Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Die Rolle der Frau im TA

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Ich habe hier ein paar Absätze von Annett Welsch mit dem Thema "Sinnlichkeit und Sucht" (Quelle: http://parapluie.de/archiv/pakt/tango) zur Rolle der Frau im TA gefunden.

 

"Eine große, nicht mehr ganz junge Frau zieht die Blicke auf sich. Sie ist sehr schön und ganz in schwarz: der kurze Rock, die Nahtstrümpfe, das langge­lockte Haar. Dazu bilden knallrote Tanzschuhe einen effekt­vollen Kontrast. So sicher und erfahren wie ihre ganze Erscheinung wirkt auch ihr Tanz. Sie setzt die Schritte ruhig, tanzt in den Boden hinein. Ihre Wange schmiegt sich an die Wange des Tänzers, auf den Gesichtern spiegelt sich die Freude an der gemeinsamen Bewegung. Im normalen Leben ist sie Mutter zweier Kinder, an den wöchent­lichen Tanzabenden verwandelt sie sich in einen Männertraum.

 

(...)

 

Die meisten weiblichen Tangotänzer kennen dieses Gefühl sehr gut - sich im Tanz ganz hinzugeben, sich darin zu verlieren. Ein Gefühl, das man mit nach Hause nimmt und das dem Verliebtsein manchmal zum Verwechseln ähnelt. Das Phänomen ist frauen­typisch, Sartori nennt es das "Zerfließen im Kontakt": Die Frau kann beim Tango die Augen schließen und sich fallen­lassen, sie kann alle Kontrolle aufgeben. Der Mann dagegen muß in jeder Sekunde über den nächsten Schritt entscheiden. Er führt und ist gezwungen, die Form zu wahren.

 

Die Frau genießt im Tango das Aus- und Erleben ihrer Weiblichkeit, Sinnlichkeit und ihrer Sensibilität. Nur sie hat das Privileg, mit geschlossenen Augen auf eine Reise der Gefühle und Emotionen gehen zu können, inniglich, in sich gekehrt. Sie soll und darf ihre Weiblichkeit ganz in den Vordergrund stellen."

 

Annett Wilsch beschreibt hier zwei Rollen, die eine Frau im Tango einnehmen kann. Ich möchte sie einmal die "Verführerin" bzw. "Genießerin" nennen. Wobei die Verführerin nicht im klassischen Sinn verführen will. Es ist mehr wie ein Spiel. Die Genießerin tut jedoch genau das. Sie will genießen. Ich habe jedoch schon Frauen getroffen, die auch andere Rollen "gespielt" haben.

 

Da wäre zum einen die "Schauspielerin". Sie liebt es sich zu verkleiden. Ihre Garderobe ist zumindest anders, manchmal sogar "gewagt". Sie trägt Kleidung, die im Alltag keinen Platz hat. Geschlitzte Kleider (wobei der Schlitz deutlich oberhalb des Knies endet), Kleider in auffal­lenden Farben, reich verziert. Aufwendige Strümpfe. Und natürlich besondere Schuhe. Da muss selbst ich als Mann hinsehen (wobei ich sicher alles andere als einen Schuh-Fetisch habe).

 

Diese Frau hat auch etwas von der Verführerin. Allerdings steht bei ihr das Aussehen im Vordergrund, während die Verführerin mehr mir ihren Reizen spielt. Sie will den Mann primär nicht verführen. Sie will ihm optisch etwas bieten. Oder sie "verkleidet" sich ausschließlich für sich selbst. Es macht ihr Spaß in diese Rolle zu schlüpfen. Vielleicht lebt sie damit kleine Fantasien aus.

 

Dann gibt es die "Träumerin". Sie hat oft etwas von Dornröschen an sich. Wie in einem kleinen Dämmer­schlaf folgt sie ihrem Tanzpartner auf dem Parkett (das ist jetzt nicht negativ gemeint). Sie verhält sich eher ruhig. Auch spricht sie kaum oder gar nicht. Sie ist eher nach innen gekehrt. Wobei sie sicher nicht zu denen gehört, die sich "herum schieben" lassen. Aber sie genießt eher im Stillen. Ihr Aussehen ist ihr nicht so wichtig. Vielleicht wartet sie auf ihren Traumprinzen? Sie ist bereit, es mit jedem zu versuchen. Allerdings gibt sie nicht zu erkennen, wenn sie ihn gefunden hat, sondern begibt sich gleich darauf auf eine neue Suche.

 

Und es gibt die "Tempera­mentvolle". Sie erinnert mich an wilde Rassepferde. Ungestüm. Jederzeit bereit loszubrechen. Du musst sie voll im Zaum halten, sonst geht sie dir durch. Sie ist bereit alles auf dem Parkett mitzumachen. Nichts ist zu wild, nichts zu verrückt. Sie will ihren Spaß. Egal wie (aber sicher nicht: egal mit wem). Kein Vals ist ihr zu schnell, keine Milonga zu rhythmisch.

 

Und es gibt Frauen, die können mehrere dieser Rollen an einem Abend einnehmen. Sie erscheinen vielleicht schon als Verführerin oder Schauspielerin. Je nach Musik verwandelt sie sich bei einem wunder­schönen ruhigen Tango in eine Träumerin oder Genießerin. Während sie Minuten später beim Vals die Tempera­mentvolle gibt. An einem Abend gibt sie die eine, an einem anderen eine andere Rolle. Und als Mann musst du immer erst heraus­finden, welche Rolle sie heute spielt.

 

Und welche Rolle ist uns Männern am liebsten? Tja das, liebe Frauen, kommt ganz darauf an. Auf den Mann, auf den Abend, auf die Frau selbst, auf die Musik, auf ...

 

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