Heikvaldo: Mein nächster magischer Moment

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Um ein Haar hätte es geklappt! Ich habe ihn schon kommen "sehen". Wen? Na meinen nächsten magischen Moment.

 

Ich habe mich an das entsprechende Rezept gehalten ("schaffe möglichst optimale Voraussetzungen bevor du tanzt"). Also ein ruhiger Tango, eine sympathische Tanzpartnerin, die innere Einstellung zum Tanz, das Temperament herunterfahren. Ja, alles erledigt. Ready to go!

 

Dann vor dem ersten Schritt noch ein paar Sekunden warten (aber nicht dumm Rumstehen, sondern Zitat: "...die Frau abholen" - auf die Angabe der Quelle für das Zitat verzichte ich hier. Er wird es sicher wissen ;-). Ich nehme mir alle Zeit der Welt für diesen Tanz. Ein weiches "einpendeln" der Körper. Wir synchronisieren uns. Und alles in unendlicher Ruhe. Und dann beginnt der erste sachte Schritt.

 

Aber wie in einem schönen Traum ... kurz bevor sich der magische Moment auf uns niederlassen konnte ... nein, ich bin nicht aufgewacht. Aber ...

 

Es ist ein ruhiger Tango. Keine Hektik. Langsame, bedachte Schritte. Nichts Verwegenes. Ich spüre die Frau in meinem Arm. Ich konzentriere mich auf sie und auf unsere gemeinsamen Bewegungen. Aber ...

 

Die Umgebung ist schon ausgeblendet. Die anderen Tänzer und Zuschauer existieren für mich nicht mehr. Die Tanzfläche ist bereits in meinem Kopf "abgespeichert". Darauf brauche ich nicht mehr zu achten. Aber ...

 

Es sind bereits etwa 2 Minuten vergangen (aber wer achtet beim Tango schon auf die Zeit). Ich merke, wie ich mich immer mehr von außen nach innen orientiere. Die innere Anspannung fällt. Habe ich eigentlich noch die Augen offen? Wenn ja, dann nehme ich jedenfalls nichts mehr bewusst war. Da läuft jetzt so eine Art Automatismus. Autopilot. Irgendjemand muss uns ja steuern, aber ich bin es nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr bewusst.

 

Aber! Ja, aber. Dann holt mich meine Tanzpartnerin abrupt wieder zurück auf die Erde. Sie redet. Nein, dass wäre nicht das Problem gewesen. Es ist nicht, dass sie etwas sagt, sondern was sie sagt. Zugegeben, es (das Reden) stört in diesem Augenblick. Wahrscheinlich hätte ich ihre Worte einfach ignoriert, wenn ... ja wenn ...

 

Ich aktiviere also wieder den Bereich meines Gehirns, der für Hören zuständig ist. Die Information trudelt so langsam durch das Ohr ins Hirn, wird verarbeitet ... Aber das stört mich alles noch nicht. Ich habe nur noch "Augen" für meinen magischen Moment. Er schwebt schon über mir. Ich kann ihn schon "riechen". Ach, es ist herrlich, gleich wird es passieren...

 

Mittlerweile wurde die gehörte Information verarbeitet und ausgewertet. Irgendetwas in mir löst den Alarm aus. Mist, der Kapitän wird auf der Brücke gebraucht. Also System im Schnelldurchgang wieder hochfahren und "oben" fragen was da los ist. Mein Gehirn erklärt mir, was die Ohren gehört haben. Und bums ... bist du schlagartig wieder in der Realität.

 

Der magische Moment ist vermutlich genauso erschrocken wie ich. Jedenfalls hat er sich so schnell aus dem Staub gemacht, dass ich ihm nicht einmal mehr hinterher winken konnte. Aus! Vorbei! "The missile didn't reach the target". Verloren!

 

Ich hab den Tanz dann wie in Trance zu Ende gebracht. Aber nichts mehr mit Konzentration und so. Hat eben nicht sollen sein.

 

Und das ist dann das Ende der Geschichte!

 

Ach so, ihr wollt noch wissen, was sie gesagt hat. Aber das ist so schmerzhaft. Bitte, ich möchte das nicht wiederholen müssen. Quält mich doch nicht so ... Ihr seid aber auch neugierig. Also gut. Ihr einziger, aber verheerender Satz war: "... und wann passiert jetzt hier 'mal was, wo ist die Action?"

 

Und die Moral von der Geschicht? Eine kleine aber äußerst wichtige Zutat fehlte bisher im Rezept. Such dir nicht unbedingt die temperamentvollste Tänzerin dafür aus!

 

(und nur für den Fall, dass sich die Dame jetzt hier wieder erkennt: es ist immer wieder schön mit dir zu Tanzen. Aber anscheinend warst du - zumindest an diesem Abend - nicht auf der Suche nach einen magischen Moment) ;-)

 

Heikvaldo: Ich bin auf der Suche nach ...

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Ja, wonach eigentlich? Nach wie vor verbringe ich einen nicht unerheblichen Teil meiner Freizeit in Tangostudios, bei Milongas oder bei Recherchen im Internet zum Thema. Warum tue ich das?

 

Bin ich überhaupt auf der Suche nach irgendetwas? Suche ich den Körperkontakt zu meinen Tanzpartnerinnen? Suche ich neue Freunde, neue Bekanntschaften? Will ich Bestätigung für mein Tanzen? Die Anerkennung, dass es besser wird? Liebe ich einfach "nur" die Musik? Gehe ich gerne aus? Wieder einmal Fragen über Fragen.

 

Manch einer lernt den Tango angeblich nur, weil er den Körperkontakt zu den Frauen sucht. Da das Thema von jeder Menge Tangueras bisher bestätigt wurde, nehme ich es als gegeben hin. Aber ich zähle mich nicht dazu. Das könnte ich doch auch in Bars anleiern. Es gibt doch auch einschlägige Suchbörsen. Ist der Aufwand dafür extra einen Tanz zu lernen (vor allem wenn es ein so anspruchsvoller wie der TA ist) nicht zu hoch? Gerade als Mann muss ich beim Tango doch jede Menge "leisten". Und das alles "nur", um eine Frau im Arm zu halten?

 

Und aufgrund dessen, was mir die Frauen so über diese Sorte von Tänzern berichten, ist es eh meist nur ein einmaliges "Vergnügen". Denn anschließend meiden die Frauen diese Männer. Es dürfte also sowieso nie über einige oberflächliche Berührungen hinausgehen. Somit dürften solche Exemplare wohl eh nur in Anfängerkursen zu finden sein. Oder gelegentlich auf Milongas. Aber das hat sich sicher jeweils schnell herumgesprochen (Frauen können keine Geheimnisse für sich behalten! - sollen sie in diesem Fall ja auch nicht). Und dann ist die Tanzkarriere in der Umgebung wohl dahin. Das kann es also nicht sein.

 

Neue Bekanntschaften? Ja, reichlich. Gerade am Anfang lernt man bei jeder Gelegenheit neue Tänzer und Tänzerinnen kennen. Aber das ist auch nicht der Antrieb. Ich kann auch so Menschen kennen lernen. Dafür muss ich nicht TA lernen. Wobei ... die Art von Menschen die ich durch den TA kennen lerne ist meist von sehr angenehmer Art. Es sind gebildete Menschen, viele sind selbstständig. Es sind interessante Gespräche möglich. Und ich muss Gott sei Dank nicht über Autos oder Fußball reden. Dann schon eher über Frauen (wer es nicht weiß: das sind die einzigen 3 Themen über die mehr als 80 Prozent der Männer sprechen können oder wollen).

 

Ja, Frauen sind natürlich immer ein Thema beim Tango. Allerdings nicht in der abfälligen Art, bei der die Frau auf den Umstand "Ware" reduziert wird. Wie in Studentenzeiten, als ich in verschiedenen Fabrikbereichen meine praktischen Studiensemester ableisten durfte und die Männer bei jeder Gelegenheit darüber diskutiert haben, welche Frau sich wohl als Pin-Up eignen würde. Hat mir damals schon nicht gefallen, tut es heute erst recht nicht. Die meisten Tangueros sehen in der jeweiligen Frau wohl doch etwas Besonderes. Ist jedenfalls meine Erkenntnis, wenn ich Paare beim Tanzen beobachte. Wie sorgsam manche mit ihrer Partnerin umgehen. Zumindest die bereits etwas erfahreneren Tänzer (ja, es gibt auch Ausnahmen).

 

Sind also vielleicht die Frauen der Antrieb? Sicher auch! Kann ich ohne Probleme zugeben. Als in einer Männerdomäne arbeitender Mann (keine weiblichen Kolleginnen), beim Sport, bei Hobbies ... meist treffe ich andere Männer. Da genieße ich den Kontakt zu Frauen. Warum auch nicht? Welcher Mann hier etwas anderes behauptet ... naja. Ist doch wohl von Mutter Natur auch so eingerichtet worden. Ich muss deswegen ja nicht gleich mit jeder ... aber das wäre jetzt nicht jugendfrei. Ich fühle mich in Schwulenbars eben nicht so wohl. Aber das ist ja sicher kein Verbrechen.

 

Bestätigung für meinen Tanz? Anerkennung? Zum Teil. Davor ist doch auch niemand von uns gefeit. Jeder sucht - zumindest ein bisschen - nach Anerkennung, Lob. Aber es ist sicher nicht der Hauptgrund, jedenfalls nicht für mich. Wenn ich tanze, wie ich tanze, etc. das ist nur eine Sache zwischen mir und ihr (der jeweiligen Tanzpartnerin). Ich tanze nicht für das Publikum. Das darf zusehen. Darf auch lästern. Mir egal. Solange sich die Frau in meinem Arm wohlfühlt (und ich mich mit ihr). Solange sie das bekommt was sie sucht (und ich das gleiche will und es auch geben will).

 

Die Musik? Mein Geburtstagsgeschenk an mich: min. 15 neue Tango-CDs. Muss also wohl eine gewisse Rolle spielen. Die Zahl der Stilrichtungen, der Orchester wächst. Immer und überall kann oder will ich Tangomusik hören. Ja, die Musik ist sicher ein Grund. Allerdings war für mich erst der Tanz und dann die Musik. Ich hatte erst meine ersten Tangostunden und danach fing ich an, mich für die Musik zu interessieren. Wenn ich vielen Ratschlägen glauben darf, dann wird die Musik künftig noch eine viel größere Rolle für mich spielen. Vielleicht lerne ich dann zu unterscheiden, auf welches Lied welcher Tanzstil passt. Noch unterscheide ich nicht so sehr zwischen einem Troilo und einem DiSarli. Vielleicht ändert sich das noch.

 

Oder ist es die Herausforderung? Der Reiz der Aufgabe? Ist für mich ja schon eine Art von Ansporn. Perfektes Führen. Sehr gute Haltung beim Tanz. Die tollsten, schönsten Schrittkombinationen, was auch immer. Es ist etwas was nicht jeder kann. Es ist eine schwierige Aufgabe (wer hier eine andere Meinung hat, möge sich bitte melden, dann nehme ich gleich dort Unterricht). Das reizt schon.

 

Also, was ist die Quintessenz? Warum lerne ich TA? Was suche ich? Hmmmh, keine Ahnung! Aber es macht einfach Spaß ;-)

 

Heikvaldo: Entschuldigung!

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Ihr erinnert euch an den Post "Der Tango-BH" von vor ca. 1 Monat? Das der ein bißchen für Wirbel sorgen wird war mir ja klar, aber ...

 

Jetzt hat mir eine bekannte Tänzerin zukommen lassen, dass sich einige der Frauen durch den Post verletzt fühlen. "Zu intim". Nun, ich mag ja die verschiedensten Beweggründe für meine Schreiberei haben. Aber ich möchte damit niemanden verletzen oder zu nahe treten. Deshalb möchte ich mich hier bei all denjenigen entschuldigen, die sich verletzt, brüskiert oder sonst etwas haben. Es tut mir leid! Das war keinesfalls meine Absicht!

 

Angeregt zu dem Post wurde ich durch eine heiße Diskussion von Frauen (allerdings in England) zum Thema. Dort hat frau sich massivste Gedanken dazu gemacht. Welcher eignet sich besser, welcher weniger? Stört er gar? Nun, dachte ich, was die prüden Engländer verkraften, dass schaffen die deutschen locker. Aber gut, ich habe mich anscheinend geirrt.

 

Heikvaldo: Was sollte in einem Anfängerkurs vermittelt werden? Teil I

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Was sollte meiner Meinung nach in einem Anfängerkurs für TA unterrichtet werden? Ich sehe das ja aus Sicht des "Anwenders", des Endverbrauchers sozusagen. Was habe ich in meinem bisherigen TA-Leben unbedingt gebraucht? Was hätte ich also gerne in einem Anfängerkurs beigebracht-haben-wollen?

 

Ein bisschen Hintergrundwissen zum Thema ist ganz allgemein sicher nicht schlecht. Das kann man zwischendurch einfließen lassen. Es kann als Einführung in der ersten Stunde gebracht werden. Zumindest sollte man die Schüler darauf hinweisen, sich etwas mit dem Thema zu befassen. Ist vielleicht nicht unbedingt überlebenswichtig. Wer aber länger beim TA dabei sein will, der sollte über entsprechende Kenntnisse verfügen. Hilft dabei bestimmte Rituale oder Verhaltensweisen zu verstehen.

 

Dann natürlich die Tanzhaltung. Das kam mir bisher immer zu kurz. Klar, die Umarmung selbst ist schnell erledigt. Aber sie ist doch so viel mehr. Wie und warum halte ich welchen Arm wie? Was ist gut? Was ist schlecht? Worauf sollte ich unbedingt achten? Welche Rolle übernimmt der Oberkörper? Die "Unabhängigkeit" von Ober- zu Unterkörper. Und natürlich die Sache mit der Nähe zum Tanzpartner. Das ganze sollte auch mit verschiedenen Tanzpartnern geübt werden. Denn nicht jede/jeder empfindet es gleich. So lerne ich relativ frühzeitig, worauf es hierbei ankommt und gewöhne mir "schlechtes" oder falsches möglichst erst gar nicht an.

 

So, jetzt kann ich also meinen Tanzpartner "halten". Da könnten wir doch gleich einmal ein bisschen Musik dazu machen. Ja, bleibt ruhig stehen. Keiner muss einen Schritt gehen. Fangt an zu HÖREN. Na, was sagt die Musik? Augen zu! Alle! Auch die Männer (die haben künftig ja kaum noch Gelegenheit dazu). Hören und fühlen. Die Musik. Die Partnerin. Wie fühlt sich eine gute Umarmung an? Sprecht gleich darüber. Das wird nämlich in Zukunft vermutlich nie mehr geschehen. Nutzt gleich die Möglichkeit des Feedbacks an euren Tanzpartner. Was ist gut? Was weniger? Und dann Partnerwechsel. Nächste Runde. So bekommt ihr gleich einmal ein Gefühl dafür.

 

Fast wie von alleine fangen die ersten Tanzpaare an sich ein bisschen zu bewegen. Sie nehmen den Rhythmus auf. Sie entwickeln "Taktgefühl". Dafür brauche ich nicht einmal Schritte zu unterrichten. Das würde sie vermutlich jetzt auch nur ablenken. Und so leid es mir tut, aber bereits jetzt ist die Zeit, sich von einigen zu verabschieden. Wer jetzt noch lange stocksteif und untätig rumsteht, der kann es gleich bleiben lassen. Klingt gemein? Hat jemand eine andere Meinung?

 

Wer kein Musikgefühl mitbringt, der soll sich sein weiteres Geld sparen. Es wird ihm/ihr wohl nichts bringen. Oder bestenfalls mit sehr, sehr viel Aufwand. Gehet hin und tuet mit eurer Zeit etwas Besseres.

 

Zurück zu denen, die bereit für die nächste Stufe sind. Vermutlich kam keiner der Männer (genauer: der Führenden) auf die Idee, seine Partnerin (die Folgenden) mittels Armeinsatz zu "bewegen". Warum auch. Durch den nicht vorhandenen Zwang zu laufen, haben sich vermutlich alle Frauen "am Körper" des Mannes orientiert. Sie "erfühlen" bereits worum es geht. Die "kopieren" seine Bewegungen. Sie versuchen sich im Gleichklang zu bewegen. Mir hat das am Anfang keiner beigebracht. Deshalb dachte ich zuerst, ich muss meine Hände und Arme zum "Lenken" einsetzen.

 

Und nur zur Erinnerung: wir sind noch keinen einzigen Schritt gelaufen. Dafür haben wir bereits zwei der wichtigsten Punkte gelernt: eine für beide angenehme Tanzhaltung und Umarmung und das Lauschen auf die Musik (die uns schließlich vorgibt, was zu tun ist). Und genau genommen sind es sogar drei Aspekte. Nämlich zusätzlich noch die Erkenntnis, sich am Partner (Führenden) zu orientieren.

 

Das alles kann jetzt jeder zu Hause weiter üben. Dafür brauche ich weder viel Platz, noch weitere Anweisungen. Nur einen Tanzpartner und ein paar Tangos. Und dann sind wir alle beim nächsten Mal auch wirklich bereit, unseren ersten Schritt zu gehen. Im Allgemeinen sind wir Lernenden damit (mit dem Laufen) im Kurs eigentlich überfordert. Zumindest an dieser Stelle. Wir sollen uns nach vorne (bzw. rückwärts) bewegen und können noch nicht einmal die Partnerin (richtig) halten (bzw. den Partner), geschweige denn der Musik lauschen und ihr dann folgen. Also wird uns ab jetzt alles Weitere überfordern.

 

Ach ja, natürlich. Jetzt kommen die Supergescheiten. Die wussten schon alles, noch bevor der Lehrer fertig war mit Erklärungen. "Tanzhaltung? Kann ich schon. Also wann kommt die erste Figur?" An dieser Stelle würde ich mich für die Teilnahme bedanken und für die Zukunft alles Gute wünschen. Aber bitte nicht bei mir. So erspare ich vielleicht einigen Frauen die Qual, irgendwann mit diesem Tänzer tanzen zu "dürfen". Und die Frauen, die jetzt "loslegen" wollen? Ja, mit denen hätten wir Männer in Zukunft noch unsere Freude. Sie ist uns Führenden immer mindestens einen Schritt voraus. Entweder Gedanklich oder - noch schlimmer - in der Realität.

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Heikvaldo: Umfrage: Warum tanze ich als Frau NICHT in der geschlossenen Umarmung?

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Geschlossene oder offene Umarmung? Diese Frage (und somit die erste Umfrage hier) geht ausschließlich an die Frauen (bzw. die Folgenden)

 

 

Gebt eure Stimme ab, indem ihr euch für einen der folgenden Punkte entscheidet.

Klickt einfach auf eine der Antworten (1-8).

Ich persönlich bin schon sehr gespannt auf das Resultat.

 

Warum tanze ich als Frau NICHT in der geschlossenen Umarmung?

 

Ergebnis zeigen

 

Heikvaldo: Die Rolle der Frau im TA

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Ich habe hier ein paar Absätze von Annett Welsch mit dem Thema "Sinnlichkeit und Sucht" (Quelle: http://parapluie.de/archiv/pakt/tango) zur Rolle der Frau im TA gefunden.

 

"Eine große, nicht mehr ganz junge Frau zieht die Blicke auf sich. Sie ist sehr schön und ganz in schwarz: der kurze Rock, die Nahtstrümpfe, das langgelockte Haar. Dazu bilden knallrote Tanzschuhe einen effektvollen Kontrast. So sicher und erfahren wie ihre ganze Erscheinung wirkt auch ihr Tanz. Sie setzt die Schritte ruhig, tanzt in den Boden hinein. Ihre Wange schmiegt sich an die Wange des Tänzers, auf den Gesichtern spiegelt sich die Freude an der gemeinsamen Bewegung. Im normalen Leben ist sie Mutter zweier Kinder, an den wöchentlichen Tanzabenden verwandelt sie sich in einen Männertraum.

 

(...)

 

Die meisten weiblichen Tangotänzer kennen dieses Gefühl sehr gut - sich im Tanz ganz hinzugeben, sich darin zu verlieren. Ein Gefühl, das man mit nach Hause nimmt und das dem Verliebtsein manchmal zum Verwechseln ähnelt. Das Phänomen ist frauentypisch, Sartori nennt es das "Zerfließen im Kontakt": Die Frau kann beim Tango die Augen schließen und sich fallenlassen, sie kann alle Kontrolle aufgeben. Der Mann dagegen muß in jeder Sekunde über den nächsten Schritt entscheiden. Er führt und ist gezwungen, die Form zu wahren.

 

Die Frau genießt im Tango das Aus- und Erleben ihrer Weiblichkeit, Sinnlichkeit und ihrer Sensibilität. Nur sie hat das Privileg, mit geschlossenen Augen auf eine Reise der Gefühle und Emotionen gehen zu können, inniglich, in sich gekehrt. Sie soll und darf ihre Weiblichkeit ganz in den Vordergrund stellen."

 

Annett Wilsch beschreibt hier zwei Rollen, die eine Frau im Tango einnehmen kann. Ich möchte sie einmal die "Verführerin" bzw. "Genießerin" nennen. Wobei die Verführerin nicht im klassischen Sinn verführen will. Es ist mehr wie ein Spiel. Die Genießerin tut jedoch genau das. Sie will genießen. Ich habe jedoch schon Frauen getroffen, die auch andere Rollen "gespielt" haben.

 

Da wäre zum einen die "Schauspielerin". Sie liebt es sich zu verkleiden. Ihre Garderobe ist zumindest anders, manchmal sogar "gewagt". Sie trägt Kleidung, die im Alltag keinen Platz hat. Geschlitzte Kleider (wobei der Schlitz deutlich oberhalb des Knies endet), Kleider in auffallenden Farben, reich verziert. Aufwendige Strümpfe. Und natürlich besondere Schuhe. Da muss selbst ich als Mann hinsehen (wobei ich sicher alles andere als einen Schuh-Fetisch habe).

 

Diese Frau hat auch etwas von der Verführerin. Allerdings steht bei ihr das Aussehen im Vordergrund, während die Verführerin mehr mir ihren Reizen spielt. Sie will den Mann primär nicht verführen. Sie will ihm optisch etwas bieten. Oder sie "verkleidet" sich ausschließlich für sich selbst. Es macht ihr Spaß in diese Rolle zu schlüpfen. Vielleicht lebt sie damit kleine Fantasien aus.

 

Dann gibt es die "Träumerin". Sie hat oft etwas von Dornröschen an sich. Wie in einem kleinen Dämmerschlaf folgt sie ihrem Tanzpartner auf dem Parkett (das ist jetzt nicht negativ gemeint). Sie verhält sich eher ruhig. Auch spricht sie kaum oder gar nicht. Sie ist eher nach innen gekehrt. Wobei sie sicher nicht zu denen gehört, die sich "herum schieben" lassen. Aber sie genießt eher im Stillen. Ihr Aussehen ist ihr nicht so wichtig. Vielleicht wartet sie auf ihren Traumprinzen? Sie ist bereit, es mit jedem zu versuchen. Allerdings gibt sie nicht zu erkennen, wenn sie ihn gefunden hat, sondern begibt sich gleich darauf auf eine neue Suche.

 

Und es gibt die "Temperamentvolle". Sie erinnert mich an wilde Rassepferde. Ungestüm. Jederzeit bereit loszubrechen. Du musst sie voll im Zaum halten, sonst geht sie dir durch. Sie ist bereit alles auf dem Parkett mitzumachen. Nichts ist zu wild, nichts zu verrückt. Sie will ihren Spaß. Egal wie (aber sicher nicht: egal mit wem). Kein Vals ist ihr zu schnell, keine Milonga zu rhythmisch.

 

Und es gibt Frauen, die können mehrere dieser Rollen an einem Abend einnehmen. Sie erscheinen vielleicht schon als Verführerin oder Schauspielerin. Je nach Musik verwandelt sie sich bei einem wunderschönen ruhigen Tango in eine Träumerin oder Genießerin. Während sie Minuten später beim Vals die Temperamentvolle gibt. An einem Abend gibt sie die eine, an einem anderen eine andere Rolle. Und als Mann musst du immer erst herausfinden, welche Rolle sie heute spielt.

 

Und welche Rolle ist uns Männern am liebsten? Tja das, liebe Frauen, kommt ganz darauf an. Auf den Mann, auf den Abend, auf die Frau selbst, auf die Musik, auf ...

 

Heikvaldo: Welche für welchen Tanz?

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Langsam aber sicher trenne ich. Hier der Tango und dort Milonga oder Vals. Die Musikrichtungen selbst kann ich natürlich unterscheiden. Ich meine damit, ich unterscheide was ich tanzen will bzw. mit wem ich was tanzen will.

 

Ich entwickle unterschiedliche Konzepte für die verschiedenen Tänze. Bin ich in "Spiellaune", dann liebe ich den schnellen Vals oder auch eine(n) besonders rhythmische(n) Milonga. Da steht für mich der Spaß am Tanz im Vordergrund. Ich laufe, drehe, spiele mit der Musik (und meiner jeweiligen Tanzpartnerin). Ich interpretiere auf das wildeste. Am Ende lachen wir meist beide. Es hat Spaß gemacht. Hier stand jedenfalls nicht das Gefühl im Zentrum. Auch nicht "klassische" Elemente.

 

Bei einer "normalen" Milonga (also dem Tanz, nicht der Veranstaltung) ist es schon etwas ruhiger. Aber immer noch steht die Bewegung für mich im Vordergrund. Es wird relativ viel gelaufen und gedreht. Vielleicht ab und zu ein Paar Ochos oder Sacadas, aber nicht als Schwerpunkt. Aber da wir uns (genau wie beim Vals) relativ viel bewegen, muss ich viel auf die anderen Tanzpaare, Stühle, Tische, etc. achten. Ich bin also mehr nach außen hin orientiert.

 

Und schließlich der Tango. Wenn ich das Stück besonders gerne mag und mir die jeweilige Tanzpartnerin auch besonders sympathisch ist und sie sich auch sehr gut führen lässt, wenn wir also beide sehr gut zusammen harmonieren, dann gehe ich mehr ins Innere. Kleine Bewegungen, sehr genaues Achten auf die Tanzpartnerin und ihre Reaktionen. Dann tanze ich sehr bewusst. Ich muss mich auch nicht so sehr auf das Drumherum konzentrieren. Dann habe ich mehr Zeit für "Gefühle", für den Genuss des Augenblicks.

 

Und deshalb fange ich an, die jeweilige Tanzpartnerin nach der Musik zu wählen. War bisher nicht so. Ich bin mir jedoch sicher, dass ich in ein paar Monaten eine Art von Liste im Kopf haben werde, mit welcher Frau ich welchen Tanz tanzen möchte. Natürlich wird es "Universalfrauen" geben, mit denen ich alles tanzen will, aber sicher auch welche, mit denen ich nur bestimmte Stücke tanzen möchte.

 

Ich habe über diese Art von Auswahl schon viel gelesen. Aber ich habe das eher als eine Art "Spinnerei" abgetan. Entweder ich will mit einer Frau tanzen oder eben nicht. Aber jetzt beginne ich weitere Kriterien einzufügen. Nicht mehr nur "ja" oder "nein", sondern auch "ja, Vals", "ja, Tango" bzw. "ja, alles". Bin ja mal gespannt, ob da mit der Zeit noch mehr dazu kommen wird.

 

Heikvaldo: Gibt es ihn wirklich: den Cabezeo?

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Ich jage einen Geist. Zumindest kommt es mir so vor. Ich versuche einen Cabezeo zu erwischen. Irgendwo müssen die doch lauern. Jedenfalls verstecken sie sich bisher sehr gut. Ich habe nämlich noch keinen gefunden. Alle Welt spricht und schreibt von ihm. Es muss ihn also geben. Aber wo?

 

Beinahe hätte ich einen erwischt. Die Frau neben mir "spricht" mit dem Kopf zu einer imaginären Person. Niemand ist in der Nähe. Mich kann sie ja nicht meinen. Ich sitze zu ihrer rechten. Aber sie blickt mich ja nicht an. Also was macht sie? Und plötzlich steht sie auf. Irgendwas ist passiert. Und schon steht er vor ihr. Ihr Tanzpartner für die nächsten Tänze. Aber wo kam der jetzt so plötzlich her? Woher wusste sie, dass er gleich kommen wird, um mit ihr zu tanzen? Irgendetwas hatte sie kurz vorher in einer Art Unruhe versetzt.

 

Also muss ich wohl besser aufpassen. Ich scanne den gesamten Raum ab. Ich habe doch schon so viel über ihn gelesen. Wie, wo, warum? Alles wird erklärt und beschrieben. Ich habe es ja auch verstanden. Zwar selbst noch nicht angewandt, aber die Theorie ist klar. Also werd ich doch wohl in der Lage sein, einen zu "schnappen". Ich finde den ganzen Abend keinen mehr. Haben sie sich verdrückt?

 

Viele Männer machen es wie ich, auf die herkömmliche - die deutsche - Art. Hingehen, fragen, tanzen. Hat bisher immer funktioniert. Oder eben deshalb, weil ich meist mit bekannten Frauen tanze. Eher selten sind es komplett unbekannte. Egal, es funktioniert. Ganz selten kommt sogar die Frau zu mir und fragt. Ist auch sehr nett. Natürlich gibt es dann auch für gewöhnlich keinen Korb. Ist bei mir Ehrensache.

 

Für mich ist der Deutsche an sich zu "gefühlskalt". Deshalb gebe ich dem Cabezeo bei uns nicht so große Chancen, wie z.B. in Lateinamerikanischen Ländern. Ich treffe aber immer wieder Verfechter und Anhänger dieses Rituals. Trotzdem würde ich sagen, die Mehrheit der Paarungen bei uns ergibt sich entweder auf die herkömmliche Art oder die Tanzpartner sitzen eh schon nebeneinander, kennen sich und dann wird kurz gefragt und getanzt.

 

Und dann der Schock am nächsten Tag. Da schreibt mir doch eine bisher unbekannte, sie hat den ganzen Abend zu mir geblickt. Und ich habe nicht reagiert. Ständig weggesehen. Hab ich doch gar nicht. Jedenfalls nicht bewusst oder absichtlich. Habe ich wegen der Jagd auf selbigen die Cabezeos in meine Richtung gar nicht bemerkt? Ich glaube, ich sollte jetzt schnell mal googlen "Nachhilfestunden zum Erlernen des Cabezeos?" Sonst entgehen mir womöglich auch in Zukunft einige Tänze.

 

Also liebe Unbekannte (und alle anderen unbekannten oder noch nicht bemerkten). Es hat nichts mit euch zu tun. Es war keine Ablehnung. Ich übe noch. Manchmal brauchen wir (deutschen) Männer eben "deutlichere" Signale. Aber - zumindest ich - arbeite daran. Und neu ist für mich, dass es "... immer gleichzeitig Herren- und Damenwahl" ist. Bisher dachte ich immer der Herr "sucht" und deshalb habe ich gar nicht so sehr auf suchende Frauen geachtet. Aber das wird sich in Zukunft wohl ändern (müssen).

 

Heikvaldo: Mit wem tanzt sie lieber?

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Milonga. Die Musik animiert nicht unbedingt - zumindest mich nicht - zum Tanzen. Also gehe ich einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nach: ich beobachte die anderen Tanzpaare.

 

Und irgendwie wird mir dabei eines bewusst: es tanzen auch die eher unattraktiveren Männer, während durchaus optisch brauchbares Material um die Tanzfläche sitzt und zuschaut (bzw. zuschauen muss). Also: Ursachenforschung! Worauf achten die Frauen bei der Partnerwahl?

 

Mann A: in etwas gesetzterem Alter. Er hat sein Leben sichtlich genossen. Zumindest lässt sein Bauchumfang diesen Schluss zu. Er ist "normal" gekleidet. also weder Anzug, noch besonders herausgeputzt. Er ist nicht einmal besonders groß. Viele seiner Tanzpartnerinnen überragen ihn. Aber er strahlt ein sympatisches Inneres aus.

 

 

Dann Mann B: im "besten" Alter (jedenfalls einiges jünger als Mann A). Groß, schlank. Er gibt sich Mühe mit dem Äußeren. Tanztechnisch würde ich beide als gleichwertig einstufen. Vielleicht ist Mann B hier Mann A sogar etwas überlegen. Er schient ein größeres Repertoire zu haben. Er sieht auch nicht schlecht aus.

 

Beide sind in unseren Tanzkreisen bekannt. Man kennt sich ja. Also drehe ich einmal kurz und unauffällig meine Runden und frage ganz zwanglos einige der Tangueras aus der Gruppe. Mit wem tanzt sie lieber von den beiden? Ich bekomme vergleichbare Antworten und diese erstaunen mich nun doch etwas.

 

Der klare Favorit ist Mann A. Die Frauen schwärmen sogar regelrecht von ihm. Er wäre sehr nett. Sie bewundern ihn. Jede hat eine hohe Meinung von ihm als Mann und Tanzpartner. Die Optik kann es wohl nicht sein. Hier würde Mann B klar gewinnen. Ebenso beim äußeren Erscheinen. auch hier ist Mann B meist der Sieger.

 

Mann A ist in meinen Augen nicht gerade ein überragender Tänzer (im rein technischen Sinn). Keine verwegenen Figuren. Eher so ein Genießer. Langsam und andächtig zieht er mit seiner jeweiligen Partnerin seine Runden. Stets hat er ein Lächeln im Gesicht, das verrät, er genießt den Augenblick. Und ebenso seine Partnerinnen. Oft mit geschlossenen Augen geben sie sich dem Tanz scheinbar völlig hin.

 

Der Blick zu Mann B offenbart hier etwas anderes. Er ist der Planer, Je aufwendiger, desto besser. Seine Partnerinnen vermitteln nicht unbedingt das Gefühl von Genuss. Manchmal erwischt er eine, die - wie ich es nenne - "spielen" will. Also stets auf der Lauer, was als nächstes kommt und dann reagiert sie freudig darauf und "spielt" mit ihren Schritten. Meist ist es jedoch anders. Die Frauen wirken nicht so entspannt.

 

Ich glaube, ich sollte Mann A selber einmal auffordern um meine letzten Zweifel auszuräumen. Aber ich bin mir sicher, dass er dieses etwas ganz besondere hat, auf das die Frauen beim Tango achten. Frauen wissen sicher wovon ich spreche. Und die Männer die es nicht wissen, die müssen es eben erst noch lernen ;-)

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Heikvaldo: Anfängerpech

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Im letzten Post habe ich meine "magischen Momente" vermisst. Gestern Abend war ich wie gewöhnlich zu früh in der Tangoschule und hatte Gelegenheit, den Anfängerkurs zu beobachten. Gab es für die anwesenden Tanzpaare magische Momente? Wohl kaum. Nicht weil sie Anfänger sind. Aber es ist wohl wie bei allen Anfängern - zumindest bei uns: jeder konzentriert sich auf die Schritte. Base mit Kreuz. Volle Konzentration. Bei einigen klappt es eher besser, bei anderen eher schlechter.

 

Aber kein einziges Tanzpaar lauscht auf die Musik. Oder gar auf den Partner. Ja, es ist eine Tanzstunde, keine Milonga. Aber werden die Tanzpaare, wenn sie erst einmal auf einer Milonga sind, die Fähigkeit haben, sich überhaupt von den Schritten zu lösen und sich stattdessen mehr (oder überhaupt) auf die Musik und ihren Tanzpartner zu konzentrieren? Sie haben es ja nicht gelernt. Niemand hat es ihnen beigebracht.

 

Ist das jetzt ein typisch deutsches Phänomen? Angeblich wird in Argentinien anders unterrichtet. Dort geht es ewig lange um die Umarmung selbst, dann das Laufen. Es muss wohl endlos dauern, bis jemand auf die Idee kommt, einen Ocho oder das "Kreuz" zu lehren. Ich kenne bisher nur Unterricht in Deutschland. Hier zählen Drehungen. Ochos in der 2. Stunde. Sacadas. Je mehr, desto besser.

 

Auf vielen Milongas treffe ich ein Tanzlehrerpaar. Beide sind sicher leidenschaftliche Tänzer. Wenn ich ihn beim Tanzen beobachte, dann stelle ich immer wieder fest, wie wenig Raum er braucht. Dafür ist er voll und ganz bei der Sache. Du kannst es förmlich sehen, wie er mit all seinen Sinnen auf seine Tanzpartnerin ausgerichtet ist. Und die Musik gibt ihm dann die Bewegungsimpulse. Ich bin mir absolut sicher, er schert sich kein bisschen um die Zuschauer. Für ihn zählt jetzt nur seine Tanzpartnerin.

 

Genauso bei ihr. Wenn ich das Glück habe, mit ihr zu tanzen, dann geht sie zu allererst einmal in die geschlossene Umarmung. Die presst sich förmlich an mich. Dadurch bekommt sie jede noch so kleine Muskelzuckung meines Oberkörpers mit. Und das vermutlich bereits bevor ich daraus bewusst einen Führungsimpuls mache. Es wird nicht gesprochen. "Nur" auf den Körper des anderen gelauscht.

 

Und ich bin mir ihrer Gegenwart vollkommen bewusst. Es geht ja auch gar nicht anders. Sie ist ja schon aufgrund ihrer körperlichen Nähe ein Teil von mir. Wenn dann die Musik einsetzt, dann bin ich auch gar nicht versucht, große Schritte zu gehen oder aufwendige Drehungen. Ich mache kleine Schritte. Und dabei "höre" ich genau auf sie. Auf ihren Körper. Selbst ihre Atmung. Wie reagiert sie auf meine Impulse?

 

In meinen Augen sind das die besten Voraussetzungen für "magische Momente". Für "echten" Tango. Es sind bereits alle "Vorbereitungen" getroffen. Nur sie und ich. Und dann noch die Musik. Jetzt besteht die Möglichkeit, dass die nächsten Minuten etwas ganz besonderes für uns beide werden.

 

Dann tanze ich mit einer neuen Frau. Ich kenne sie noch nicht, sie mich nicht. Ich weiß nicht wie sie tanzt. Ich habe sie einfach aufgefordert. Sie saß schon zu lange auf ihrem Stuhl. Es ist offene Umarmung. Damit "fehlt" ein Stück. Ich kann ihre Reaktionen nur schwerer erkennen. Der Raum zwischen uns bietet sich an für Drehungen, große Schritte. Es ist anders. Die Wahrscheinlichkeit der "Perfektion" im Tanz ist wohl eher gering. Liegt es an der Distanz zwischen uns? Oder daran, dass sie "neu" für mich ist?

 

Ist das der Grund, warum ich immer wieder lese, dass die Tänzer und Tänzerinnen sich erst einmal gegenseitig "abchecken" ohne überhaupt miteinander zu tanzen? Klären sie dabei ab, ob sie bereit sind, miteinander in diese Nähe zueinander zu gehen? Bisher dachte ich immer, sie tun das, um das Tanzkönnen des anderen zu erkunden. Aber vielleicht hat das doch andere Gründe. Ist das mehr ein "Sympathie-Check"?

 

Heikvaldo: Wo sind meine "magischen Momente" hin?

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Wer meinen Blog von Anfang an gelesen hat, der kennt meine "magischen Momente". Also die Minuten bei denen die 3-Faltigkeit des Tango (Nur-sie-ich-und-die Musik) zum Vorschein kommt. Also die Augenblicke beim Tanzen, in denen die Körper beider Tänzer zu einer Einheit verschmelzen und die Musik für den Rest sorgt. Alles andere um uns herum gerät in Vergessenheit.

 

Die letzten Wochen habe ich allerdings solche Momente nicht mehr erlebt. Was ist geschehen? Was ist jetzt anders? Liegt es daran, dass ich mit vielen verschiedenen Frauen getanzt habe (eine "echte" Favoritin ist nicht dabei gewesen)? Fehlt mir sozusagen das "persönliche Interesse" an meiner jeweiligen Tanzpartnerin? Hat es deswegen nicht geklappt?

 

Oder liegt es am Tanz selbst? Ist es nicht mehr so interessant wie am Anfang? Kehrt bereits jetzt so etwas wie Routine ein? Wird es schon langweilig? Liegt es an den Stilrichtungen? Ich tanze mittlerweile ja auch viel Milonga und Vals. Selbst Nuevo habe ich kürzlich probiert. Ist das der Grund? Wo sind diese wundervollen Minuten der perfekten Gemeinsamkeit????? Ich will sie wieder haben!!!!!

 

Analyse! Ich habe mich tänzerisch ja wohl weiter entwickelt. Ich tanze mehr Elemente (Ochos, Sacada, traspie, ...). Verhindern die solche Momente? Wohl eher nicht. Oder doch? Natürlich muss ich mich dann mehr auf das Tanzen konzentrieren, als wenn ich "nur" gehe und einfache Elemente tanze. Das fordert mehr Gehirnarbeit. Bleibt deswegen weniger "Raum" für die Gefühlswelt?

 

Milonga und Vals möchte ich einmal zur Seite legen. Aufgrund des Tanztempos und der getanzten Musik liegt hierbei ja eher das fröhliche, schnelle im Vordergrund. Der Spaß an der Bewegung. Hier geht es primär nicht um den "Genuss" des langsamen. Aufgrund der Geschwindigkeit und des dabei zurückgelegten Weges muss ich mich auch mehr um die anderen Tanzpaare kümmern. Mein "Radar" ist beschäftigter. Ist das ein Grund?

 

Also konzentriere ich mich wieder auf den Tango. Bei den bisherigen "magischen Momenten" habe ich betont langsam und konzentriert getanzt. Ich nehme dann jede noch so kleine Regung meiner Tanzpartnerin wahr. Ich spüre ihre Atmung. Mein Gehirn wird nicht mit "Sonderaufgaben" belastet (jetzt den Ocho, dann ins Kreuz führen, dann ...). Ich tanze dabei auf kleinem Raum. Damit kann ich die Überwachungsaufgaben herunterfahren.

 

Ich denke, dass sind die entscheidenden Gründe. Ich muss mich mehr auf das Innere konzentrieren, als mich durch das Äußere ablenken zu lassen. Bei der nächsten Milonga werde ich das wieder mehr versuchen. Mal sehen, ob es dann auch wieder klappen wird.

 

Heikvaldo: Bizeps-Feelings ... man(n) lernt nie aus

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Natürlich ist jeder Mann stolz darauf. Je größer und dicker, desto besser. Der Bizeps. Zu finden am Oberarm, Vorderseite (nicht mit dem Trizeps zu verwechseln - der ist auf der Rückseite).

 

 

Und den dürfen Frauen ja auch mal anfassen. Manchmal. Aber: bitte nicht beim TA! Das versteht der Mann dann  - je nach Herkunft und TA-Ausbildung - u.U. doch anders. Warum? Abrazo, Umarmung. Offene Tanzhaltung, geschlossene. Hat wohl jeder schon einmal nachgelesen oder in der Tanzstunde gelernt.

 

Und dann gibt es noch eine dritte Variante. Die "ungeliebte"! Die "Bizeps-Variante". Die Frau legt ihre linke Hand auf den Oberarm des Mannes. Das bedeutet normalerweise: Sie fühlt sich aktuell in der gewählten Umarmung nicht wohl. Sie will deshalb den Abstand zwischen sich und dem Mann vergrößern. Ist ihr gutes Recht. Der Mann "lädt ein" und die Frau wählt (zumindest halte ich das so und mit mir viele andere).

 

Und wenn nun die Frau von sich aus mit ihrer linken Hand auf den Oberarm des Mannes fasst, dann bedeutet das ... genau! Sie will es nicht so! Also liebe Männer: dann bitte den Abstand vergrößern! So war mein bisheriges Verständnis zum Thema. Ist mir zum Glück bisher noch nicht passiert. Schließlich überlasse ich es der Frau, die Nähe zu bestimmen.

 

Und dann tanze ich mit einer neuen Tanzpartnerin und sie legt gleich zu Beginn des Tanzes ihre Hand auf meinen Oberarm. Uuuuugh! Ratlosigkeit. Sie wollte doch mit mir tanzen?! Sie hat meine Aufforderung ja angenommen. Also was ist das jetzt? Ich blicke sie fragend an und bin absolut unsicher was jetzt kommen soll. Wie üblich habe ich sie die Form der Umarmung wählen lassen. Also was ist das Problem?

 

Sie merkt jetzt auch, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich blicke zu ihrer Hand auf meinem Oberarm und dann wieder sie an. Ich frage sie, ob sie doch nicht mit mir tanzen möchte. Jetzt blickt sie ratlos. Dann erkläre ich ihr, was ich darunter verstehe. Und dann kommt das neue für mich. Sie hat es so in ihrer Tanzschule gelernt. Ist für sie die "normale" Tanzhaltung.

 

Aha. Wir beginnen zu tanzen. Alles in bester Ordnung. Anschließend bin ich noch ziemlich verwirrt. Also schnell einen Tanzlehrer zu Rate ziehen. Tatsächlich erklärt mir dieser, dass es auch diese Form der Tanzhaltung gibt. U.U. greift die Frau auch während des Tanzes nach dem Oberarm. Allerdings mehr als "Hilfestellung" - sie hält sich fest. Es scheint also Elemente zu geben, bei denen diese Art des Kontaktes notwendig ist. Gut, wieder etwas gelernt.

 

Nach einem längeren Gespräch einigen wir uns darauf, dass der Unterschied darin besteht, ob die Frau mit ihrer Hand gegen den Oberarm "drückt" (als Zeichen den Abstand zu vergrößern) oder ob sie sich einfach nur daran festhält. Gut, dann ist meine "Tangowelt" wieder in Ordnung. Seitdem habe ich viele male mit besagter Frau getanzt ... und sie hat ihre Hand bisher nie wieder auf meinen Oberarm gelegt ;-)

 

 

Heikvaldo: In eigener Sache

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Ich glaube, ich muss an dieser Stelle noch einmal etwas "erklären". Für wen schreibe ich diesen Blog?

 

Wie ich am Beginn meines Blogs (bzw. auch in der allgemeinen Beschreibung dazu) ausgeführt habe, ist dies ein Blog für Lernende das Tango Argentino. Die Betonung liegt hierbei auf "Lernende". Es geht also NICHT um Themen, die für gewöhnlich nach 3-4 Jahren Tango tanzen auftauchen. Es geht auch nicht um die verschiedenen Musikrichtungen (bestenfalls einmal am Rande). Und es geht (primär) nicht um Schritte, Tanzelemente (oder wie immer ihr dies beim TA nennen wollt).

 

Es geht hier (fast) ausschließlich um Themen, die - mehr oder weniger - jeder neue TA Tänzer bzw. Tänzerin irgendwann hat. Es sind Themen, die mich meist selbst beschäftigen, über die wir nach Tanzstunden oder bei Practicas bzw. Milongas diskutieren. Themen, die eben Anfänger beschäftigen. Da gibt es Unsicherheiten. Man(n) -  und Frau sicher auch - hat Angst, etwas falsch zu machen.

 

Ich schreibe von der Unsicherheit, als Neuling eine erfahrene Tanguera aufzufordern. Werde ich alles richtig machen? Im Feedback heißt es dann "pubertäres Getue". Nun ja, die Pubertät liegt Jahrzehnte zurück. Die Unsicherheit ist trotzdem da. Und ich möchte denjenigen sehen, der am Anfang seiner TA-Karriere nicht ebensolche Gedanken hatte.

 

Ich schreibe über Gefühle. Wer die nicht mehr hat, der tut mir allerdings leid. Wenn ich irgendwann ein "alter Hase" sein werde, werde ich mir hoffentlich immer noch Gedanken darüber machen, was meine Tanzpartnerin gerade empfindet. Aber ist das Unsicherheit? Gut, manche Tänzer scheinen sich eher weniger Gedanken um die Gefühle ihres Tanzpartners zu machen. Ob das allerdings "besser" ist sei dahin gestellt.

 

Jetzt muss ich die Erfahrung machen, dass mich Leser persönlich "angreifen", weil ihnen ein Thema bzw. ein Post nicht gefällt. Gut, wir haben ja Meinungsfreiheit. Jeder darf sagen was er will. Ich habe mir lange überlegt, wie ich damit umgehe. Was soll ich auf solche Kommentare sagen? Meine Antwort lautet: dann lest meinen Blog eben nicht!

 

Ich schreibe meine Meinung zu einem Thema. Es sind weder wissenschaftliche Abhandlungen, noch beanspruche ich für mich, die Wahrheit gefunden zu haben. Und meine Meinung kann eben von der einzelner Leser abweichen. Sie kann sogar einer anderem Meinung völlig entgegen stehen. Aber es ist eben meine Meinung. Es ist meine Sichtweise der Dinge. Und ich schreibe über das, was mich bewegt (oder eben andere in meinem Umfeld). Und auch das können Dinge sein, die Leser nicht interessieren.

 

Was für mich jedoch zählt, ist das Feedback derer, die ebenfalls relativ neu "im Geschäft" sind. Wenn ich von den "Frischlingen" dann genau zu Themen angesprochen werde, die ich hier bereits "verarbeitet" habe. Wenn ich den Tänzern dann hoffentlich zeigen konnte, ihr seid nicht alleine mit diesen "Problemen". Und noch besser: wenn ich ihnen Ratschläge geben konnte. Wenn ich ihnen irgendwie dabei helfen konnte, die "Hürden" zu überwinden und sich auf den Weg zu einem besseren Tänzer bzw. Tänzerin zu machen.

 

Heikvaldo: Voleos und andere Verenkungen

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"Er mag kein Wahnsinnstänzer sein. Aber das ist egal. Ich werde ihn mögen. Und ich habe ihn gemocht. Wirklich, von Herzen gern gemocht. Bis er mir den ersten Voleo angedeutet hat." (...) "Da gehen einem folgende Gedanken durch den Kopf: “Vergewaltigt werden wäre schlimmer. Denn so kann ich zumindest die Takte zählen und weiß, wann es vorbei ist." (...)

"Kurz nach der schrecklichen Tanda in jenem Land, dessen Name nichts zur Sache tut, tanzte ich mit einem Schüler. Der war noch ganz neu und konnte nichts außer geradeaus gehen, ins Kreuz führen und ein paar anderen, einfachen Elementen.

Aber er tat das so schön, in einer beinahe vollkommenen Umarmung, dass ich die Augen schloss und den Moment genießen konnte. Denn wie... so oft im Leben geht es nicht um “was“, sondern um “wie“, und man würde sich so sehr wünschen, dass die Männer es verstehen." Quelle: tango-c-a-t.

 

 

Ich sitze mit ein paar Frauen am Tisch. Die eine Tanguera erzählt mit leidvoller Miene: "...und dann hat er so stark an meinem Arm gezogen ... und er drückt dabei immer so fest ... der reißt dich hin und her ... da wirst du wie eine Schaufensterpuppe behandelt". Eine andere meint: "Bei der Führung kommst du dir wie eingesperrt vor. Der packt dich mit einer Gewalt am Rücken ...". Bin ich froh ein Mann zu sein!

 

Und dann holt sich einer "meine" Tanzpartnerin. So weit alles easy. Wir anderen unterhalten uns weiter und die beiden tanzen. Nach 1-2 Minuten kommen sie wieder an unserem Tisch vorbeigetanzt. Aber was ist das? Sie hat ihre Hand vollkommen verkrampft auf seinem Rücken????  Und ihr Blick spricht Bände. Du kannst ihr Leiden an ihren Augen ablesen. Jetzt muss ich die beiden doch genauer beobachten. Was ist da los?

 

Er führt "Figuren", die sie nicht kann. Ich kenne ja ihr Repertoire. Es sollte es aber doch eigentlich auch merken. Sie also völlig gestresst im Versuch, all seine Wünsche zu erfüllen. Merkt er das nicht? Sie tanzt völlig verkrampft. Der muss Holzfäller sein. Besonders sensibler Typ. Ich bekomme richtig Mitleid mit ihr. Wäre es meine feste Partnerin, dann hätte ich dem wohl ein Ende gemacht. So stecke ich etwas in der Zwickmühle. Eingreifen oder nicht?

 

Klar, jetzt erklärt er ihr auf der Tanzfläche, was sie wie zu tun hat. Alle umstehenden (um-tanzenden) freuen sich über den "Stau". Warum "bedankt" sie sich nicht sofort bei ihm und ENDE? Sie traut sich wohl nicht. Er ist ja auch ziemlich "präsent". Als die Tanda vorbei ist "liefert" er sie wieder ab (naja, eigentlich hat sie sich eher wieder an unseren Tisch "geschleppt").

 

Da kann ich mit ihr zur Entschädigung anschließend nur ein paar ganz "vorsichtige" Tänze absolvieren. Sie klagt mir ihr Leid dabei. Er hat sie völlig überfordert. Also besonders sorgsam führen. Nur kein Rempler. Jetzt auch keine Drehungen, sondern kleine Schritte. Bis sie sich wieder beruhigt hat.

 

Beim nach Hause gehen bin ich mir sicher, Frauen wollen keine "Trophäen" sein (die auf dem Parkett stolz "herumgezeigt" werden). Sie wollen sich in erster Linie sicher und wohl beim Tanzen fühlen. Und wenn ich eine beim Tanz als Trophäe "erobern" will ... dann bitte zuerst mit Sorgsamkeit und Rücksicht und dann erst mit Können, Raffinesse, ... aber niemals mit "Gewalt"!

 

Heikvaldo: Die neuesten Trends aus Buenos Aires

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So, ich komme gerade zurück von einem Kurztrip nach Buenos Aires. Es war schön, wieder einmal die vielen Bekannten Gesichter zu sehen. Mit Freunden die Nächte zum Tag zu machen und endlos über die "pista" zu drehen.

 

 

Nun ist Buenos Aires ja nicht nur die "Heimatstadt" des TA, sondern sie ist auch dafür bekannt, immer wieder neue Trends in Sachen Tango hervor zu bringen. Und so hatte ich Gelegenheit, in einigen der angesagtesten Clubs der Stadt zu bestaunen, was es tangotechnisch Neues gibt. Und da alles Neue über kurz oder lang auch bei uns in Deutschland "aufschlagen" wird, möchte ich euch bereits jetzt darauf vorbereiten.

 

Und vorbereiten ist m.E. auch dringend notwendig. Warum? Nun, sagen wir einmal so: nicht alles Neue ist auch gut. Der Argentinier an sich ist dem Tango wohl in einer sehr traditionellen Art verschrieben. Hier werden die codigos noch akribisch eingehalten. Auffordern ohne cabezeo oder "Damenwahl" - das gibt es nur "abseits" der großen Milongas. Ansonsten ist hier noch alles "in bester Ordnung".

 

Umso erstaunter war ich, als ich sowohl beim Besuch der "Milonga de Las Morochas" (El Beso, Riobamba 416), als auch im "Rivadavia Club" (Rivadavia 8619, Floresta) einen mir bisher zwar optisch vertrauten, aber beim TA doch eher gewöhnungsbedürftigen neuen Bekleidungstrend "bestaunen" durfte. Auf Nachfragen wurde mir mitgeteilt, dass es sich hierbei um den sog. "tendencia universo" handelt (zu deutsch in etwa soviel wie "Weltalltrend").

 

Etwa zwei Drittel der Anwesenden Tänzer und Tänzerinnen war in dieser neuen, mehr oder weniger einheitlichen, "Uniformen" erschienen. Farblich jeweils in rot und schwarz gehalten und als "krönenden" Abschluss mit schwarzen Schnürstiefeln versehen (siehe Fotos).

 

 

 

Ich konnte nicht klären, ob es sich damit um eine Art Protest gegen irgendetwas handelt oder ob die gewählte Form sozusagen die "Rassenunterschiede" "bekämpfen" bzw. "Soziale Gleichheit" symbolisieren soll. Ich habe vorsichtshalber noch einmal nachgefragt, ob eventuell eine Art von spätem Fasching in Argentinien gefeiert wird oder ob ich auf einer dieser "Trecki" Partys gelandet bin. Leider wurde beides verneint.

 

Doch damit leider noch nicht genug. Um für jedermann als "Singlefrau" bzw. "Unverheiratete" erkennbar zu sein, gibt es spezielle "chicadona" Uniformen. Hierbei handelt es sich um die aufreizendere Variante, die allerdings von vielen der anwesenden "Jungfrauen" mit sichtlichem Stolz getragen wurden.

 

 

 

Ich gebe ja gerne zu, dass mir das Führen bei diesen Oberteilen mehr Spaß gemacht hat als gewöhnlich. Irgendwie war es dann aber doch langweilig, dass jede der jungen Damen gleich bekleidet war. Die Frauen fanden die "luftige" Variante allerdings durchaus praktisch in der schwüle der Stadt.

 

Ach ja, beinahe hätte ich es vergessen. Als besonderes "Aufmerksamkeit" haben meine guten Freunde mir natürlich auch so eine "Uniform" geschenkt (da ich jedoch meine Privatsphäre liebe und in dieser "Verkleidung" lieber nicht erkannt werden möchte, habe ich das Foto etwas überarbeitet).

 

 

Jetzt werdet ihr natürlich fragen, warum die blau ist? Die Argentinier sind in manchen Dingen ja schon praktisch. "Gäste" (bzw. Ausländer im Allgemeinen) haben blaue Uniformen und sind damit sofort als solche erkennbar. Dies hatte den Vorteil, dass sich manche der anwesenden Frauen um mich gerissen haben (viele wollten unbedingt einmal mit einem Ausländer tanzen). 

 

Vermutlich hat es eher den Grund, warum z.B. Leihwagen in manchen Ländern (vor allem die mit Linksverkehr) mit anders farbigen Nummernschildern gekennzeichnet werden (Achtung Gefahr!). Soll wohl eher ein Hinweis darauf sein, dass man(n) auf der Tanzfläche einen großen Bogen um uns machen soll, damit niemand gefährdet wird. Ich persönlich kam mir doch etwas dämlich in dem Ding vor. Aber naja: andere Länder, andere Sitten.

 

Vorbei sind damit wohl  bald die Zeiten, als die Frauen noch in schönen Kleidern und Röcken zur Milonga gingen. In denen elegant "verpackte" Beine in ebenso eleganten Schuhen steckten. Bleibt mir nur zu hoffen, dass nicht jede(r) diesen Trend mitmacht.