Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Es sind zu wenig Männer da

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"Ich gehe jetzt. Es sind zu wenig Männer da!" Und weg war sie. Aha. Zugegeben, es waren weniger Männer als Frauen auf der Milonga. Aber ...

 

Insgesamt waren jede Menge Männer da. Und nicht alle waren bei allen Tandas "belegt". Somit gab es also fast zu jeder Zeit die Möglichkeit, sich einen freien Mann zu "schnappen" und mit ihm zu tanzen. Ist es also wirklich unsere Schuld - also die Schuld der Männer - wenn frau nicht zum Tanzen kommt? Das ("es sind zu wenig Männer da") kann ich so also nicht ganz gelten lassen.

 

Warum frage ich mich dann, werden die Frauen denn nicht von sich aus etwas aktiver? Es funktioniert. Wirklich. Vielleicht nicht immer. Aber das geht uns Männern ja genauso. Ich stehe also am Rand der Pista (Tanzfläche) und "erhole" mich gerade von einer Milongarunde. Und dann kommt eine Frau zu mir und fragt mich, ob ich tanzen möchte. Und ich sage "ja". Einfach so. Und schon hat sie getanzt. Lag das jetzt daran, dass sie eine Eidgenossin war (also aus der Schweiz)? Wohl kaum.

 

Es lag einfach daran, dass sie aktiv wurde und sich selbst "darum" gekümmert hat. Von mir aus hätte ich diese Tanda nicht getanzt. Ich habe eine kleine Pause gemacht. Da ich aber gefragt wurde ... Es kostet natürlich eine gewisse Überwindung selbst zu fragen. Das ist ja bei uns Männern nicht anders. Wenn ich tanzen will, muss ich mich auch darum kümmern. Von alleine passiert meistens nichts.

 

Auch fallen mir in diesem Zusammenhang die "Neun Gebote, um nicht aufgefordert zu werden" ein. Besagte Frau vom Anfang (die dann ging), saß gaaaaanz hinten auf ihren Stuhl. Hinter einem anderen Tisch. Im Dunkeln. Sie war mir nicht einmal aufgefallen. Warum hat sie sich nicht "in die erste" Reihe gesetzt? Möglich­keiten dazu gab es. Warum hat sie nicht "aktiv" signalisiert "ich möchte Tanzen"?

 

Natürlich will jede Frau auf einer Milonga tanzen. Aber warum schaffen es die einen, fast pausenlos zu tanzen und die anderen kaum oder gar nicht? Nein, tut mir Leid, das hat nichts (oder kaum) mit dem Aussehen oder dem Tanzkönnen zu tun. Es hat eben auch etwas mit der "Präsen­tation" zu tun. Ich muss gesehen werden. Ich muss "offen" sein. Also "ausstrahlen", dass ich wirklich tanzen will. Jetzt, hier und mit dir (mit "jedem" Mann).

 

Wenn ich mich im hintersten Eck "verstecke", werde ich nicht gefunden oder nicht so oft. Oder vielleicht nur von den Männern, die mich bereits kennen. Die werden auch aktiv zu mir kommen (wenn sie wissen, dass ich da bin). Aber die anderen (Männer) werden mich nicht wahrnehmen. Ich erscheine nicht auf ihrem "Scanradar". Die Folge ist wohl klar. Eine Frau die sich ganz hinten "versteckt" WILL NICHT TANZEN!

 

Genauso verhält es sich mit der Gruppe von Frauen, die sich gemütlich auf einer Couch platziert haben. Da sitzen sie also. Völlig relaxed. Es wird sich unterhalten (oder eben nicht). Will eine Frau, die auf einer Couch sitzt, wirklich tanzen? Will eine Frau, die sich unterhält wirklich tanzen? Meine Damen: mit einer Frau kommt ein Mann vielleicht zu recht. Mit einer ganzen Gruppe nehmen es nur die wenigsten auf (sprich: sie werden es "wagen" zu euch zu kommen und eine einzelne aus der Gruppe auffordern).

 

Ich denke, da sind die Chancen besser, wenn ihr euch alleine (oder ev. zu zweit) auf die Stühle am Rand der Tanzfläche setzt und eure Umgebung auch wahrnehmt. Ob Cabezeo oder nicht. Aber ich muss die Frau sehen und ihr unterstellen, dass sie jetzt im Augenblick auch tanzen möchte. Und das signalisiert sie u.a. mit ihrem Blick Und sie sollte es mir nicht allzu schwer machen, indem sie sich als Teil einer "Herde" tarnt. Wir Männer sind (oder waren :-)) Jäger.

 

Die Wahrschein­lichkeit, ein Tier (bitte nicht falsch deuten. Ich bezeichne Frauen nicht als Tier) aus der Herde zu "erlegen" ist deutlich geringer, als ein einzelnes als potentielle "Beute" auszumachen. Das wissen wir Männer immer noch. Und ob es nun gefällt oder nicht, aber Auffordern im Tango hat immer noch ein bisschen mit jagen zu tun.

 

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