Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Das 10-Minuten "Verhältnis"

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Ein interes­santer Gedanke! Eine Tanda als "10-Minuten Verhältnis" zu sehen. Nun, was erwarte ich dann von so einer "Kurzzeit­be­ziehung"? Was sind meine Ansprüche? Welche Vorteile hätte es? Welche Nachteile?

 

Also wollen wir diesen Aspekt einmal genauer beleuchten. Wir lassen uns mit dem Tanz auf eine "Art" von Beziehung ein. Wie bei jeder anderen Beziehung ist sicher eine gewisse Sympathie für den anderen notwendig. Zudem gibt es eine körperliche Nähe (zwar nicht immer, aber bei entspre­chender Umarmung gewiss).

 

Was ich als Mann in einer solchen Beziehung ausdrücken kann ist vielfältig. Respekt für die Frau, ein gewisser Schutz und Fürsorge während des Tanzes. Unter Umständen bin ich auch bereit, meiner Tanzpartnerin ein Gefühl von Geborgenheit zu geben. Ich gebe ein bestimmtes Maß an Glück und Spaß. Der Genuß am anderen. Dieses schöne, warme Gefühl der gegenseitigen Nähe.

 

Die Frau ihrerseits kann mir Vertrauen signali­sieren. Sie kann mir das Gefühl geben, dass auch sie den Tanz, meine Nähe genießt. Dass sie für diese Minuten glücklich ist. Es ist dieses "loslassen". "Vergessen". Die "heilige Dreifal­tigkeit" des Tangos: Nur sie, ich und die Musik. Alles andere wird vergessen. Es ist uns beiden egal, was die anderen tun, was sie gerade über uns denken. Wir haben uns und es ist schön.

 

Die Vorteile? Nach der Tanda ist es vorbei. Keine weiteren Verpflich­tungen. Wenn wir uns einander "getäuscht" haben, ist es nicht weiter schlimm. Wir haben es genossen ... und aus. Jeder kann danach sofort eine andere "Beziehung" beginnen. Das Alter ist nebensächlich. Ebenso die Herkunft, die soziale Stellung.

 

Es existiert keine verbale Ebene zwischen uns. Wir müssen nicht kommuni­zieren. Es besteht auch keine Gefahr des Mißver­standen werdens. Wir können einfach "nur" genießen. Keine kompli­zierten Verstri­ckungen. Ein paar Augenblicke der körper­lichen Nähe ohne große Einlei­tungen oder Vorarbeiten. Ohne "Zeitver­schwendung"?!?

 

Man bekommt etwas, dass man in unserer Zeit dringend braucht (Geborgenheit, Nähe), ohne dafür viel investieren zu müssen. Ohne Verbind­lich­keiten. Beide können "ernten" ohne Reue und schlechtes Gewissen. Vielleicht kann man es sogar als eine Art von "Antesten" sehen? Klingt also alles in allem nach einer guten Sache. Eine vorüber­gehende Symbiose ohne Verlierer.

 

Die Nachteile? Es hat sicher nichts mit Liebe zu tun. Leiden­schaft vielleicht, aber nicht mehr. Es ist nur von kurzer Dauer. Es ist absolut unverbindlich (beides kann man natürlich auch als Vorteil sehen ;-))! Jedenfalls solange, bis nicht beide etwas anderes wollen. Kann ich mich davon also "langfristig ernähren"? Sicher nicht. Dafür ist es wohl zu wenig.

 

Kann ich mehr bekommen, als die Umarmung? Ich denke, die Gefahr hier etwas mißzuver­stehen oder etwas hinein zu interpre­tieren, dass es nicht wirklich gibt, ist groß. Berührungen, die nichts mit dem eigent­lichen Tanz, der Führung zu tun haben? Davor würde ich persönlich warnen! DANGER - ABNORMAL USE. ABORTION OF OPERATION>> Man sollte es so nehmen wie es ist. Ein paar schöne Momente. Aber sobald man die Tanzfläche wieder verlassen hat ... GAME OVER >>

 

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