Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Fantasy

(Kommentare: 0)

 

Heute möchte ich mich auf ein neues, ungewohntes Terrain begeben. Ich nenne es "Tangofantasy". Die Idee dazu entstand in der letzten Nacht, als ich nach dem TA wieder einmal wach im Bett lag.

 

Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden Personen oder realen Orten ist purer Zufall. Das Ganze ist nur Teil meiner Phantasie. Sollte sich hier eine meiner Tanzpart­ne­rinnen wieder­er­kennen, oder gar jemand ein ähnliches Erlebnis beim Tanz gehabt haben, so ... genießt es ;-))

 

--------------------------------------

 

Er wusste nicht mehr, wie er hierher gekommen war. Geschweige denn wo er überhaupt war. In dieser namenlosen Stadt. An diesem namenlosen Ort. Irgendetwas hatte ihn hierher­geführt. Er konnte aber nicht sagen was.

 

Und jetzt stand er vor dieser Tür. Es gab keinen anderen Weg weiter. Seine einzige Option war es, durch diese Türe zu gehen. Er war beunruhigt. Oder war es gar Angst? Die Angst vor dem Unbekannten? Aber irgendetwas in seinem Inneren beruhigte ihn. Er fühlte, dass keine Gefahr droht. Schließlich öffnete er die Tür und ging hinein.

 

Was ihn empfing war absolute Dunkelheit. Ein Meer von Schwarz. Es war stockdunkel. Beängs­tigend. Er fühlte, dass er vermutlich in einem großen Raum war. Eigentlich war es wohl mehr ein großer Saal. Doch wieder spürte er so etwas Beruhi­gendes. Etwas Vertrautes. Er konnte aber nicht sagen was es war.

 

Vorsichtig tastete er sich in den Raum hinein. Er setzte einen unsicheren Schritt nach vorne. Mit erhobenen Händen versuchte er irgendetwas zu ertasten. Aber da war nichts. Nur diese unendliche Leere. Noch ein Schritt. Ganz vorsichtig. Hin- und hergerissen zwischen dem Gefühl der Schwärze auf der einen Seite und diesem Vertrauten und Neugierigem auf der anderen Seite ging er langsam weiter hinein in den Raum. Es war still. Absolut still. Er hörte nur seine eigenen Schritte, die auf dem Boden wieder­halten.

 

Nach ein paar unsicheren Schritten konnte er es hören. Oder besser sie. Ein langsames, ruhiges Atmen. War es das was ihm diese Beruhigung gab? Er tastete nach vorne in den leeren Raum. Aber da war nichts. Er ging vorsichtig einen Schritt weiter. Und dann umgab ihn der Duft ihres Körpers. Dieses sanfte Tänzeln ihres Parfüms um seine Nase. Ein wenig löste sich seine innere Anspannung. Wieso beruhigte ihn das?

 

Ganz vorsichtig streckte er seinen linken Arm nach vorne. Da ... er spürte eine Hand. Ihre Hand. Die sanften, warmen und weichen Finger. Wie selbst­ver­ständlich umschloss seine Hand die ihre. Jetzt konnte er dieses ganz leichte Zittern in ihr wahrnehmen. Oder täuschte er sich? War es gar sein inneres Zittern? Er nahm die Hand etwas fester. Ja, da war es. Ein kaum spürbares Beben. Schließlich war er darauf trainiert, diese Körper­signale wahrzu­nehmen.

 

Nun glitt sein rechter Arm langsam und vorsichtig nach vorne. Er versuchte mit seiner Hand zu sehen. Er hatte ihren Duft, er fühlte ihre Hand. Irgendwie versuchte er daraus ein Bild von ihr zu formen. Nun spürte er ihre Taille. Langsam umschloss er sie mit seinem rechten Arm. Da war es wieder. Dieses leichte Beben. War ihr Atem schneller geworden? Er fühlte diese leichte Erregung, die Spannung ihres Körpers. Wie ein verängs­tigtes Tier. Bereit zur Flucht. Notfalls auch zum Kampf. Aber es gab keine Gefahr. Das spürten sie beide.

 

Ganz langsam umschloss er sie mit seinem Arm. Es war so selbst­ver­ständlich, als hätte er nie etwas anderes getan. Er zog sie sanft und vorsichtig zu sich. Er wollte ganz sicher sein, dass er sofort ihren Widerstand spüren würde. Aber es gab keinen Widerstand. Völlig geschmeidig, als wäre sie für ihn geformt worden, fügte sich ihr Körper an seinen. Es war perfekt! Wie zwei Teile eines Ganzen, die wieder zusammen­ge­funden hatten. Er spürte sanft ihr Haar an seiner Wange. Eine Strähne hatte sich nach vorne über ihre Stirn geschoben. So konnte er ihren Duft vollkommen erfassen. Vor seinem geistigen Auge war ihr Bild bereits fast vollkommen.

 

Dann spürte er ihre Wange an seiner. Immer noch dieses leichte Beben. Er fühlte, wie ihr Körper kaum wahrnehmbar zitterte. Oder war es sein Körper? Wie konnte er das noch unterscheiden? Es war nur noch ein Körper. Sie waren verschmolzen. Und dann hörte er diese leise Musik. Zuerst ganz fern. Sanft, kaum hörbar. Die Musik war unendlich weit weg und kam näher. Er fühlte, wie der Klang von ihm Besitz ergriff. Er fühlte, wie seine Arme und Beine die Musik aufsaugten. Wie die Klänge seine Muskeln steuerten. Wie sein - nein, wie ihrer beider Körper - sich mit der Musik zu bewegen begannen. Zuerst ganz sanft. Kaum spürbar.

 

Er spürte dieses Vertrauen. Es fühlte sich nicht mehr an wie Angst oder Unruhe. Er spürte wie es ihn durchdrang. Er spürte sie. Ganz langsam begannen sich ihre Körper zur Musik zu bewegen. Er nahm die Dunkelheit nicht mehr war. Es gab nur noch diesen Körper und die Musik. Alles andere war vergessen. Er spürte wie ihr Herz schlug. Diese Harmonie. Sie begannen zu tanzen. Es war so vollkommen. Er tanzte wie mit geschlossenen Augen. Er brauchte sie nicht zu öffnen. Er spürte nur noch diese Wärme.

 

Alles war perfekt. Er war glücklich. Und doch beherrschte ihn der Wunsch sie zu sehen. Er wollte ihr tief in die Augen blicken. Er wollte sie sehen. Sehen, ob sie genauso wie sein geformtes Bild von ihr aussah. Es war wie ein Kampf. Das Glück auf der einen Seite, die Neugier auf der anderen. Er musste die Augen öffnen. Er musste sie einfach sehen ... Schließlich gab er diesem inneren Drang nach und öffnete die Augen.

 

Aber was war geschehen. Wo war sie hin? Wo war der Moment? Wo war ihr Körper, den er eben noch so nah gefühlt hatte? Sie war verschwunden! Alles war verschwunden. Er war alleine. Hatte er das alles am Ende etwa nur geträumt?

 

--------------------------------------

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.