Heikvaldo: (Tango-)Handwerk hat keinen goldenen Boden

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Ja, die guten Handwerker. Da wird geschoben, gedrückt, gedreht, gezogen. Mit Hingabe und Leidenschaft und unter Einsatz jeder Menge Kraft und Gewalt. Was im echten Leben - dem eines Handwerkers - sicher ehrenvoll ist, hat auf der Tanzfläche allerdings (glücklicherweise) nichts zu suchen.

 

Ich hatte darüber ja schon geschrieben. Jetzt begegnet mir wieder einmal ein Musterexemplar an schlechtem Beispiel. Die Frauen in meiner Umgebung gehen alle in Deckung, sobald besagter Tänzer sich nähert. Es gibt also anscheinend hier noch Klärungsbedarf.

 

Seinerzeit hatte ich geschrieben, dass der Führende die Folgende wie ein rohes Ei behandeln soll. Soweit ich es beurteilen kann, bevorzugen Frauen (die ja üblicherweise die Folgenden sind) eine sanfte(re) Behandlung. Wenn der Herr (als Führender) in der Lage ist, seine Führung OHNE Einsatz der Arme, ohne Gewaltanwendung zu übermitteln, besteht auch überhaupt kein Grund, seine Tanzpartnerin gewaltsam zu steuern.

 

Jetzt beobachte ich hier einen Tänzer, der ständig mit seinem rechten Arm an der Frau zieht ("jetzt dreh dich doch endlich") und schiebt ("jetzt in die andere Richtung"). Da ist weder von Eleganz, noch von Genuss etwas zu sehen. Ist eher rohe Gewalt. Körpereinsatz. Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wird versucht, der Gegenüber zu zeigen, was er will.

 

Und wenn es sein muss, dann wird auch der linke Arm eingesetzt. Wäre doch gelacht ... Ja, aber leider nur für den Mann. Die Frauen blicken doch eher leidend. Mit dieser Form der "Handwerkskunst" sollten eher Holzschnitzereien o.d. entstehen. Beim TA bitte nicht. Da leidet manchmal mehr als nur das Auge des Zuschauers.

 

Gut, am Anfang haben wir das wohl auch alle mehr oder weniger. Als Führender steht man zumindest am Anfang in dem Irrglauben, die Frau mittels Einsatz solcher Instrumente führen zu müssen. MITNICHTEN!

Wenn man(n) es richtig macht, dann braucht man(n) keinerlei Gewalt. Nicht einmal wirklich Kraft. Es geht eher von ganz alleine. Dreh als Führender deiner Oberkörper, lass die Arme dabei möglichst unbeteiligt und ... schwupp die wupps.

 

Geht doch. Die Frau soll eher spüren was er will, nicht gewaltsam fühlen müssen. Klar, muss auch erst einmal gelernt werden. Ist aber am Ende sicher wesentlich eleganter, schöner, sanfter. Also wird die Gefolterte zur nächsten Tanda aufgefordert. Kampfbereit steht sie da. Auf in die nächste Runde. Aber ich kämpfe nicht mit ihr. Ich beginne sanft zu tanzen. Mein Oberkörper dreht sich. Durch die eingegangene Verbindung (embrace) kann sie ja gar nicht anders als sich auch mit zu drehen. Sie spürt, irgendwas ist anders. Schließlich kann sie sich darauf einlassen.

 

Und am Ende zwei strahlende Gesichter. Tango ist KEIN Kampfsport! Ja ja, so ganz ohne Werkzeugkoffer zur Milonga. Das können sogar Handwerker ;-)

 

Heikvaldo: Der Rekord steht bei ...

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Die Zeit läuft. 3:31 min. wird dieser Tango dauern. So ein Standard-Normal-Tangopaar wie ihr und ich wird in dieser Zeit so geschätzte etwa 200 Schritte schaffen. Das ergibt also so etwa 40 "Elemente" (Figuren). Aber wer will schon normal sein?

 

Ich sitze schon fast sprachlos da und beobachte dieses Tanzpaar. Sie war mir zuerst aufgefallen. Nicht, weil mir ihr Äußeres gefällt. Auch nicht das schöne Kleid, ihr Make Up, die Haare. Alles bestens. Sie ist mir aufgefallen ... weil sie kein einziges Mal lächelt. Tanz um Tanz wird abgespult. Aber von Freude weit und breit keine Spur.

 

Wie auch? Dazu haben die beiden ja auch gar keine Zeit. Ich beobachte und staune. Alle anderen Tanzpaare kommen so auf die oben erwähnte Anzahl von Schritte. Dieses Tanzpaar jedoch ist vermutlich auf Rekordjagd. Wer schafft die meisten Schritte pro Lied? Es geht zack-zack. Schlag auf Schlag. Zugegeben, ihr Repertoire ist umfangreich. Es sind gute Tänzer. Mit dem Können wäre ich fein raus.

 

Aber irgendwas läuft falsch. Keine Spur von Genuss. Keine Freude im Gesicht. Aber Schritte, Schritte, Schritte. Möglichst viele, möglichst schnell. Nun, vielleicht habe ich es nur nicht mitbekommen. Ich suche also die Mitarbeiter und Kontrolleure vom Guinnessbuch der Rekorde. Aber niemand steht da und zählt. Also warum diese Eile?

 

Ihr Gesichtsausdruck ist wie gemeißelt. Nun ja, vermutlich muss sie sich bei diesem Tempo auch voll konzentrieren. Aber warum das Ganze? Warum tanzen die beiden? Kann ich hier wirklich unterstellen, dass die Freude am Tanz im Vordergrund steht? Können (wollen) die beiden diesen Tanz genießen? Macht es irgendwie Spaß? Ich habe da so meine Zweifel.

 

Worin liegt der Antrieb für die beiden? Ich erfahre schließlich, es ist auch im Leben ein Paar. Aha. Und sie tanzen ausschließlich miteinander. Nie mit jemand anderem. Gut, dass kann jeder für sich entscheiden. Ich habe da eine andere Meinung. Aber gut. Aber warum so schnell? Warum kein bisschen Freude?

 

Erinnert mich irgendwie ein bisschen an einen Wettstreit oder gar -kampf. Ja, Wettkampf . Die beiden kämpfen miteinander. Ohne Worte. Sie bewerfen sich gegenseitig mit Schritten und Bewegungen. Wer macht zuerst einen Fehler? Ist das der Grund? Fast wie Fast Food. Hingehen, essen, fertig. Keine Zeit oder Lust auf Genuss. Reine Nahrungsaufnahme. Die Musik beginnt, die beiden stehen auf, gehen auf die Tanzfläche und los. Zack-zack-zack und fertig. Wieder hinsetzen. Bis zum nächsten Stück.

 

Aber ... wer will das? Ich verziehe mittlerweile angewidert das Gesicht. Das kann es doch nicht sein. Nicht beim Tango. Dem Tanz der Herzen. Erinnert mich daran, dass ich bei nächster Gelegenheit für die beiden eine Kerze stifte. Auf dass ihnen die Augen geöffnet werden und sie den wahren Wert eines Tangos erkennen und schätzen.

 

Heikvaldo: Üben, üben, üben

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"Die Männer tun zu wenig für ihre Weiterbildung im Tango!" Oft gehört. Von Frauen. Stimmt das?

 

Kann ich allgemein natürlich nicht beantworten. Ich kann hier nur für mich sprechen. Aber ich hab wieder etwas dafür getan. Ich habe mich weitergebildet. Das Problem ist nur, üblicherweise "schlummert" in uns (Männern) die linke (?) Hirnhälfte. Und vermutlich ist dort das Zentrum für das notwendige "Verständnis" beim Lernen.

 

Da haben es die Frauen wohl leichter. Sie benutzen ja bekanntlich beide Hirnhälften. Nein, im Ernst, vermutlich fällt es beiden Geschlechtern gleich schwer. Ist wohl eher vom jeweils Lernenden selbst abhängig. Dem einen fällt es leichter, dem anderen eben nicht.

 

Lernen ist schwer. Vor allem in unserem Alter (wohl die wenigsten TA-Tänzer sind um die 20). Da musst du schon eine gehörige Portion Interesse an der Sache haben, um mit all dem Frust (weil es nicht oder nicht auf Anhieb klappt) fertig zu werden. Du fühlst dich wie ein I**ot. "Stell nur ich mich so blöd an?"

 

Ich denke beim TA lernen ist es nicht viel anders wie bei anderen "Sportarten" (also Hobbys mit Körpereinsatz). Manches fällt leichter, manches schwerer. Manches klappt auf Anhieb, manches wird vielleicht niemals klappen.

 

Für mich ist ein entscheidendes Bindeglied zwischen TA-Unterricht und Milonga die Übung. Die echte Practica. Kein neuer Stoff, sondern Bekanntes vertiefen. Einüben. Immer wieder. Bis es sitzt. Bis es so fest im Hirn verankert ist, dass es wie automatisch beim Tanzen heraussprudelt.

 

Da nützt es nichts, wenn ständig neues gelernt wird. Wichtiger scheint mir, die gezeigten Neuigkeiten zu vertiefen, zu praktizieren. Und ich sollte erst dann wieder etwas Neues anfangen, wenn der "alte" Stoff komplett verarbeitet ist. Ansonsten ist es wohl schade um das Geld (für den Kurs/Workshop). Allzu viel wird dann wohl nicht hängenbleiben, da der Kopf noch mit anderem gefüllt ist.

 

Heikvaldo: Die Wahl der richtigen Schuhe - Teil II

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Nachdem ich in Teil 1 den klassischen Herrenschuh und Tanzschuhe mit Chromledersohle beschrieben habe, möchte ich im 2. Teil die sog. "Dance Sneaker" beschreiben.

 

Hierbei handelt es sich um spezielle "Turnschuhe" mit geteilter Gummisohle. Das Profil der Sohle ist "kreisförmig" und damit speziell für Drehbewegungen ausgelegt. Erhältlich sind die Schuhe u.a. in Ballettshops zu Preisen ab ca. 60 EUR in verschiedenen Farben. Mittlerweile trifft man nicht mehr nur Frauen mit diesem "neuartigen" Schuhwerk, sondern auch immer mehr Männer entdecken die Vorzüge der Schuhe.

 

(Modellbeispiele)

 

Erstaunlich finde ich persönlich die "Drehfreudigkeit" des Schuhes mit gleichzeitig vorhandener "Längsstabilität". D.h., man kann gut Drehen und hat trotzdem in Laufrichtung genügend "Halt" (anders als das z.B. bei Chromlederschuhwerk ist). Zudem ist die Pflege der Schuhe extrem einfach (Ausbürsten bzw. Abwaschen mit Wasser genügt in den meisten Fällen). Die Sohle selbst muss überhaupt nicht gepflegt werden. Und das ist für mich ein weiterer Vorteil.

 

Während Chromledersohlen immer wieder gebürstet (aufgeraut) werden müssen, entfällt dieser Schritt bei den Sneakern völlig. Auch ist die Gummisohle unempfindlich gegen Nässe (wer schon einmal mit Chromledersohlen in eine Pfütze oder nasse Straßen getreten ist weiß wie sehr die Sohle anschließend auf dem Boden "klebt" und den Tanzspaß für die nächste Stunde damit unmöglich macht). Auch entfällt ein "Spannen" der Schuhe (mit Schuhspannern).

 

Zumindest ich habe damit meine neuen Lieblinge für den Tango (und andere Tänze) gefunden. Einzig die elegante Lacklederoberfläche gibt meinen anderen Schuhen noch eine Daseinsberechtigung für offizielle Tanzbälle oder Auftritte.

 

Heikvaldo: Happy Birthday!

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Ja ja, so schnell vergeht die Zeit. Und schwupps sind sie groß. Dabei waren sie doch gestern noch sooo süß und putzig ...

 

Aber ganz soweit ist es ja noch nicht. 1 Jahr! So alt (oder besser jung) ist mein Tangoblog letzten Samstag geworden. Ist schon erstaunlich wie schnell trotzdem so ein Jahr vorbei geht. Damals, so jungfräulich. Das "blind-date" Treffen vor dem Tangostudio. Schuhe an und los. Wer hätte gedacht, was sich in dem folgenden Jahr alles ändern wird.

 

Was hat sich in diesem Jahr tangomäßig getan? Nun, 118 Posts (Einträge), über 16000 Leser gesamt. Alles nicht schlecht. Auch wenn ich in letzter Zeit etwas ruhiger geworden bin. Gibt es nicht mehr so viel zu berichten? Liegt eher an meiner Zeit. Und vielleicht beobachte ich nicht mehr so viel. Ich bin viel zu sehr mit mir und meinem Tango beschäftigt. Immer noch. Lernen, lernen, lernen. Und üben. Immer und immer wieder.

 

Mittlerweile habe ich es sogar schon zum größten online Buchhändler geschafft. Obwohl der zwischenzeitlich viel mehr als nur noch Bücher vertreibt (ihr könnt mich dort ja mal unter "heikvaldo" suchen. Es gibt schon zwei ebooks zum Download). Und ich erweitere meinen Tanzbereich. Zuerst innerdeutsch, demnächst sogar im Ausland. Es tut sich also immer noch ziemlich viel.

 

Wie geht es weiter? Ich denke, ich bin in einer neuen Tangophase. Meinen eigenen Fehler werden mir bewusst(er). Ich spüre besser, wenn etwas nicht stimmt. Und daran (also an den Fehlern) wird gearbeitet. Und erst wenn ich zufrieden bin, dann gehe ich auf die Suche nach neuen Schritten/Figuren.

 

 

 

Heikvaldo: Basics? Basics!!!

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Knapp ein Jahr Tango und immer noch ganz am Anfang. Frustrierend oder ganz normal?

 

Regelmäßige Leser meines Blogs werden wissen, dass ich beim TA auch auf Kleinigkeiten u.U. sehr viel Wert und/oder Zeit lege. Die richtige Tanzhaltung ... oft geübt, aber noch nicht perfekt?! Ja, gut Ding will Weile haben. Auch wenn dieses Thema im Unterricht wohl kaum mehr als 5 Minuten bekommt.

 

Aber diesmal bin ich wieder ganz am Anfang angekommen. Ich übe Gehen. Wieder einmal. Meine strenge Tanzpartnerin ist (immer noch oder wieder) unzufrieden (wenn ich ehrlich bin, dann auch zurecht). Die Hüfte ist zu weit vorne, ich "überhole" sie beim seitlichen gehen, ... Hätte ich gewusst, was man(n) beim Gehen alles falsch machen kann, wäre ich vermutlich ein Vogel geworden und hätte fliegen gelernt ;-)

 

Also volle Konzentration. Ein Fuß nach vorne, die Hüfte bleibt aber hinten, dann das Gewicht vom hinteren Bein auf das andere verlagern. Dabei den Schritt aber nicht an der Frau vorbei, sondern mehr oder weniger direkt "in sie hinein" gehen. Wunderbar! Ein Schritt ist geschafft. Sind also nur noch ca. 165 bis zur nächsten Cortina. Dabei ist der Rest der Truppe schon weitergezogen und übt Volcadas.

 

Aber ich merke, dass ich lieber "hier" bleiben will. Was nützen mir die tollsten Schritte, wenn es mit den Basics noch nicht so richtig klappt. Oder zumindest mir ist es zu wenig (meiner Tanzpartnerin sowieso). Ich bin der Meinung, das sollte noch geübt werden. Bis es wirklich richtig sitzt. Danach ist noch genug Zeit für die "tollen" anderen Sachen.

 

Dann Partnerwechsel. Ich tanze mit einer Bekannten. "Das ist schön!" Nanu, sie hat es bemerkt? "Besser als früher." Dabei laufe ich nur. Base. Scheint also wirklich einen Unterschied zu machen. Also doch wieder "weniger ist mehr" (nur, falls ihr das wieder vergessen habt). Aber vermutlich bin ich der einzige, der glücklich ist, wenn er richtig Gehen kann. Für alle anderen ist "je mehr - desto besser". Schritte, Figuren, Drehungen ...

 

Also schnell ins Druckstudio und ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Heikvaldo: ich bin nicht verrückt - ich übe nur richtiges Gehen!" holen. Sonst sperrt mich die Polizei demnächst noch ein, wenn ich auf dem Weg zum Bäcker richtiges Gehen übe (weil einige Passanten denken, der tickt doch nicht richtig :-))

 

Heikvaldo: Die Wahl der richtigen Schuhe - Teil 1

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Sicher ein wichtiges Thema beim Tango: die Wahl der richtigen Schuhe. Ich möchte mich hier jedoch nicht zu modischen und optischen Gesichtspunkten wie Farbe äußern, sondern das Ganze rein aus praktischer Sicht bewerten. Und ich beschreibe Herrenschuhe. Inwieweit die folgenden Aussagen auch für Damenschuhe zutreffen, vermag ich nicht zu beurteilen.

Allerdings dürfte das Material der Sohle auch bei Damenschuhen ähnliches bewirken. Somit dürften die Kriterien wohl annähernd vergleichbar sein. Anders sieht es bei der Wahl der Absatzhöhe aus. Diese ist bei Herrenschuhen ziemlich "übersichtlich". Sie bewegt sich meist im Bereich 0-4 cm. Deshalb möchte ich hierauf auch nicht weiter eingehen. Die von mir bevorzugten Modelle haben alle etwa 2 cm Absatzhöhe.

Das ist bei Damenschuhen natürlich anders. Hier wollen manche anscheinend hoch hinaus. Da sind auch gerne 12 cm und mehr zu sehen.

Der erste Schuh ist der klassische Herrenschuh. Leicht profilierte Sohle aus Kunststoff. Ich verwende einen weichen Lederschuh (schon fast "Ballettschläppchen"). Der Schuh bietet genügend Halt auch bei sehr sportlich getanzten Milongas. Die Drehfreudigkeit ist ausreichend. Ledersohlen bieten hier aber deutlich mehr. Dieser Schuh lässt sich auf fast jedem Bodenbelag verwenden.

Ich würde ihn einen Allroundschuh nennen wollen. Keine besonderen Stärken, aber auch keine besonderen Schwächen. Getreu dem Motto: "wer tanzen kann, der kann mit jedem Schuh tanzen" ist das wohl die erste Wahl für Einsteiger. Vorteil: es muss kein neuer Schuh gekauft werden.

Ein weiteres Modell ist der klassische Tanzschuh mit Rauhledersohle. Dieser Schuh bietet weniger Halt als der oben beschrieben Schuh. Es sind also durchaus Rutschpartien möglich. Eine gewisse "Einarbeitungszeit" ist wohl notwendig, um mit diesem Schuh zurecht zu kommen. Dann steht einem erstklassigen Drehvergnügen aber nichts mehr im Wege.

Die Sohle dieses Schuhes muss jedoch immer wieder mit einer speziellen Drahtbürste aufgeraut werden. Somit bedarf dieser Schuh immer einer gewissen Pflege. Geeignet erscheint mir dieser Schuh nur für Holz- bzw. PVC-Böden (bei den Preisen möchte man das gute Stück auch nicht unbedingt z.B. auf Steinboden ausprobieren und dann feststellen, dass die Lebensdauer dadurch deutlich verringert wurde).

In Teil 2 möchte ich mich dann mit den sog. Tanzsneakern befassen.

 

Heikvaldo: Stilkrise? Von wegen

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Traditioneller Stil, Nuevo, Non, Elektrotango... Was gibt es nicht alles für Tangostile. Vermutlich haben die meisten von uns ihre Tangokarriere im traditionellen Stil begonnen. Ich kenne zumindest keine Tangoschule, wo im Anfängerkurs andere Musik präsentiert wird.

 

Und so begleitet uns diese Musik die ersten Monate. Wir lernen dann eine Milonga und den Vals kennen. Und irgendwann kommt vielleicht der Zeitpunkt, wo es ein bisschen langweilig wird. Nicht der Tanz. Aber die Musik dazu. Wir haben mittlerweile mindestens tausendmal einen Tango gehört und dazu getanzt. Einiges kommt uns bereits sehr vertraut vor. Von manchen Stücken können wir sogar den Komponisten nennen.

 

Es fallen Sätze wie "immer das gleiche". Und dann verfallen wir entweder in eine Krise (davon gibt es im TA ja mehrere - verschiedene) oder aber wir gehen "fremd", wir experimentieren. Wir probieren neues aus. Wir suchen "neue", "andere" Musik. Gelegenheiten gibt es ja genug. Eine kleine Recherche in den einschlägigen Tangoportalen und schnell wird man fündig.

 

Also, fix die Tangoschuhe gepackt und auf in die weite Tangowelt. Wir probieren Nuevos, Elektrotango, Nontangos. Manches geht leichter ins Ohr, bei manchen Stücken stehe ich eher ratlos da. Was bitte soll ich darauf tanzen? Das klingt wie Walgesänge in der U-Bahn. Schwierig. Anderes dagegen ist eher vertraut. Otros Aires. Davon habe ich auch schon vieles in meiner Sammlung. Das geht leichter.

 

Also stehst du auf der Tanzfläche und überlegst. Du probierst herum, du versuchst die Musik zu interpretieren. Denn darum geht es doch - oder? Ochos? Passen hier nicht. Gehen ... das geht immer. Tempowechsel, mal schneller, dann wieder ganz langsam. Du erfindest neue Drehungen. Ich erlaube mir sogar kleine "Diebstähle" aus dem Standardtanz. Du dieser Musik kannst du fast alles verwenden.

 

Und so wird aus der vermeintlichen Krise ganz schnell richtig Spaß. Vorausgesetzt, du hast eine Tanzpartnerin, die das genauso sieht. Sonst dürfte es wohl eher in einem Desaster enden. Wenn auch nicht für dich, dann jedenfalls für die Zuschauer. Und so schwärme ich noch heute von meinen 720-Grad Drehungen (dafür musste meine Tanzpartnerin extra die Schuhe wechseln).

 

Heikvaldo: Monogamer Tango

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Wer will das schon? Nun, einige. Was in einer Beziehung (normalerweise) erwünscht ist, ist beim Tango vermeintlich kontraproduktiv. Trotzdem wird es praktiziert. Ergebnisse eines Selbstversuches.

 

Ich kenne einige Tangopaare, die tanzen ausschließlich mit ihrem Partner. Also habe ich das auch einmal versucht (und damit möchte ich mich bei all meinen anderen Tanzpartnerinnen entschuldigen, die die letzten Wochen etwas kurz gekommen sind. Aber manchmal muss man(n) Opfer im Dienste der Wissenschaft bringen ;-)). Ich tanze also (fast ausschließlich) mit der gleichen Frau. Über mehrere Wochen hinweg.

 

Vorteile? Klar, man versteht sich (fast) blind. Die Dinge klappen immer besser. Vermeintliche Fehler werden ausgeglichen. Man kennt den anderen. Es ist genug gegenseitiges Vertrauen da, um Neues auszuprobieren. Man kommt insgesamt vorwärts. Es entfallen all die weniger amüsanten Tänze mit anderen Tanzpartnern (die ein anderes Niveau haben). Man ist eher bereit dem anderen Feedback zu geben. So kann auch Kritik angebracht werden.

 

Also alles in allem durchaus jede Menge Vorteile. Und wie sieht es mit Nachteilen aus? Der Vorteil des Fehler Ausgleichgens entpuppt sich hier als Nachteil. Andere Tanzpartner tun (können) das nicht. Nur so werden uns diese Fehler bewusst. Sonst würden wir sie gar nicht mehr wahrnehmen. Es ist also durchaus hilfreich, (viel) mit anderen zu tanzen.

 

Frau tanzt nur, was der feste Tanzpartner an Repertoire hat. Dadurch entgeht ihr die "Übung" mit anderen Partnern, anderen Bewegungsmustern. Auch der unterschiedliche "Führungstil" der Männer ist der Frau dadurch nicht (mehr) so vertraut. Als Mann "brennt" sich mir die Führung für genau diese eine Frau ein. Bei anderen Frauen mag manches damit aber nicht mehr klappen. Sie sind u.U. anderes gewohnt.

 

So habe ich beim "Test" festgestellt, dass ich mit anderen Frauen plötzlich nicht mehr so gut zurecht kam. Hat sich meine Führung zu sehr an der festen Tanzpartnerin orientiert. Habe ich zu viel vorausgesetzt? Wird die nonverbale Paarkommunikation durch die "Monogamie" negativ beeinflusst?

 

Und so habe ich mir zum Abschluss des Experiments eine ganzen Abend lang polygamen Tango gegönnt. Jede Menge verschiedener Tanzpartnerinnen. Bei jeder einzelnen habe ich mich zu Beginn der ersten Tanda erst einmal voll auf sie konzentriert. Was geht? Wie geht es? Und dann langsam anfangen.

 

Und meine Erkenntnis aus dem Versuch? Ich werde mir einen monogamen "Tangoharem" leisten. Viel mit der einen (festen) Tanzpartnerin tanzen. Das macht am meisten Spaß und fördert mein Vorwärtskommen. Aber gleichzeitig viel mit verschiedenen Frauen tanzen. Dadurch werde ich nicht "tangoblind". Und schließlich macht es auch immer wieder Spaß mit einer neuen Frau zu tanzen.

 

Heikvaldo: Mach dich locker

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Ich habe es zwar schon in ähnlicher Form geschrieben, aber es  ist glaube ich wieder einmal notwendig. Ein Thema, dass sicher jede Frau am Anfang durchlebt: Aufregung und damit verbundene Verkrampfung.

 

Aus meiner Zeit als Frau - also wenn ich die Rolle des Folgenden übernehme - ist mir die Thematik nur all zu vertraut. Ich weiß nicht, was kommt. Das macht unsicher. Ich verkrampfe mich. Vermutlich ein Überbleibsel aus der Zeit, als wir diese Schutzfunktion noch gebraucht haben. Genauso geht es wohl vielen Frauen zu Beginn ihrer TA-Karriere.

 

Als Mann spüre ich es sofort bei der Umarmung. Ihr rechter Arm ist fast steif. Nicht wegen dem notwendigen und gewünschtem leichten Gegendruck, sondern steif vor "Angst". Ihr ganzer Oberkörper ist etwa so elastisch wie ausgehärteter Stahl. Ihr ganzer Körper eine einzige starre Masse. Aufregung. Unsicherheit? Egal. Was zählt ist das Resultat. So kann man nicht (zumindest nicht gut) zusammen tanzen.

 

Reden. Ich verspreche, keine komplizierte Führung. Nur einfaches Gehen für den Anfang. Natürlich glaubt sie mir am Anfang nicht. Da spielen Erfahrungen eine Rolle. Also sacht Einwiegen. Gemeinsam den Takt aufnehmen. Ruhe ausstrahlen. Der erste Tango ist zäh. Aber ich halte mein Versprechen. In der Pause beruhigen. Mut machen. "Lass dich fallen". Leichter gesagt als getan. Ist mir klar.

 

Beim zweiten Tango versuchen weiterhin Ruhe auszustrahlen und ihr die Sicherheit zu geben, dass mich keiner ihrer "Fehler" stört. Ich "bemerke" gar nicht was falsch läuft. "Alles gut. Das wird schon". Natürlich ist sie sich der Sache bewusst. Und genauso natürlich kann sie kaum etwas dagegen tun. Sie braucht die Bestätigung, dass alles okay ist. Sie muss sich trauen, "loszulassen" ohne Angst vor dem "Auslachen", Spott.

 

Ich versuche ihr, etwas Selbstvertrauen zu geben. Funktioniert einfaches Gehen gut? Oder ist sie eher auf Ochos "geeicht"? Irgendetwas was ihr hilft, ihre eigene Stärke (wieder) zu finden. Beim dritten Tango merke ich, dass sie sehr gut ins Kreuz gehen kann. Also ein paarmal die Base mit Kreuz. Gut geführt, damit es auch wirklich klappt.

 

Jetzt ein dickes Lob für sie. Ich spüre, wie ihr Druck im Arm nachlässt. Sie versucht jetzt aktiv die Anspannung zu lösen oder zumindest zu lockern. Jetzt kann es langsam losgehen. Aber die Tanda ist zu Ende. Noch ein Spruch für ihr Selbstvertrauen beim Weg zurück zum Tisch. Mehr kann ich wohl nicht tun.

 

Und warum sind die Frauen so? Neben der beschriebenen Unsicherheit, sind vermutlich auch wir Männer Teil des Problems. Wie oft fallen bei solchen Gelegenheiten Sprüche wie "du kannst überhaupt nicht Tanzen". "Mein Gott, jetzt stell dich nicht so an". "Du lernst es nie". In Folge sind die Frauen dann unsicher und verkrampft. 

 

Solch männliches Verhalten ist wohl genauso hilfreich, wie Kommentare der Frauen, dass die Führung schlecht ist (Ausnahme: gezieltes Feedback anstelle von allgemeiner Kritik). Was wollen wir den (alle) beim Tanzen? Dass der andere frustriert die Bühne verlässt oder dass er/sie den Weg findet?

 

Also liebe Tanzpartnerin ... mach dich locker ;-) ... dann klappt's auch mit dem Nachbarn.

 

Heikvaldo: Manchmal hilft es die Frau zu sein

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Rollentausch. Immer wieder hilfreich. Aus den unterschiedlichsten Gründen tauschen Tänzer manchmal die Rollen. Spaß, Neugier, Interesse, mangels anderem Tanzpartner. Da tanzt dann Frau mit Frau, Mann mit Mann. Oder Mann als Frau und umgekehrt.

 

Bei mir selbst schafft es zum einen ein Verständnis für die Frauenrolle (wenn ich selbst diese Rolle übernehme und mich führen lasse), zum anderen hilft es mir aber auch bei "Problemen" mit meiner eigenen Führung. Warum klappt manches nicht oder nicht bei den meisten Frauen (mit allen Frauen klappen wohl die wenigsten Dinge beim TA)?

 

Diesmal "arbeite" ich an einer Thematik, die mir immer wieder passiert. Ich beginne per linkem Seitschritt einen Rückwärtsocho zu führen. Nach dem Schließen mit rechts und erneutem Seitwärtsschritt mit links "überprüfe" ich kurz, ob die Frau meine Absicht verstanden hat und entsprechend geht.

 

Oftmals reagieren Frauen aber nicht wie von mir erwartet und ich breche das Ganze ab. Dann laufe ich stattdessen nach vorne weiter. Bei der letzten Tanzstunde wollte ich das einmal etwas genauer untersuchen und habe mit meiner Partnerin geübt. Wenn sie nicht weiß was ich will, dann klappt es auch hier manchmal nicht.

 

Also stelle ich mich neben sie, erkläre kurz was ich vorhabe und tanze parallel mit ihr die Frauenrolle. Und dabei wird mir klar, dass der Ocho hier für die Frau erst mit dem zweiten Schritt beginnt (wie üblich möchte ich nicht zu sehr ins tänzerische Detail gehen. Es geht hier ja nicht um die Vermittlung von Bewegungen beim TA). Für die Frau ist beim Seitwärtsschritt noch gar nicht ersichtlich, wie es weitergehen soll. Erst beim nächsten Schritt (Mann nach rechts) wird für sie klar, was er vorhat.

 

"Logisch" werden jetzt einige sagen. Vermutlich vor allen die Frauen. Für mich (als Mann) ist das aber überhaupt nicht logisch. Es wird für mich erst dadurch greifbar, dass ich es selbst "erlebt" habe. Als Frau. Und das ist das Entscheidende. Der Rollentausch hilft mir, mit meiner Rolle besser klar zu kommen. Besser zu Kommunizieren (also zu führen).

 

Ähnlich ergeht es mir, wenn ich mit einem Mann tanze und dabei die Frauenrolle übernehme. Zugegeben, ich habe damit noch sehr wenig Erfahrung. Es ist für mich schon schwer genug, zu erkennen, wann ich wohin gehen soll. Es wird mir dabei aber auch sehr deutlich bewusst, wie stark ich auf entsprechende Führung seitens des Mannes angewiesen bin.

 

Und in Anlehnung an den Titel dieses Posts möchte ich auch den Frauen den Rat geben, es einmal als Mann (Führender) zu versuchen. Vielleicht relativiert das eure Ansprüche in Bezug zur perfekten Führung etwas, wenn ihr selber merkt, wie schwer das manchmal ist.

 

Heikvaldo: Sie will doch (nur) spielen

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Ja, manchmal merke ich es beim Tanzen. Ist aber anscheinend kein allzu weit verbreitetes Phänomen. Zumindest nicht beim TA. Die Rede ist vom Spieltrieb.

 

Von allen Frauen, mit denen ich bisher TA getanzt habe (die Zahl ist dreistellig), kann ich allerdings an einer Hand abzählen, wie viele davon Spielerinnen sind (bzw. waren). Was ist eine Spielerin? Bei einer Spielerin merkst du als Mann, dass sie "Freiräume" - die ihr der Mann einräumt - nutzt. Wie läuft das? 

 

Manchmal habe ich das Gefühl, die Frau ist "begierig" darauf, etwas Neues auszuprobieren. Da bleibst du beim Ocho 'mal kurz etwas länger als üblich stehen und die Frau fängt an, mit dir zu spielen. Sei es in Form von Verzierungen (nichts Ungewöhnliches) oder aber sie "provoziert" etwas Neues. Sie fordert dich u.U. heraus. Vielleicht sieht sie dich dabei sogar etwas "frech" an. Und dann merke ich, sie will spielen.

 

Um ganz sicher zu gehen, genügt es meist, eine "Schrittfolge" abzuwandeln. Eventuell eine Drehung in die entgegengesetzte Richtung führen. Oder wirklich einen neuen Schritt zu gehen. Und dann spürst du an ihrer Reaktion, ob sie eher verwirrt ist (dann ist sie wohl keine Spielerin - und der Tanz geht ganz normal weiter) oder ob sie sich sozusagen darauf "stürzt". 

 

Eine Spielerin reagiert auf ungewöhnliches. Sie wird ihrerseits aktiv. Geht neue Schritte sofort mit. Bietet ihrerseits neues an. Sie reagiert auf dein "Angebot". Und dann entsteht u.U. etwas ganz neues ... oder auch etwas ganz anderes. Je nach Temperament, Musik, Tagesform, ... Bei der Spielerin kannst du vorher nie wissen, was passieren wird.

 

Es ist wie ein kleiner "Kampf" auf der Pista. Du forderst sie durch ungewohnte Bewegungen heraus. Stopps mit plötzlichem Richtungswechsel. Und dann "gibst" du an sie ab, um zu sehen, wie sie nun ihrerseits darauf reagiert. Vielleicht versucht sie nun ihrerseits deiner Führung zu "entfliehen". Lässt sich besonders gut beobachten, in dem der Mann rückwärts zur Tanzrichtung geht (aber bitte in kleinen Schritten. Und sicher stellen, dass die Frau dann ein Augenmerk auf die Umgebung hat). 

 

Die Frau muss nun ja folgen. Du stehst ihr ja sozusagen im Weg (vermutlich ist das ein Gedanke, den viele Frauen zumindest ab und zu beim Tanzen haben ;-)). Du "versperrst" den Weg. Und sie versucht an dir vorbei zu kommen. Natürlich nur gespielt. Eine Spielerin ist da sehr erfinderisch. Vielleicht versucht sie es durch eine geschickte Drehung und zwingt dich dadurch ebenfalls in eine Drehung. Das kann man(n) vorher nie wissen.

 

Nur eines kannst du sicher wissen: eine Spielerin will ihren Spaß dabei. Und wenn es sein muss, ist sie auch bereit, unkonventionele Wege zu gehen. Und dann kommt ihr manchmal so ein Tango ganz gelegen.

 

Heikvaldo: "Schau dir denn 'mal an"

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Die Abende werden wieder kürzer, die Temperaturen sinken. Wir suchen uns wieder vermehrt Indoor-Beschäftigungen. Es wird also wieder Zeit, sich verstärkt unserem gemeinsamen Hobby zu widmen.

 

Nach der 1-monatigen Sommerpause in meinem Blog möchte ich all meine treuen Leserinnen und Leser begrüßen. Willkommen zurück! Und all die neu hinzugekommen Leser und die neuen "Erstsemester" im TA (die also gerade jetzt mit dem Tango Argentino beginnen) möchte ich ganz besonders begrüßen (wer sich mit meiner Intention beschäftigt, der weiß, dass ich ja bevorzugt für AnfängerInnen schreibe).

 

Noch sind nicht wieder alle "Schäfchen" zurück. Noch ist der ein oder andere Platz bei den Milongas leer. Aber das wird sich sicher die nächsten Wochen noch ändern. Ein paar neue Gesichter wurden auch schon gesehen. Es geht also wieder los.

 

Nach einigen interessanten neuen, teils ungewöhnlichen Outdoor-Locations (mir persönlich gefielen die Tanz-Sonntage in der Fußgängerzone in Nürnberg) während der Sommermonate, treffen wir uns also jetzt alle wieder in der gewohnten Atmosphäre.

 

Und mit der "gewohnten Atmosphäre" bin ich auch beim Thema des heuteigen Posts. Es geht um die gewohnten Lästerinnen. Diese Exemplare findet man für gewöhnlich auf vielen Veranstaltungen. Somit also auch auf Milongas.

 

Wodurch zeichnet sich die Lästerin aus? Sie ist meistens paarweise anzutreffen (klar, alleine macht lästern ja auch keinen Spaß). Eventuell umgibt sie sich aber auch mit mehr als einer "Sinnesverwandten" (und warum benutze ich die weibliche Form? Im Allgemeinen ist diese Spezies weiblich. Mir sind jedenfalls noch keine männlichen untergekommen). Optisch ist sie ist für gewöhnlich im "Mittelfeld" anzutreffen (weder besonders hübsch, noch wirklich unattraktiv).

 

Allerdings findet man sie hauptsächlich (oder gar ausschließlich?) an einem Platz: nämlich an ihrem Sitz- oder Stehplatz. Solche Frauen findest du nicht auf der Tanzfläche (allenfalls "tanzt" ihre Zunge zwischen den Lippen hin- und her).

 

Bei einer der letzten Milongas ... die Musik "ungewöhnlich". Ein Gast-DJ. Keine traditionelle Musik. Aber auch kein "echter" Nuevo. Also wird probiert, experimentiert. Jeder nach seiner Fasson. Es sind jede Menge Paare auf der Tanzfläche. Einige sehen auch nur interessiert zu. Und dann fallen mir zwei Frauen am Tisch gleich neben der Tanzfläche auf.

 

Sie tuscheln. Nein, sie lästern. Über mich? Kann ich nicht sagen. Jedenfalls über einen Tänzer oder ein Tanzpaar. Da wird mit dem Finger gezeigt, gekichert. Das Lästerm**l ist fleißig am gackern. Über Details brauche ich mich hier nicht auszulassen. Die Damen haben sich massiv lustig gemacht. "... und das macht er falsch. Und sieh mal da ... *kicher* ...". Und so ging es munter weiter.

 

Mir war egal über wen es ging. Eventuell war es sogar ich. Da ich aber nicht für die Zuschauer tanze, war mir das ziemlich egal. Aber innerlich fand ich das Ganze schon ... "extrem". Dann wurde mir aber eines bewusst. Und das hat mich dann sofort beruhigt. Ich hatte es ja oben schon beschrieben. Solche Exemplare findet man meist an ihrem Tisch (oder eventuell an der Bar). Und von dort entfernen sie sich auch nur dann, wenn sie sich die Nase pudern müssen.

 

Meine lieben Damen, die ihr dort ablästert. Eines möchte ich euch sagen. Im Gegensatz zu euch, haben wir anderen getanzt! Ja, lasst euch das mal auf der Zunge zergehen. Egal wie gut oder schlecht wir es können. Aber wir tanzen! Im Gegensatz zu euch. Ihr sitzt nur dort herum. Anscheinend ist kein Mann gewillt, euch aufzufordern. Woran mag das liegen? Und somit habe ich nur ein müdes, bedauerndes Lächeln für euch übrig.

 

Müsst ihr zu solchen Aktionen greifen, weil keiner mit euch tanzen will? Gibt euch das eine Art Genugtuung. Eine Entschädigung für entgangene Tanzfreuden? Na dann macht ruhig weiter. Sicher haben es auch einige meiner Kollegen mitbekommen. Die sind jetzt wohl genauso darauf erpicht, nicht mit euch zu tanzen, wie ich. Und das ist doch wohl der Zweck eures Verhaltens? Oder warum geht ihr dann zu einer Milonga?

 

Heikvaldo: Ich bin doch keine Maschine

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Dieser Tag wird kommen ... früher oder später ... und sicher nicht nur einmal. Ihr wollt eigentlich Tango tanzen, seid aber letztendlich irgendwie nicht in Stimmung. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Spielt eigentlich ja auch keine Rolle.

 

Manchmal bemerkt ihr es aber erst, wenn ihr schon auf der Milonga seid. Bestens gelaunt habt ihr euch auf den Weg gemacht. Und plötzlich ...Wenn ihr Glück habt, dann kann sich eure Stimmung noch zum Positiven ändern. Vielleicht hört ihr eines eurer Lieblingslieder oder trefft auf euren Traumtanzpartner. Irgendjemand oder -etwas heitert euch schließlich auf. Dann kann der Abend doch noch ein schöner Tanzabend werden.

 

Oder aber, es will einfach nicht so richtig klappen. Und ihr verbringt mehr Zeit auf dem Stuhl oder steht am Rand der Pista und schaut zu. Allerdings nicht, weil niemand mit euch tanzen will, sondern weil ihr nicht tanzen wollt. Aber, kein Grund zum Beinbruch. Eine Milonga hat ja noch mehr zu bieten, als "nur" Tanzen. Warum seid ihr denn gekommen? Weil euch die Musik gefällt. Und die könnt ihr immer genießen.

 

Auch wenn ihr nicht tanzt (oder manche eben ausschließlich, wenn sie nicht tanzen - aber das ist jetzt eine andere Geschichte ;-). Oder ihr könnt euch ein bisschen unterhalten. Dafür bleibt - zumindest bei mir - oftmals zu wenig Zeit. Ich tanze viel. Und wenn es das Schicksal "gut" mit euch meint, dann wird euer Gsprächspartner immer dann aufgefordert, wenn ihr gerade anfangt euch zu unterhalten. Ja, das sind dann die richtigen tollen Abende.

 

Der Punkt ist einfach der, manchmal soll es eben nicht sein. Ihr wollt es zwar innerlich, aber es klappt nicht. Irgendetwas fehlt oder passt nicht oder ... Aber beruhigt euch. Das geht sicher jedem von uns auch machmal so. Wir sind Menschen, keine Maschinen. Wir funktionieren nicht, wir haben Stimmungen und Gefühle. Wir sind beeinflussbar. Wir treffen manchmal unlogische Entscheidungen. Ist auch gut so. Wäre ja schlimm, wenn wir alle "einheitlich" wären.

 

Ist eben wieder einmal ein bisschen wie Achterbahn fahren. Ruhig Blut. Das geht vorbei. Versucht eben das beste aus dem Abend zu machen. Vielleicht habt ihr zu intensiv "Mi corazon ..." gelauscht und euch von der Melancholie, der trüben Stimmung anstecken lassen. Dann fragt beim DJ nach, wann "El Entrerriano", "Rodriguez Peña" oder "El Esquinazo" läuft (oder wie auch immer eure "Motivatoren" heißen). Vielleicht geht es dann auch schon wieder aufwärts ;-)

 

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Und jetzt geht Heikvaldo in die Sommerpause. D.h., bis September gibt es keine neuen Posts. Ich wünsche euch eine schöne Zeit bis dahin. Genießt den Tango oder die tangofreie Zeit (geht so was?). Bis dann.

 

Heikvaldo: Tango und Ehrgeiz

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Okay, dann versuche ich es eben zum zwanzigsten Mal. Nein, wieder nicht perfekt. Ich bin nahe am Aufgeben. Motivierend ist etwas anderes. Hier kämpfe ich mit dem Ehrgeiz. Aber nicht mit meinem ...

 

Diesmal geht es um den Ehrgeiz im Tanz. Mit unserem eigenen kommen wir wohl alle gut zurecht. Aber was ist, wenn der (feste) Tanzpartner zu ehrgeizig wird? Oder auch, wenn das Tanzniveau im Paar zu unterschiedlich wird? Schließlich lernen wir nicht alle gleich (schnell) und gleich gut. Und im letzten Workshop war ich genau mit dieser Situation konfrontiert.

 

Meine Tanzpartnerin (wir tanzen sehr gut und harmonisch zusammen) hat auf einmal einen Ehrgeiz mit Hang zur Perfektion entwickelt. Ist für mich auch nachvollziehbar. Ich kenne ja die bzw. ihre Hintergründe. Aber das was sie da von mir erwartet, ist mir einfach zu "hoch". Es soll möglichst gleich perfekt sein. Und schon kleinste "Abweichungen" werden geahndet (aber bitte: das ist jetzt hier kein Vorwurf an sie. Wir regeln das persönlich). Es geht hier ja nur um das Prinzip.

 

Also, wie sollen wir damit umgehen, wenn einer plötzlich deutlich besser ... oder deutlich mehr will? Bedeutet das zwangsweise das "Aus" unserer Tanzbeziehung? Können daran möglicherweise sogar echte Beziehungen scheitern? Gibt es eine Lösung?

 

Für mich ist das hier wieder einmal ein Fall für König Salomon. Entweder ich suche mir eine neue Tanzpartnerin (mit weniger Ambitionen, dafür aber der Gefahr, dass es nicht so harmonisch sein wird - wir uns also tänzerisch (und vielleicht sogar menschlich) nicht so gut verstehen) oder ich bleibe bei dieser und lebe mit ihrem Ehrgeiz (auf die Gefahr hin, dass mir der Spaß an der Sache vergeht und ich permanent überfordert sein werde).

 

Wofür entscheiden? Sieht nach Zwickmühle aus. Ist es aber nicht (jedenfalls nicht für mich). Wie viele gut-zu-euch-passende-Tanzpartner habt bzw. kennt ihr mit denen ihr richtig schön-und-harmonisch Tanzen könnt und wollt (und diese auch mit euch)? Ist vermutlich eine überschaubare Zahl - stimmt's? Ja, wir kennen und haben sicher viele gute Tanzpartner. Aber wollen die auch mit uns Tanzunterricht nehmen oder gar Workshops besuchen? Also auch Zeit außerhalb einer Milonga mit uns verbringen beim Üben. Wollt ihr so etwas wirklich so einfach aufgeben?

 

Wer für sich jetzt sagt "alles kein Problem ich hab da dutzende davon" der sei beneidet (und sollte sich schämen, so zu lügen ;-). Für alle anderen (inklusive mir) kommt jetzt das notwendige Werkzeug (nein, es ist kein App und nicht bei iTunes zum downloaden): R-E-D-E-N. Und zwar miteinander (zum Glück sind die meisten TA TänzerInnen schon jenseits der 30. Wir haben diese Form der - direkten - Kommunikation ja noch gelernt und können sie noch anwenden - oder erinnern uns zumindest noch daran, wie es angewendet wird ;-)

 

Warum tanzen wir zusammen? Warum den Tango? Wegen der Perfektion (habe ich jetzt auch Welt- oder Europameister unter meinen Lesern?)? Eher nicht. Es ist wohl eher etwas anderes. Und das hat doch nichts mit Perfektion zu tun - oder? Was ist so schlimm daran, wenn diese oder jene Drehung in "die Hose geht"? Wenn die Haltung einmal nicht 100% perfekt war? Genau: gar nichts! Also warum einen übermäßigen Ehrgeiz entwickeln?

 

Ehrgeiz ist nichts Schlechtes. Auch nicht im TA. Aber zu viel davon ... das kann schädlich sein oder werden. Wenn einer von uns beiden (im Tanzpaar) den Spaß an der Sache verliert, die Freude am Tanz, an der Musik oder auch am Tanzpartner. Dann schießen wir wohl über das Ziel hinaus! Dann riskieren wir etwas zu verlieren (das in meinen Augen viel wichtiger und kostbar ist), um etwas anderes zu bekommen (was für mich in keinem Verhältnis zum möglichen Verlust steht).

 

Ihr ahnt es sicher, wie meine Entscheidung hier ausgefallen ist. Denkt an König Salomon: bevor ich "mein" Kind "töten" lasse ...