Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Milonga für Dummies

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Folgender "Hilferuf" erreichte mich vor einiger Zeit:

 

"Bitte Heikvaldo, kannst Du nicht auch mal über den Tangofluß schreiben? So viele Quertänzer, Überholer, zum Auffordern oder Getränke holen, begrüßen etc. über die Tanzfläche laufen während der Tanda. Natürlich wissen das auch die Tangopäpste (Besser­wisser, ehemalige BA-Besucher), passiert aber leider allzu oft."

 

Ja stimmt! Das ist (leider) so. Passiert es aber aus Unwissenheit oder Ignoranz? Gegen ersteres kann man ganz leicht etwas tun. Deshalb hier noch einmal eine Zusammen­fassung der wichtigsten Milongaregeln. Ist jedoch Ignoranz die Ursache dieses Verhaltens, dann wird es schwer.

 

Vor allem, wie dagegen vorgehen? Ich denke wir "verstoßen" alle ab und zu gegen diese Regeln ("Wer ohne Sünde ist möge den ersten Stein werfen"). Auch ich wechsle ab und zu die Spur (wenn Platz ist oder mein Vordermann anscheinend in einer Kurzparkzone steht). Und natürlich muss auch ich ab und zu an der Theke Kühlwasser nachfüllen und betrete deswegen die Tanzfläche ohne Tanzabsicht. Also, wie "erziehen" wir uns selbst. Und wie schaffen wir es, notwendige und sinnvolle Reglements einzuhalten und durchzu­setzen?

 

Milongaregeln sind in erster Linie sinnvoll. Punkt! Der einzige Sinn dieser Regeln ist, es für alle angenehm und sicher zu machen. Wer daran zweifelt, ist eingeladen darüber zu diskutieren. Niemand soll eingeschränkt oder gemaßregelt werden. Tango ist "Gruppensport". Und da habe ich mich eben anzupassen. Der gewünschte Freiraum sollte sich auf das tänzerische beschränken. Hier darf und soll jeder wie er will oder kann.

 

Und warum verstoßen wir dann immer wieder einmal gegen diese Regeln? Weil einzelne Regeln gerade keinen Sinn machen (die Tanzfläche ist fast leer, warum in einer Spur tanzen) oder weil es uns egal ist (ich hab jetzt Lust mit meinen Freunden zu plaudern. Die anderen können doch außenherum tanzen)? Ich versuche mal es positiv zu sehen. Wir machen uns eben gerade keine oder zu wenig Gedanken. Brauchen wir also eine "Milonga­polizei"? Die öffentlich oder im geheimen umher patrouilliert und "Strafzettel" verteilt?

 

Nein, das will sicher niemand haben. Aber! Wie wäre es, wenn jemand (der DJ?) bei zu vielen "Verstößen" ein kleines Fähnchen hisst (oder ein Schild aufstellt oder eine Durchsage macht oder ...)? So als allgemeinen Hinweis an alle? Keiner wird direkt "angezeigt". Aber alle erhalten diesen Hinweis. Dann kann sich jeder einmal selbst an die Nase fassen und sein eigenes Verhalten kurz "checken". Wäre das eine Möglichkeit?

 

 

 

 

Zusammen­fassung der wichtigsten Milongaregeln (mit Erläute­rungen ;-):

  1. Wer in den Saal einer Milonga hinein geht, in dem gerade getanzt wird, durchquert nicht die Tanzfläche, sondern geht an dessen Rande zügig zu einem freien Platz, um nicht die tanzenden Paare zu behindern (oder wartet am Eingang, bis das aktuelle Musikstück zu Ende ist).
  2. Die Tanzrichtung erfolgt allein von links nach rechts, also gegen den Uhrzeigersinn (Ausnahme: es befinden sich so wenige Paare auf der Tanzfläche, dass dies gefahrlos für ein paar Schritte möglich ist).
  3. Es wird in Spuren getanzt und diese nur im "Notfall" verlassen. Diese Regel ist umso strikter zu befolgen, je voller die Milonga ist.
  4. Der Tangotänzer vermeidet Rückwärtsschritte zu tanzen. Die Salida wird vom 2. Schritt aus getanzt (Seitwärtsschritt nach links) weil mit dem 1. Schritt (Rückwärtsschritt) das dahinter tanzende Paar angestoßen werden könnte. Falls jedoch mit einem Rückwärtsschritt begonnen wird, ist dieser klein auszuführen (also nur wenig nach hinten gehen)
  5. Der Tangotänzer führt seine Tanzpartnerin derart, dass sie andere Paare oder Gegenstände nicht berührt
  6. Der Tangotänzer kontrolliert immer den Raum rechts, links und vor ihm, um zu verhindern, mit anderen Paaren zusammenzustoßen (da der Führende u.U. den Raum rechts vom Paar nicht überblicken kann ist ein Überholen auf dieser Seite besonders gefährlich)
  7. Ist die Milonga überfüllt, so bleiben die Füße immer im Kontakt mit dem Fußboden. Der Tangotänzer vermeidet insbesondere, voleos circulares und linerales, ganci etc. zu führen
  8. Wenn die Milonga überfüllt ist, so hält das Paar niemals an um eine Figur auszuführen, es sei denn am Rande der Tanzfläche wenn dort ausreichend Platz vorhanden ist (und auch sonst ist der Tanzfluß für max. ein paar Sekunden zu unterbrechen)
  9. Auf einer Milonga wird nicht geübt. Es findet kein Unterricht statt und es wird auch nicht belehrt oder Fehler korrigiert (geht dafür bitte nach draußen oder außerhalb der Tanzfläche)
  10. Überholen anderer Tanzpaare ist zu vermeiden. Falls nötig, wird links überholt (Grund: siehe 6.)
  11. Es ist anstandslos, während der Ansagen des Musicalizador (DJ) zu reden
  12. Begrüßungen und Verabschiedungen haben ausschließlich außerhalb der Tanzfläche zu erfolgen (Einzige Ausnahme: während einer Cortina)
  13. Für Unterhaltungen (außerhalb einer Cortina) ist die Tanzfläche zu verlassen. Vor allem ist Gruppenbildung zu unterlassen.

(Diese Regeln sind eine Zusammen­stellung einzelner Listen u.a. von Carlos Gavito. Ich habe mir erlaubt, zusätzlich  auf deutsche Besonder­heiten einzugehen)

 

Und hier noch ein paar zusätzliche - in meinen Augen nette - "Regeln":

  1. Befinden sich einzelne, unbekannte TänzerInnen auf einer Milonga, ist es eine Nette Geste, diese zum Tanzen aufzufordern.
  2. Beide Tänzer passen sich dem "schwächeren" Tanzniveau an (als Führender ist es rücksichtslos, seine Partnerin zu überfordern; als Folgende bringe ich meinen Partner u.U. in Verlegenheit, wenn deutlich besser getanzt wird)
  3. Zweck einer Cortina (Pausenstück) ist es, dass alle Tänzer die Tanzfläche verlassen um die Möglichkeit zu schaffen, neue Tanzpartner zu wählen (hat noch nie geklappt). Wer mit seinem Partner weiter tanzen will, sollte sich wenigstens an den Rand der Tanzfläche begeben, um die Sicht der Anderen nicht zu behindern.
  4. Jeder achtet darauf, dass Gegenstände (z.B. Stühle) nicht in der Tanzfläche stehen

 

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