Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Das 90-Grad Wunder

(Kommentare: 0)

 

Die Aufgabe klingt absolut simpel. Obwohl ...

 

"Comfortable Dancing" - einige Insider werden jetzt wissen wovon (oder genauer von wem) ich hier spreche. Nach dem Seitwärts­schritt nach links (und anschlie­ßenden Schließen) sollen wir die Partnerin um 90-Grad gegen den Uhrzei­gersinn drehen (oder eigentlich ja drehen lassen). Die Kunst dabei besteht darin, die Achse der Frau dabei "nicht zu verletzen". Ich (der Mann) muss sie also genau um ihre Achse drehen. Kein Druck, kein seitliches Abweichen. Und das ist wohl erst einmal leichter gedacht als gemacht.

 

Aber ich will mich hier ja wie üblich nicht auf Tanzschritte konzen­trieren. Die eigentliche Sache, die wir mit so einer Übung lernen können (oder zumindest sollen), ist der absolut sanfte und genaue Umgang mit dem Partner. Jedes bisschen Kraft zu viel, jeder kleine "Schubs" hat Konsequenzen. Die Kunst ist also, dabei sanft und genau zu "arbeiten".

 

Und was soll ich sagen, nach einer Stunde Übung (natürlich haben wir noch mehr gemacht. Aber es ging jeweils um ähnliche "Präzision") war ich dermaßen sanft (ich hatte echt schon Angst, ich könnte was an ihr zerbrechen ;-) , dass mir wieder einmal bewusst wurde, wie schön es ist, wenn ich so behutsam mit ihr umgehe. Dieses mit-allen-Sinnen-auf-maximaler-Empfind­lichkeit Tanzen ... ja, das hat was.

 

Was soll ich sagen, aber ich hätte einen ganzen Tango "nur" mit dem "Grundschritt" (und jeweils dieser kleinen 90-Grad Variante) zubringen können und ich bin sicher, auch die Tanzpartnerin hätte es voll und ganz genossen (und nichts vermisst). Zugegeben, die Musik dazu war auch etwas langsam und sanft (womit wir wieder bei der Frage wären, welchen Einfluss auf den Tanz das jeweilige Lied hat).

 

Und das bringt mich nun zum oben bereits genannten Punkt: drehe ich die Partnerin oder drehe ich nur mich (und sie folgt)? Zumindest am Anfang habe ich sie aktiv gedreht. Zwar die Arme relativ unbeteiligt (steif) gelassen, aber doch mittels Zug bzw. Druck gearbeitet. Ich habe also aktiv Kraft aufgewendet, um sie zu drehen. Und jetzt kommt das "comfortable" im dancing zum Tragen. Ich soll gar keine Kraft aufwenden.

 

Ich soll mich um sie herum bewegen (hier laufe ich an ihrer linken Seite herum). Und sie wird (oder zumindest soll) mir folgen. Wir fungieren ja mittels Abrazo als eine Einheit. Alles was ich mache, muss sie ja gezwun­ge­nermaßen mitmachen. Und durch meine Bewegung wird sie sich drehen. Nicht durch meinen Krafteinsatz. Und brauche nur mich bewegen. sie macht ihren Teil selbst.

 

Erst hab ich ja schon etwas ungläubig geguckt. Wie? Ich soll überhaupt nichts MIT ihr machen? Ich soll mich nur um mich kümmern? Das ist schon eine gewisse Heraus­for­derung. Hier wird immer wieder vom Energiefluss gesprochen. Nicht von der Kraft. Ich als alter Physiker tue mir da schon ein bisschen schwer. Ich kenne Kraft und ich kenne Energie. Kraft kann ich erzeugen. Aber jetzt soll ich (wieder einmal) Energie fließen lassen. Und das ... ist für mich eines der Wunder im TA.

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.