Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Inadap­ta­bilidad - oder warum sind Vögel intelli­genter als wir?

(Kommentare: 0)

 

Milonga. Die Tanzfläche ist für deutsche Verhältnisse ziemlich voll (in Buenos Aires würde man vermutlich von einer schlecht besuchten Veranstaltung sprechen). Da sind sie wieder: die Kampftänzer! Die Tango-Kamikazes! "Wo ich bin, geht die Post ab!" "Aus dem Weg - jetzt komme ich!"

 

Ein kleiner Tritt nach da - Treffer! Jetzt noch schnell das Bein der Frau beim Rotieren nach oben bringen - wundervoll! Genau auf das Knie von Nachbarn! Herrlich! Das ist genau die Action die wir alle brauchen und lieben!

 

Wie - so frage ich mich - haben wir es an die Spitze der Evolution geschafft? Das kann nicht mit rechten Dingen zugegangen sein. "Inadap­ta­bilidad (span.)" - mangelnde Anpassungs­fä­higkeit. Vielleicht sollte man es auch mit Intoleranz übersetzen. Warum nur, fällt es manchem Tänzer oder auch Tänzerin so schwer, sich unter bestimmten Voraus­set­zungen etwas zurück zu halten?

 

Mich selbst würde ich als "Verstand­tänzer" bezeichnen. Wenn es eben zu voll ist, dann fahre ich meinen Platzbedarf eben herunter. Ich stelle das Wohl der Tangoge­mein­schaft auf dem Parkett über mein persön­liches. Ich schränke mich etwas ein und alle anderen haben etwas davon. Es gibt sicher genug andere Möglich­keiten, mein "Gefieder aufzup­lustern" und zu zeigen was ich "drauf habe".

 

Im Tierreich wird dieses Verhalten als "Schwarm-Intelligenz" bezeichnet. Jedes einzelne Tier passt sich an die Gruppe an. Zum Wohl des gesamten Rudels bzw. der gesamten Gruppe. Diese Tiere sind in der Lage, neue Verhal­tens­muster zu lernen und sich dadurch besser an die Umwelt­an­for­de­rungen anzupassen. Davon profitieren dann alle Gruppen­mit­glieder.

 

Es scheint so, als wäre dieser Bereich des mensch­lichen Gehirns irgendeiner Rationa­li­sie­rungs­maßnahme zum Opfer gefallen. Zum Glück nur bei wenigen. Aber die schaffen es trotzdem, das "Rudel" in Gefahr zu bringen. Da wird getreten, es fliegen spitze Absätze in gefähr­lichen Höhen. Da interessiert sich niemand mehr für Tanzrichtung, "Spuren", "Zugbildung" mit dem Vordermann. "Ich will Spaß!" "Ich kann!"

 

Klar, das neue Schritt­muster wurde ja auch mühsam erlernt, ev. sogar teuer bezahlt. Das muss jetzt auch gezeigt werden. "Seht her meine Damen!" Naja, wenn man(n) sonst keine Möglichkeit der Entfaltung hat. Im Tierreich gibt es allerdings - genauso wie bei der mensch­lichen Rasse ;-) - die weibliche Intelligenz. Ja, schon der stärkste, beste, ... Aber manchmal eben auch der, der sich als "Rudelführer" am besten eignet. Und das müssen nicht unbedingt die gleichen Männchen sein.

 

So "pilgern" die Weibchen dann umher auf der Suche, nach einem "sicheren Hafen". Wer kann mich "beschützen" vor all diesen Gefahren? Wem kann ich vertrauen? Übrig bleiben dann aber leider die Weibchen, die genau so einen "Tango-Pfau" suchen. Was hier zählt, ist das prächtigste Gefieder. Der Rest ist Nebensache.

 

Bleibt mir (und den anderen Tanzpaaren) nur zu hoffen, dass diese aufgeplus­terten Erpel nicht die "besten Weibchen" bekommen, sondern die natürliche Auslese dafür sorgt, dass auf Dauer nur die rücksichts­vollen Männchen bestand haben werden.

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.