Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Links, rechts, vor, zurück (oder unendlich/Tango = 3)

(Kommentare: 0)

 

Mehr Möglich­keiten gibt es nicht! Und eine davon scheidet meistens aus! Bleiben drei. Ach so, ihr wisst ja noch gar nicht, wovon ich spreche. Also gut, dann hübsch der Reihe nach. Einen Einstieg in die Thematik habe ich ja mit dem vorherigen Post bereits getan.

 

Als Führender habe ich jeweils das Problem: "wo soll der nächste Schritt hingehen?" Aus einer schier unüber­schaubaren Anzahl von Möglich­keiten soll jeweils eine passende ausgewählt werden. Das überfordert mich. Bisher.

 

Ich habe es ja schon öfters gehört, aber bisher noch nicht so richtig "verarbeitet". Kam mir irgendwie viel zu trivial vor. So einfach kann es gar nicht sein. Sonst könnte es ja jeder. "Es gibt jeweils nur drei Möglich­keiten!" - so die Worte der Tanzlehrer. Da steht also meine Tanzpartnerin vor mir. Egal was wir gerade getanzt haben. Aus genau dieser Ausgangs­po­sition gibt es im Allgemeinen genau drei Möglich­keiten weiter zu gehen.

 

Wer jetzt sagt: "logisch!" - der kann hier aufhören zu lesen. Mehr Erkenntnisse gibt es heute nicht. Für alle anderen möchte ich dieses "Phänomen" noch ein bisschen ausführen. Solange, bis ihr es auch glaubt (und daraus lernt). Genau wie ich.

 

Nehmen wir einmal an die Frau steht auf dem linken Bein. Der nächste Schritt muss also mit ihrem rechten Bein erfolgen (damit es nicht zu kompliziert wird, lasse ich Standbein­wechsel, etc. einmal weg). Ihr rechtes Bein ist also frei. Wo kann sie es hinbewegen? Zu ihrer rechten Seite, nach vorne oder hinten. Mehr Möglich­keiten hat sie gerade nicht.

 

Für mich als Führender bedeutet das, mein nächster Schritt kann nur nach links gehen (damit sie einen Rechts­schritt machen kann) oder nach vorne bzw. hinten (wobei sie dann einen Rückwärts- bzw. Vorwärts­schritt macht). Ja, ist absolut trivial. Aber habt ihr das bisher auch so verinnerlicht? Damit reduzieren sich die unendlich vielen Möglich­keiten, wie es hier mit dem Tanzen weitergehen soll auf genau diese drei. Und das ist doch überschaubar.

 

Nehmen wir also einmal an, euer Tanzniveau ist in etwa so wie meines. Ihr könnt gehen, habt Ochos und Seitwärts­schritte "drauf". Vielleicht habt ihr auch schon Sacadas, Rebote oder was auch immer gelernt. Egal. Die Sache ist ja die, dass wir aus all diesem Vorrat an Möglich­keiten etwas zusammenbauen, das dann TA genannt wird. Und da liegt - zumindest bei mir - der Hase begraben. Die Aneinan­der­reihung von Elementen. Am Schluss soll ja ein Tanz daraus werden.

 

In der Theorie klappt das wunderbar. In der Tanzstunde wird etwas geübt bis wir es verstanden haben. Aber bedeutet das auch, dass wir genau dieses Element jetzt auch schon tanzen können? Auf einer Milonga? Mit einer fremden Frau im Arm? Unter dem Blick der Zuschauer? Bei fremder Musik? Wenn ich unter diesem "Stress" stehe, dann "blockiert" teilweise mein Tangogehirn. Es gibt die gelernten Informa­tionen nicht heraus. Und bevor meine Tanzkunst leidet, lasse ich dann vieles lieber weg.

 

Mir erklärte einmal eine wunderbare Tänzerin, dass "... die einzelnen Elemente (Ochos, etc.) die Noten sind. Die Kunst ist es, daraus eine Melodie zu machen". Jedes Kind kann Noten lernen. Aber nur wenige schaffen es, sie so anzuordnen, dass daraus ein Lied wird. Und die besonders Begabten schaffen es, eine wunderbare Melodie zu zaubern.

 

Und genau das wollen wir auch versuchen. Eure Noten habt ihr (Ochos, Vorwärts­schritte, Seitwärts­schritte, ...). Also lasst sie uns "harmonisch" anordnen. Alles schön langsam. Nach jedem Schritt eine kurze Pause. Was sind jetzt gerade meine drei Möglich­keiten? Welche davon habe ich schon angewandt? Gut, dann probieren wir jetzt die Restlichen aus.

 

Und plötzlich ist das alles gar nicht mehr so verwirrend. So unüber­schaubar viel. Zumindest bei mir ging endlich ein Licht auf. Und jetzt fange ich an, damit zu spielen. Das erfordert natürlich Übung. Und es ist nichts für eine Milonga. Probiert das für euch selbst aus. Mit dem Tanzpartner. In aller Ruhe. Solange, bis es euch in Fleisch und Blut übergeht.

 

Damit vervielfacht sich euer Repertoire. Nicht mehr nur Vörwärts- oder Rückwärtsocho und dann ein Seitschritt. Ihr könnt die Seitschritte beliebig in die Ochos einbauen. Davor, danach, dazwischen. damit ergeben sich plötzlich viel mehr Möglich­keiten. Obwohl ihr eigentlich ja gar nichts Neues gelernt habt.

 

Ach ja, bevor ich es vergesse. Wie gesagt, Noten aneinander reihen ist eine Sache. Eine "schöne Melodie" zu tanzen eine andere. Vergesst nicht euren jeweiligen Tanzpartner mit in dieses Lied einzube­ziehen. Vielleicht erfordert dieser Umstand eine gewisse Modifi­kation eurer Pläne. Kann sie auch (schon) alles was ihr vorhabt? Erst wenn es für beide schön ist, dann ist es Tango!

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.