wir einmal an, die Frau war weniger begeistert. Sie möchte also vermutlich in Zukunft nicht mehr mit mir tanzen. Wenn wir das jetzt gleich klären, erspare ich uns beiden die Peinlichkeit, wenn ich noch einmal auffordere. Sie muss sich dann nicht überlegen, wie sie "aus der Sache rauskommt" (unter der Annahme, dass ich nicht per Cabezeo auffordere) und ich erspare mir einen Korb.

 

Es wäre zwar eventuell etwas peinlich so direkt zu sein, aber es bleibt ja unter uns (niemand sonst bekommt davon etwas mit). Der Vorteil wäre, es gibt keine Missverständnisse. Die Sache ist geklärt und ich werde sie eben nicht mehr auffordern.

 

Oder: die Frau möchte (gerne) noch einmal mit mir tanzen. Wenn ich sie jetzt frage, gebe ich ihr die Gelegenheit mir das auch (mehr oder weniger) direkt zu sagen. Ist gut für sie und gut für mich. Also win-win. Ist auch eine klare Sache. Keine Zweifel, keine Missverständnisse. Damit steigert sie ja u.U. auch die Wahrscheinlichkeit, dass ich sie einmal wieder auffordere (je nachdem, wie das ganze für mich aussieht).

 

Oder soll ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen? Spüre ich beim Tanzen, ob es ihr gefällt oder nicht? Ich denke, da ist die Wahrscheinlichkeit für "Fehlinterpretationen" - also für Missverständnisse - groß. Vielleicht tanzt sie gut mit mir zusammen. Aber sie hat keine Lust, das noch einmal zu wiederholen. Es läuft zwar ganz harmonisch, sollte aber aus ihrer Sicht eine einmalige Sache bleiben.

 

Manchmal habe ich das Glück, dass mir die Tanzpartnerin zu verstehen gibt, es hat ihr gefallen. Nach der Tanda bekomme ich mehr oder weniger direktes, positives, verbales Feedback. Was dann ja soviel heißt wie: ich würde es gerne einmal wiederholen. Allerdings könnte sie es ja auch aus reiner Höflichkeit gesagt haben?! Im Allgemeinen darf ich aber wohl davon ausgehen, dass es ehrlich gemeint ist. Da hilft dann wohl das "Bauchgefühl" bei Zweifeln.

 

Also: was tun? Noch habe ich keine Antwort darauf gefunden.

 

Heikvaldo: Was Frauen wollen

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So meine Herren, danach haben wir gesucht! Was wollen die Frauen beim TA? Hier sind die Antworten. Es handelt sich um eine (freie) Übersetzung und Zusammenfassung eines Beitrages von Mari Johnson. Das sehr umfangreiche englische Originalist zu finden unter mytangodiaries.

 

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"Achtet auf die Musik und die Frau die ihr im Arm haltet. Das wird euch mit eurem Tanzpartner weiterbringen als all die komplexen Schritte!"

 

 

Was erwarten die Frauen beim TA vom Mann?

 

  1. Der Führende stellt sich auf das Tanzniveau der Folgenden ein. Notfalls passt er sein Können an das ihre an (geht natürlich nur, falls er besser tanzt als sie). Keinesfalls darf er sie überfordern. Er besitzt die Fähigkeit, auf ihren Körper und die Musik zu hören und nimmt ihre Anwesenheit auch bewusst war. Er geht also auf seine Tanzpartnerin beim Tanz ein. Er ist (mit seinen Gedanken) im Hier und Jetzt. Vergesst alles andere. Nur sie, ihr und die Musik!
  2. Keine Eile. Er wartet jeweils, bis sie ihre Bewegung(en) vollendet hat. Erst dann beginnt er mit dem nächsten Schritt. Die Ruhe, die er beim Tanz ausstrahlt, überträgt sich auch auf die Frau. Frauen wollen auch einmal eine "getanzte" Pause, ein Innehalten (wenn die Musik es erlaubt).
  3. "Keep it simple". Tanzt "weniger" komplex. Wenn die Frau ständig mit neuen "Anforderungen" (neuen Tanzelementen, Schrittfolgen) überhäuft wird, kann sie sich nicht auf die Musik und den Tanzpartner einlassen. Es zählt nicht die Anzahl an "Figuren" oder "Schrittfolgen" (Tanzelementen), sondern die Qualität mit der diese getanzt werden. Lieber weniger, dafür aber gut und sauber (im Takt der Musik) getanzt.
  4. Tanzt (fühlt) mit dem ganzen Körper. Oft wird davon gesprochen, nur mit dem Oberkörper zu führen. Allerdings berichten viele, dass gute Führende "mit dem ganzen Körper geführt" haben. Soll heißen, dass beim TA der gesamte Körper einbezogen wird. Ich persönlich spreche immer davon, dass die Musik in die Ohren geht und den Körper über die Füße wieder verlässt.
  5. Hört auf die Musik und tanzt was ihr fühlt, was die Musik euch "sagt". Wenn der Führende es nicht hört, spürt das auch die Folgende. Wer das (noch) nicht kann, sollte das üben. Hört euch Stücke an und versucht sie "zu verstehen". Bewegt euch nach der Musik.
  6. Tanzt (führt) nur Elemente, die ihr auch führen könnt. Frauen wollen auf Milongas nicht "herumgeschubst", als "Probierball" missbraucht werden. Auf Practicas und Übungsabenden ist das etwas anderes. Da kann experimentiert werden.Aber auf einer Milonga solltet ihr euch auf das konzentrieren, was ihr auch wirklich GUT beherrscht.
  7. Seid sanft und behandelt sie gut. Die Frauen wollen sanft und elegant "bewegt" werden. Kein wildes hin- und herschieben. Kein zerren und reißen am Arm oder sonst wo. Bringt ihr einen gewissen Respekt entgegen.
  8. Tanzt für sie, nicht für euch. Versucht die Frau "gut aussehen zu lassen".
  9. Achtet auf euer Benehmen, auf die Einhaltung der (Milonga-)regeln. Behandelt die anderen Tanzpaare mit Respekt. Das gefällt auch den Frauen.
  10. "Beschützt" eure Tanzpartnerin. Achtet darauf, dass sie sich nicht verletzt, nirgends anstößt, nicht stolpert, etc.

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Und noch ein Rat von mir: beachtet all diese Punkte gleich beim ersten Mal, beim ersten Tanz mit der Frau! Dann habt ihr ev. auch die Chance, dass es noch ein zweites Mal mit ihr geben wird ;-) Frauen mögen ja manches vergessen und verzeihen, aber eben nicht alles.

 

Heikvaldo: Schau mir (nicht) in die Augen Kleines ...

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Es ist Tanzstunde. Wir probieren neue Schritte. Groß, braun, interessiert. So blicken sie mich an. Wie zwei Rehaugen. Die Augen meiner Tanzpartnerin. Passiert mir jetzt zum wiederholten Male. Zugegeben, es sind jeweils noch recht unerfahrene Tangueras, die das machen. Ihr Blick folgt jeder Bewegung meines Kopfes.

 

 

Zuerst versuche ich es zu ignorieren. Doch man(n) spürt es. Das Gehirn fängt an zu rattern. Was ist los? Mache ich etwas falsch? Hat sie mir etwas gesagt, dass ich nicht verstanden habe und wartet jetzt auf meine Antwort? Oder ist sie einfach nur an mir interessiert? Oder ...

 

Also, weiter auf das Tanzen konzentrieren. Nicht ablenken lassen. Irgendwann wird sie schon wieder wegsehen. Doch ihr Blick haftet weiterhin auf mir. Ich bin abgelenkt. Nach ein paar Sekunden blicke auch ich ihr direkt in die Augen. Ich kann es einfach nicht länger ignorieren. Was ist los? Die Folge: meine Führung leidet darunter.

 

Liebe Frauen, ich finde es persönlich wunderbar, wenn ihr mir so tief in meine Augen blickt. Ich fühle mich geschmeichelt. Bei jeder Gelegenheit dürft ihr das ... nur nicht beim TA! Da hat es meist negative Folgen. Vor allem, wenn eure Augen von dieser unergründlichen Tiefe sind. Wenn sie mich so fragend anstrahlen. Ich liebe es, in euren Augen zu lesen. Ich genieße dieses Interesse, diese Aufmerksamkeit. Aber ...

 

Also versuche ich es den Frauen zu erklären. Diese Ablenkung. Der Vorschlag, doch lieber an mir vorbei zu sehen, den Kopf leicht zur Seite zu drehen. Da sie ja noch recht unerfahren im Tanz sind, will ich den Vorschlag, einfach die Augen zu schließen und auf meinen Körper zu hören, nicht machen. Das werden sie erst noch lernen müssen. Dafür ist es jetzt wohl noch zu früh.

 

Heikvaldo: Eher traditionell oder eher modern?

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Diese Diskussion führe ich gelegentlich. Sollen, wollen oder müssen wir den TA traditionell, mit all seinen Regeln, begehen und befolgen? Oder dürfen wir ihn verfeinern? Abwandeln? Anpassen? Dürfen wir neue Tanzschritte "erfinden" oder bestehende verändern? Sollten wir neue Regeln einführen?

 

Ich persönlich bin hier hin und her gerissen. Tradition auf der einen Seite und Weiterentwicklung auf der anderen. Der traditionelle TA soll weiterleben! Tradition ist meist etwas Gutes. Codigos sollen erhalten bleiben. Auffordern mit Cabeceo? Ist für viele Voraussetzung für einen Tanz. Die Unterteilung einer Milonga in Tandas. Dazwischen Cortinas. Jawohl! Das wollen wir - also ich zumindest.

 

Aber was ist mit dem "Anderen", dem "Neuen"? Damen fordern auf. Einige tanzen aus freien Stücken mit einer anderen (nicht aus dem Zwang, keinen Mann zu finden). Sollen oder wollen wir diese und andere  Veränderungen? Schließlich haben wir doch auch die ursprüngliche "Kleiderordnung" angepasst. Farben. Fast alles ist möglich - oder wird zumindest getragen. Jegliche Form oder Stil. Tolerieren wir nur oder akzeptieren wir?

 

Gleichgeschlechtliche Tanzpaare? Non-, Neo- , Nuevo- oder sonst gearteter Tango? Neue Stilrichtungen haben neue Anhänger. Nicht jeder will dem "Ursprünglichen" verhaftet bleiben. Gibt es ein "richtig" oder "falsch"?

 

Da sitzen also manche Frauen auf der Milonga. Aber anstatt selbst aufzufordern, bleiben sie sitzen. Die Tradition des TA verlangt dies von ihnen. Was sollen den die anderen von ihnen denken? Sie wollen nicht gegen "die Regeln" verstoßen. Sie verzichten also "freiwillig" auf ihren Anteil am Ganzen. Sie kasteien sich selbst. Wegen der Tradition?!

 

Eine Aufforderung ohne Cabeceo? Unmöglich! Hat der Kerl kein Benehmen? Ein Tabubruch! Warum kann ich nicht nett im Vorbeigehen fragen (ja, wir brauchen jetzt nicht über "...dann gibt es keine peinlichen Momente. Niemand wird brüskiert und keiner hat etwas davon mitbekommen ..." zu sprechen)? Will ich diese Einschränkungen? Ist dies die einzig "erlaubte" Form? Brauche ich diese Einschränkung? Hilft mir diese Tradition? Oder nimmt sie mir einen Teil der Freude am TA? Tradition?! Liegt das wirklich im Sinne des Erfinders? Ist oder war das so gewollt?

 

Also, worauf können wir uns einigen? Was ist unser gemeinsamer Nenner? Wir wollen unseren Spaß an der Sache. Wir wollen es genießen. Wir wollen nicht verletzt werden. Am Ende der Veranstaltung soll es uns positiv im Gedanken haften bleiben. Wir wollen den Teil der Tradition, der uns hilft. Und wir wollen ein kleines Stück an "Freiheit". Damit es für jeden von uns am Ende ein Genuss wird!

 

 

 

Heikvaldo: Tango und Gefühle

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Kann bzw. soll man dazu überhaupt etwas schreiben? Gibt es beim TA Gefühle? Für die Musik? Für den Tanz? Für die Bewegungen? Für den Tanzpartner? Oder verlieben wir uns gar in eine ganze Milonga(veranstaltung) mit seinen Tänzern, dem Raum, der Atmosphäre?

 

Gefühle für die Musik? Für den Tanz und seine Bewegungen? Ganz klar! Wenn ich die nicht habe, ist es in etwa so, als wenn 2 i-robots miteinander unterwegs sind. Man erkennt Bewegungen, etc., aber als Tanz würde ich das nicht bezeichnen wollen. Es werden bestimmte Bewegungsmuster "abgearbeitet". Keine Interpretation der Musik. Keine Leidenschaft in den Bewegungen - eben kein Gefühl!

 

Jeder - zumindest fast jeder - von uns (er)kennt doch solche Tanzpaare. Da wird irgendwas auf der Tanzfläche gemacht. Teils verbissen "gekämpft". Fern von jeglichen Takt. Weitab von irgendeiner Art von Genuss. Mehr oder weniger gelenkig - oder eben stocksteif. Viele von uns haben so angefangen. Die wenigsten sind wohl als Tanzbaby auf die Welt bekommen. Die meisten von uns haben sich aus dieser Phase emporgearbeitet. Die restlichen ... nun ja, die habe ich schon lange nicht mehr tanzen gesehen.

 

Gefühle für die Milonga selbst? Sicher, wir fühlen uns wohl, wenn uns die Umgebung, die anderen Tänzer zusagen. Aber sind das die Gefühle von denen ich hier spreche? Eher nicht.

 

Also bleiben die Gefühle für den Tanzpartner ("10-Minuten Verhältnis"). Gibt es die? Brauche ich die? Stören sie am Ende gar? Welche Arten von Gefühlen kann es geben? Wie gehe ich damit um?

 

Negative Gefühle. Sind für mich ein TA-Killer. Wenn ich mit meinem Tanzpartner nicht harmoniere, es nicht eine gewisse, notwendige Sympathie füreinander gibt, dann gibt es für mich auch keinen (schönen) TA. Dann kann ich bestenfalls tanzen. Aber den TA, die Musik nicht "leben" und/oder improvisieren. Ich brauche mindestens "neutrale" Gefühle.

 

Ein neuer Tanzpartner. Wir kennen uns noch nicht, es ist der erste Tanz. Also, mal sehen was kommt. Wie es wird. Ich bin also relativ "gefühlsneutral" (sonst würde ich wohl diesen Tanz auch gleich ablehnen oder hätte erst gar nicht dazu aufgefordert). So beginnen, zumindest für mich, die meisten Tänze mit "unbekannten". Frühestens nach ein paar Schritten oder Minuten kann ich den Tanzpartner dann einordnen. Was geht? Wie läuft es? Ist eine Harmonie vorhanden? Macht es Spaß? Will ich weiter tanzen?

 

Positive Gefühle. Jetzt sind wir wohl an "Pudels Kern". Was schrieb Sabine Maria Egger: "Ein guter Tanguero braucht Liebe. Das bedeutet nicht, dass er sich in jede Frau verlieben muss, mit der er tanzt." (gleiches gilt vermutlich auch für  - gute - Tangueras). Sie schreibt nicht, dass man(n) sich nicht verlieben darf. Es ist kein Muss. Aber es hilft. Gut, "verlieben" ist wohl das falsche Wort hierfür. Aber ihr versteht, was ich meine. Die Kunst hierbei ist m.E., dass man unterscheiden kann.

 

Einerseits: Jetzt und hier, miteinander. Ich möchte nicht von Liebe oder etwas vergleichbarem sprechen (das wäre in meinen Augen zu viel), aber irgend so ein positives Gefühl für den Tanzpartner. Das macht für mich - wenigstens zum Teil und zusammen mit dem Gefühl für die Musik - den Unterschied zwischen "Bewegungsmustern abspulen" und "leidenschaftlich (TA) tanzen". Ohne dieses positive Gefühl für den "anderen Teil" (When two bodies become one ... bzw. Das wahre Geschenk des Tango Argentino) geht es wohl nicht oder nicht richtig.

 

Anderseits: die genaue Trennung all dieser Gefühle. Sobald wir die Tanzfläche verlassen war es das! Das ist notwendig. Und hier liegt die Krux. Das darf man nicht verwechseln. Egal wie schön und wundervoll die Nähe zum anderen während des Tanzes war. Wie sehr die Umarmung, die Nähe genossen wurde. Egal wie leidenschaftlich getanzt wurde. Egal wie viel Spaß es zusammen gemacht hat. Es hat nichts - oder nur in den wenigsten Fällen ;-) - mit Liebe (oder vergleichbaren Gefühlen) zu tun. Mit Verlassen der "Pista" ist es VORBEI!

 

... und falls nicht, dann hat es nichts mehr mit TA zu tun. Dann war der Tango hierbei nur hilfreich ;-)

 

 

Heikvaldo: Tango-Knigge

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Tango-Knigge?!?!? Wozu? Warum? Weil: "Hay reglas que no se pueden romper... " ("Es gibt Regeln, die man nicht brechen darf…").

 

Eine schöne dreiteilige Zusammenfassung habe ich bei Dr. Veronika Fischer gefunden. Sie beschreibt die Vorbereitung zu einer Milonga und das Verhalten auf einer Milonga. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

 

 

Heikvaldo: Das 10-Minuten "Verhältnis"

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Ein interessanter Gedanke! Eine Tanda als "10-Minuten Verhältnis" zu sehen. Nun, was erwarte ich dann von so einer "Kurzzeitbeziehung"? Was sind meine Ansprüche? Welche Vorteile hätte es? Welche Nachteile?

 

Also wollen wir diesen Aspekt einmal genauer beleuchten. Wir lassen uns mit dem Tanz auf eine "Art" von Beziehung ein. Wie bei jeder anderen Beziehung ist sicher eine gewisse Sympathie für den anderen notwendig. Zudem gibt es eine körperliche Nähe (zwar nicht immer, aber bei entsprechender Umarmung gewiss).

 

Was ich als Mann in einer solchen Beziehung ausdrücken kann ist vielfältig. Respekt für die Frau, ein gewisser Schutz und Fürsorge während des Tanzes. Unter Umständen bin ich auch bereit, meiner Tanzpartnerin ein Gefühl von Geborgenheit zu geben. Ich gebe ein bestimmtes Maß an Glück und Spaß. Der Genuß am anderen. Dieses schöne, warme Gefühl der gegenseitigen Nähe.

 

Die Frau ihrerseits kann mir Vertrauen signalisieren. Sie kann mir das Gefühl geben, dass auch sie den Tanz, meine Nähe genießt. Dass sie für diese Minuten glücklich ist. Es ist dieses "loslassen". "Vergessen". Die "heilige Dreifaltigkeit" des Tangos: Nur sie, ich und die Musik. Alles andere wird vergessen. Es ist uns beiden egal, was die anderen tun, was sie gerade über uns denken. Wir haben uns und es ist schön.

 

Die Vorteile? Nach der Tanda ist es vorbei. Keine weiteren Verpflichtungen. Wenn wir uns einander "getäuscht" haben, ist es nicht weiter schlimm. Wir haben es genossen ... und aus. Jeder kann danach sofort eine andere "Beziehung" beginnen. Das Alter ist nebensächlich. Ebenso die Herkunft, die soziale Stellung.

 

Es existiert keine verbale Ebene zwischen uns. Wir müssen nicht kommunizieren. Es besteht auch keine Gefahr des Mißverstanden werdens. Wir können einfach "nur" genießen. Keine komplizierten Verstrickungen. Ein paar Augenblicke der körperlichen Nähe ohne große Einleitungen oder Vorarbeiten. Ohne "Zeitverschwendung"?!?

 

Man bekommt etwas, dass man in unserer Zeit dringend braucht (Geborgenheit, Nähe), ohne dafür viel investieren zu müssen. Ohne Verbindlichkeiten. Beide können "ernten" ohne Reue und schlechtes Gewissen. Vielleicht kann man es sogar als eine Art von "Antesten" sehen? Klingt also alles in allem nach einer guten Sache. Eine vorübergehende Symbiose ohne Verlierer.

 

Die Nachteile? Es hat sicher nichts mit Liebe zu tun. Leidenschaft vielleicht, aber nicht mehr. Es ist nur von kurzer Dauer. Es ist absolut unverbindlich (beides kann man natürlich auch als Vorteil sehen ;-))! Jedenfalls solange, bis nicht beide etwas anderes wollen. Kann ich mich davon also "langfristig ernähren"? Sicher nicht. Dafür ist es wohl zu wenig.

 

Kann ich mehr bekommen, als die Umarmung? Ich denke, die Gefahr hier etwas mißzuverstehen oder etwas hinein zu interpretieren, dass es nicht wirklich gibt, ist groß. Berührungen, die nichts mit dem eigentlichen Tanz, der Führung zu tun haben? Davor würde ich persönlich warnen! <<DANGER - ABNORMAL USE. ABORTION OF OPERATION>> Man sollte es so nehmen wie es ist. Ein paar schöne Momente. Aber sobald man die Tanzfläche wieder verlassen hat ... << GAME OVER >>

 

Heikvaldo: Die Verwandlung zum Schwan

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Nein, es ist nicht die Verwandlung vom hässlichen Entlein in einen wunderschönen Schwan. Aber, am Ende kommt trotzdem oft ein schöner Schwan heraus ...

 

Tango-Anfängerklasse. Es sind gut 10 Paare anwesend. Es ist die allererste TA Tanzstunde. Überall sieht man Jeans, Turnschuhe, Pullover, T-Shirts. Also durch die Bank legere Kleidung, nichts besonderes. Die Damen und Herren vermitteln das Gefühl, man wäre auf einer zwanglosen (Studenten-)Party.

 

Die gleiche Situation 5 Wochen später. Damen in Jeans? Fehlanzeige! Statt dessen sieht man jetzt Kleider, Leggings mit kurzen Röcken, interessante Oberteile. Es ist eher wie auf einer formellen Party. Hier und da ein paar Glitzersteine, Strass. Auch Schmuck wird aufgelegt. Selbst die Haare sind jetzt anders. Und die Schuhe? Da sind sie wieder: die Tango-Tanzschuhe. Jede Frau hat schon welche. Und jeder Schuh wird bereits mit einem gewissen Stolz getragen.

 

Auch das Auftreten selbst. Man spürt bereits den gewissen "Stolz", die aufrechte, gestreckte Haltung. Manche dieser "Küken" haben das heimische Nest verlassen und machen sich auf die Welt zu entdecken.

 

Die Damen schaffen diese Verwandlung also in einem Zeitraum von wenigen Wochen. Bei den Herren ist gelegentlich ein ähnlicher Wandlungsprozeß zu beobachten. Allerdings ist dieser nicht so ausgeprägt und hat auch noch nicht von allen Herren Besitz ergriffen. Einige scheinen sich standhaft zu wehren. Warum sollte ich mich für den TA "verkleiden"?

 

An dieser Stelle möchte ich eine Prognose auf den Weg bringen: wer in diesen wenigen Wochen noch nicht vom "TA-Virus" befallen wurde, der wird womöglich auf immer und ewig davor geschützt sein. Und bereits nach dieser relativ kurzen Zeit (die Paare haben ja bisher erst wenige Stunden den TA getanzt) zeichnet sich bei den meisten bereits eine Trennung der Spreu vom Weizen an. Bereits jetzt ist - zumindest Ansatzweise - zu erkennen, wen man sicher noch weiterhin in der "Szene" begegnen wird und wer wohl über kurz oder lang das Handtuch schmeissen wird.

 

Sicher, TA ist nichts für jeden. Ist ja auch vollkommen in Ordnung. Für mich persönlich werden die "Ausscheider" jedoch nie in den speziellen Genuß des TA kommen.

 

Heikvaldo: Was muß ich tun, um nicht aufgefordert zu werden?

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Die folgenden Ratschläge fand ich bei www.salonmagazin.de. Im Original von Veronika Fischer. Vielleicht hilft das der ein oder anderen ...

 

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"Jetzt tanze ich schon einige Monate Tango, und trotzdem: egal wann oder wo ich auf einer Milonga bin, werde ich selten oder nie aufgefordert. Es ist zum Haare Ausreißen! Hast du eine Idee, woran das liegt?"

 

... das sind Probleme. Wer dagegen ständig belagert wird und sich nicht mehr zu wehren weiß, dem helfen die "Neun Gebote" bestimmt weiter!

 

 Neun Gebote zum Ungestört-Sein

  • Setz dich in die hinterste Ecke der Milonga, dort, wo es richtigen Aufwand braucht, um zu dir zu gelangen. Schließlich bist du eine Prinzessin – und wenn schon einer mit dir tanzen will, dann soll er bitteschön ein Prinz sein und erstmal die Dornenhecke durchkämmen.
  • Zieh dich möglichst unauffällig an. Jeans und T-Shirt tun’s oder auch einfarbig schwarze Schlabberhose und Rollkragenpulli. Ein Tanguero soll ja deine inneren Werte erkennen.
  • A propos innere Werte: Dein Tanzstil hat auf das Auffordern natürlich gar keinen Einfluss. Nach den ersten beiden Stunden konntest du eh schon alles, Weiterbildung brauchst du nicht, und Kritik kann ja wohl nicht ernst gemeint sein. Wenn etwas nicht klappt, liegt es sowieso am Mann – also bleib bei deinem Stiefel.
  • Wenn du nach 10 Minuten (oder einer halben Tanda) noch nicht aufgefordert wurdest, zieh ein möglichst saures Gesicht. Es ist – und das muss mal ganz deutlich gesagt werden – eine Zumutung, dich warten zu lassen. Wenn du es nicht mindestens fünf Tänzern wert bist, gleich ihre Tänzerinnen stehenzulassen, dann sollen sie  den Abend doch gleich ohne dich verbringen.
  • Such dir eine gleichgesinnte Freundin. Gemeinsames Ratschen, gelegentliches lautes Lachen und desinteressierte Blicke auf die anderen Tänzer erwecken den Eindruck der nötigen Desinvolture und lassen euch so richtig relaxed erscheinen.
  • Wenn ihr schon sitzt: Kommentiert ausführlich die Tanzstile, Kleidungsvorlieben und sonstigen Marotten aller An- und Abwesenden. Tratschen macht Freunde – und wenn die Durchgehechelten irgendwann die Kommentare zu Gehör bekommen, freuen sie sich sicherlich, genannt worden zu sein.
  • Schlägt sich schließlich mal ein Tänzer unter zehn Jahren Erfahrung zu dir durch, dann lass ihn gleich deinen Status wissen und teile laut und für alle im Raum vernehmlich mit, dass du mit Anfängern nix am Hut hast, die nächste Tanda eh nicht tanzen willst und überhaupt sein Tanzstil etwas fragwürdig ist.
  • Hat dich ein passabler Mann aufgefordert, kommt aber hinter ihm (endlich!) dein Lieblingstänzer, so lehne den ersten mit Verweis auf schmerzende Füße ab, um gleich darauf mit Mr. Perfect zu entschweben. Der andere hat ja irgendwann, wenn du mal wieder gelangweilt bist, eine Chance.
  • Bist du schließlich auf der Tanzfläche, so soll man schon merken, dass du da bist. Tanze also möglichst so, dass du gut aussiehst, nötigenfalls auf Kosten deines Tanzpartners. Wenn etwas nicht klappt, bleibe entrüstet stehen und sage „So geht das aber nicht!“. Sollte der Tanz dir nicht behagen, warne deine Mittänzerinnen vor diesem Tanguero, indem du weithin sichtbar ein Gesicht ziehst.

 

Vielleicht war ja der eine oder andere Tipp für dich dabei. Dass es in den nächsten Monaten besser klappt, wünsch ich dir auf jeden Fall!

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Heikvaldo: Weniger ist mehr

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Als Nachtrag zu meinem Beitrag Die Zwickmühle des Mannes möchte ich an dieser Stelle noch ein paar aufmunternde Worte an meine "Nachwuchskollegen" richten. Falls ihr auch von der Frage gequält werdet, ob euer aktuelles Können ausreichend ist, um mit erfahrenen Tangueras zu tanzen...

 

Ich habe bei den letzten Möglichkeiten mit einigen guten und sehr guten Tänzerinnen (nachdem ich mit ihnen getanzt habe) zum Thema geplaudert. Die Frage jeweils: "reicht dir, was ich tanze?". Mit einigen Monaten Tanzerfahrung bin ich ja weit entfernt von Perfektion oder Routine auf dem Parkett. Also macht man(n) sich da ja so seine Gedanken.

 

Die Antworten waren durchwegs gleich: lieber weniger, aber das gut und schön! Es müssen nicht die wildesten Schrittfolgen sein. Ein schönes Gehen im Takt und dabei ein paar Variationen - das ist (erst einmal gut) genug.

 

Wichtig ist, dass es schön im Takt ist, sauber in der Spur (keine Rempler, Zusammenstöße, etc.). Die Dame will sich sicher fühlen. Sie will das was du gibst genießen können. Egal wie viel oder wenig es ist!

 

So hatte ich auf der gestrigen Milonga zu wunderschöner Musik jede Menge wunderschöner Tänze. Durch die Bank mit sehr erfahrenen Damen. Da kommt natürlich auch bei einem selber Freude auf (wenn es alles so gut klappt). Das gibt Selbstvertrauen und spornt zu mehr an.

 

Ungeachtet dessen, darf (sollte) die Weiterentwicklung natürlich nicht stehen bleiben. Aber bei Milongas halte ich es so, wie mir auch die Kommentare zu bisherigen Einträgen geraten haben, dass ich nur tanze was ich gut (führen) kann und den Rest verlege ich auf die Tanzstunden/Übungsabende/Practicas. Und wenn eine neue Schrittfolge dann sicher sitzt, wird sie auch auf der Milonga getanzt.

 

Hilfreich ist natürlich immer, wenn du die jeweilige Tanguera schon halbwegs kennst. Dann sind auch kleine Patzer nicht so schlimm. Und die gemeinsamen Tänze haben ja bereits gezeigt, was man zusammen tanzen kann.

 

Und ein ganz wichtiger Punkt - zumindest für mich: ich muss die Musik mögen! Dann kann ich sie auch interpretieren. Noch besser natürlich, wenn ich die einzelnen Stücke bereits kenne. Dann weiß ich schon vorher, wo sich bestimmte Passagen für die ein oder andere Gangart anbieten. Wenn ich ein Stück - oder auch eine Stilrichtung - nicht mag, dann wird wohl auch das Tanzen dazu schwierig(er).

 

Also ist meine Empfehlung an dieser Stelle:

  1. nur Mut (es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen)
  2. nur wer tanzt entwickelt sich weiter (vom Zuschauen alleine wird es nicht)
  3. klein anfangen und sich bei entsprechender Möglichkeit steigern
  4. notfalls ruhig nachfragen (ob es passt)
  5. Spaß haben!